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Am Tag nach dem Mord hatten, Freunde, Bekannte und Reiter Blumen, Kerzen und ein Bild der Getöteten am Tatort abgelegt.

Mordanklage

Anwalt verteidigt Mann, der seine Ex-Freundin erschossen haben soll

Andreas Hohnel ist der Anwalt des 55-jährigen Lkw-Fahrers, der eine 22 Jahre alte Frau auf einem Reiterhof in Hofheim erschossen haben soll. Wie sieht er seine Rolle in einem so emotionalen Fall?

Hofheim - Im Hofheimer Ortsteil Langenhain da sind sich viele ganz sicher: Er war's. Er, das ist der 55 Jahre alte Ex-Freund einer 22 Jahre jungen Frau, die in Wallau eine Ausbildung zur tiermedizinischen Fachangestellten machte und auf der Zufahrt zu einem Reiterhof erschossen wurde. Der Lkw-Fahrer, der inzwischen in Untersuchungshaft sitzt, bestreitet weiterhin, seine ehemalige Freundin ermordet zu haben.

Mit Festnahme gerechnet

Er sei aufgrund einer "Best-friends-Connection" vor drei Wochen zum Anwalt des 55-Jährigen aus Wiesbaden geworden, erzählt Andreas Hohnel. Einen Tag nach dem Verbrechen auf dem Reiterhof am Ausgang des Hofheimer Ortsteils Langenhain war die Polizei bei dem Lkw-Fahrer aufgetaucht. Dieser wollte jedoch nicht ohne einen Anwalt mit der Kripo sprechen. Der Arbeitgeber des Wiesbadeners sprach mit seinem Anwalt, der wiederum kannte den Strafrechtler aus Frankfurt, der sich umgehend mit dem Tatverdächtigen traf.

Alle Hintergründe zu dem Fall finden Sie in unserem News-Ticker

Nach einem längeren Gespräch fuhren beide noch am selben Abend zusammen zur Polizei. Nach dem, was zu diesem Zeitpunkt bereits über die Tat bekannt geworden war, sei ihm und seinem Mandanten klar gewesen, dass sie mit der Festnahme rechnen mussten, sagt der Rechtsanwalt.

Am nächsten Tag ist dann Haftbefehl wegen Mordes ergangen. Seither sitzt der 55-Jährige in Untersuchungshaft, Letzte Woche hat Andreas Hohnel seinen Mandanten in der Justizvollzugsanstalt Preungesheim besucht, anderthalb Stunden haben sie unter vier Augen miteinander gesprochen. Über den Fall, auch über die zahlreichen Tiere auf dem Hof des Wiesbadeners. Der Tatverdächtige erkundigte sich vor allem nach seinen drei Kindern, die er sehr liebe. Für die beiden Jüngeren, die noch minderjährig sind, hat er seit der Trennung von der Ehefrau das Sorgerecht.

Anschließend habe er sich noch "um einiges drumherum" gekümmert, erzählt der Jurist, er habe sich mit dem Jugendamt und auch dem Veterinäramt in Verbindung gesetzt. Das sei eigentlich nicht seine Aufgabe, aber da komme eben seine "katholische Ader" durch.

Trennung als Motiv?

Die Aufgabe des Verteidigers habe manchmal eben auch eine "seelsorgerische Komponente", sagt der Rechtsanwalt, der in Limburg lebt, früher Messdiener war, und als junger Mann mit dem Gedanken gespielt hatte, Pfarrer zu werden.

Der Frankfurter Anwalt Andreas Hohnel ist der Rechtsanwalt des 55 Jahre alten Tatverdächtigen.

Sein Mandant, so sagt Hohnel, bestreitet nach wie vor, die 22-Jährige getötet zu haben, weil er sie doch trotz der Trennung noch immer geliebt habe, hat er seinem Anwalt versichert. Auf einem Reiterhof nahe Niedernhausen hatte der 55-Jährige die junge Frau vor drei Jahren kennen gelernt. Anfang des Jahres ging die Beziehung in die Brüche. Um ihrem Ex-Freund aus dem Weg zu gehen, war die Auszubildende vor kurzem zum Reiterhof nach Hofheim gewechselt.

"Ich bringe sie um"

Die Trennung ist für die Frankfurter Staatsanwaltschaft das Tatmotiv. Ein Zeuge will gehört haben, wie der 55-Jährige sagte, "ich bringe sie um". Und als er Verdacht schöpfte, seine Ex habe einen neuen Freund, soll er vor Zeugen erzählt haben: "Wenn ich sie nicht haben kann, dann soll sie niemand haben."

Diese Aussagen reichten zwar für den Haftbefehl, im Prozess dürften sie hingegen kaum genügen, den Tatverdächtigen wegen Mordes zu verurteilen. "Denn zwischen Sagen und Machen besteht eine große Hemmschwelle", erklärt Hohnel. Selbst wenn der 55-Jährige tatsächlich gesagt habe, was die Zeugen gehört haben wollen, "macht das einen Menschen noch lange nicht zum Täter".

Eine entscheidende Wendung wäre allerdings, wenn sich herausstellen sollte, dass eine der drei auf seinem Privatgrundstück in Wiesbaden gefundenen Waffen die Tatwaffe ist. Noch ist nach Auskunft der Frankfurter Staatsanwaltschaft die ballistische Untersuchung nicht abgeschlossen. Doch egal, wie das Ergebnis ausfällt: Andreas Hohnel wird den 55-Jährigen bei dem Prozess verteidigen, wenn es zur Anklage kommt. "Wenn er sagt, er war es nicht, dann kämpfe ich für seine Wahrheit", sagt der Rechtsanwalt.

Zwischen privater und offizieller Meinung trennen

In den 21 Jahren, in denen er Strafverteidiger ist, hat er gelernt, professionell mit den Entwicklungen der Fälle umzugehen, dabei weiß er sorgfältig zu trennen zwischen seiner privaten und seiner offiziellen Meinung. Natürlich wisse er manchmal nicht, ob seine Mandanten ihm die Wahrheit sagen oder nicht.

Auch wenn er wisse, dass er belogen werde, "bin ich ganz professionell, denn das Gesetz hat mir die Rolle der Verteidigung zugewiesen", sagt Hohnel. Er beruft sich auf das Gesetz, nach dem jeder Mensch ein Recht auf Verteidigung hat und fügt hinzu: "Ich mache nie etwas gegen das Gesetz, ich arbeite mit den Mitteln des Gesetzes."

Mehr zu dem Fall lesen Sie hier: Junge Tierarzthelferin durch Kopfschuss getötet. Bundesweit für Schlagzeilen sorgte vor 25 Jahren ein spektakulärer Sechsfach-Mord im Frankfurter Westend

Ulrike Kleinekoenen

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