Nach der Messerstecherei in der Zeilsheimer Straße in Hofheim sichert die Polizei zahlreiche Spuren.
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Nach der Messerstecherei in der Zeilsheimer Straße in Hofheim sichert die Polizei zahlreiche Spuren.

Kriminalität

Hofheim: Brutaler Rachefeldzug endet im Knast

  • vonMatthias Gerhart
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Die beiden Haupttäter müssen wegen gefährlicher Körperverletzung für mehr als zwei Jahre ins Gefängnis.

  • Nach zwei heftigen Angriffen gab es „durchwachsene“ Urteile in Hofheim.
  • Anfangs hatte das Urteil auf „Totschlag“ gelautet.
  • Einer der Angeklagten könnte abgeschoben werden.

Hofheim/Frankfurt – Haftstrafen von zwei Jahren und sieben Monaten beziehungsweise zwei Jahren und elf Monaten, ein Freispruch und ein vierwöchiger Jugendarrest – mit „durchwachsenen“ Urteilen ist jetzt vor dem Frankfurter Landgericht der Prozess um eine – eigentlich völlig überflüssige – Auseinandersetzung mit mehreren Verletzten zu Ende gegangen. Amar A. und Irschad G., die beiden zu Gefängnis verurteilten, 21 und 24 Jahre alten Angeklagten, waren an jenem Junitag vergangenen Jahres die Haupttäter und Initiatoren des Zoffs, der an der Kreuzung Zeilsheimer Straße/Elisabethenstraße sein blutiges Finale fand.

Pöbeleien zum Abiball in Hofheim

An jenem Abend rüsteten die Abiturienten zum Abschlussball in der Hofheimer Stadthalle. Auf dem Weg dorthin mussten einige festlich gekleidete junge Frauen an jener Sitzbank auf dem Chinonplatz vorbei, auf der sich die beiden betrunkenen Männer zuvor niedergelassen hatten. Es folgte eine obszöne Anmache durch Amar A. und Irschad G., die auch dem Mitarbeiter einer nahen Gaststätte nicht verborgen blieb. Gemeinsam mit einem Sicherheitsbediensteten wollte er die Pöbler zur Rede stellen, was jedoch mit heftigen körperlichen Attacken beantwortet wurde.

Zweiter Tatkomplex nach Polizeieinsatz

Die zu Hilfe gerufene Polizei nahm die beiden Randalierer mit auf die Wache und stellte die Personalien fest. Die vorausgegangenen Straftaten – der Kellner wurde durch einen Faustschlag verletzt – aber waren noch nicht derart schwer, dass man die Sache dem Haftrichter hätte vorlegen müssen. So wurden die Täter wieder auf freien Fuß gesetzt. Und so kam es zum zweiten Tatkomplex, während auf dem nahen Abiturball unbeschwert das vielzitierte „Tanzbein“ geschwungen wurde.

Angriff mit Messer und Stuhlbein auf Hofheimer Kellner

Besonders den 24 Jahre alten Afghanen Amar A. fuchste der Polizeieinsatz, hatte er doch Angst um seinen Aufenthaltsstatus in Deutschland. Statt sich deshalb ruhig zu halten, entschloss er sich, Rache zu nehmen und dem Restaurantmitarbeiter gemeinsam mit drei weiteren Kumpels einen heftigen Denkzettel zu verpassen. Als der Kellner (42) Feierabend gemacht hatte und sich auf den Heimweg machen wollte, wurde der 42-Jährige überfallen. Diesmal kamen neben den Fäusten auch Stuhlbeine und ein Messer zum Einsatz. Aber der Restaurantmitarbeiter hatte genug Mumm, um sich wirkungsvoll zur Wehr zu setzen. Er entwandt Amar A. das Messer und verletzte den Angreifer erheblich. Aufgrund der Notwehrsituation wurde das routinemäßige Ermittlungsverfahren gegen den Kellner schnell eingestellt. 

Erste Anklage gegen Hofheimer lautete auf versuchten Totschlag

Die Anklage gegen die beiden Haupttäter lautete zunächst auf Totschlagversuch, wurde jedoch später zur gefährlichen Körperverletzung „degradiert“. Am Ende standen entsprechende Verurteilungen der beiden Erwachsenen – und Amar A. wird sich tatsächlich über seine Zukunft in Deutschland Gedanken machen müssen. 

Nur die beiden jüngeren, erst später dazugekommenen Mitangeklagten kamen vor der Jugendstrafkammer glimpflich davon: Dem 22-Jährigen konnte keine direkte Tatbeteiligung nachgewiesen werden, was zum Freispruch führte. Bei dem 20-jährigen Schläger spielten Reife-Defizite eine Rolle, so dass die Richter für ihn einen vierwöchigen Jugendarrest als ausreichende Sanktion ansahen. Im Strafmaß wichen die Urteile gegen die Hauptangeklagten von den Vorstellungen der Verteidiger ab, so dass es möglicherweise zu einer Revision beim Bundesgerichtshof kommt. Von Matthias Gerhart

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