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Eine Institution: Die Tagesklinik Hofheim in der Reifenberger Straße gibt es bereits seit 1993.

Medizin 

Generationswechsel in der Tagesklinik in Hofheim – Dr. Humpich wird Partner

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36 Ärzte aus der Umgebung nutzen die Tagesklinik in Hofheim. Dort steht jetzt eine neuer, alter Chef in den Startlöchern. 

Hofheim -Eher zufällig hat Dr. Marek Humpich mit der Tagesklinik in der Reifenberger Straße Bekanntschaft gemacht. Weil bei seinem Sohn eine ambulante Operation nötig wurde, lernte der Anästhesist und Neurologe die bereits seit 1993 bestehende Einrichtung und die Kollegen dort kennen. Die Möglichkeit, sich als Anästhesist auf diese Weise selbstständig zu machen, gefiel Humpich. Auch die Inhaber waren ihm auf Anhieb sympathisch.

Damals war es noch ein Trio. Axel Scholl, Heinz-Jürgen Ferlemann und Joachim Freier führten die Tagesklinik als Partner. "Ich selbst war damals noch in Seligenstadt im Krankenhaus tätig", sagt Humpich. Doch weil klar gewesen sei, dass in der Tagesklinik der Generationswechsel in wenigen Jahren kommen würde und offenbar auch er den Inhabern zusagte, sei man "perspektivisch schon mal ins Gespräch gekommen".

Zunächst wechselte Humpich aber als Oberarzt an ein Krankenhaus, das von einem privaten Kliniken-Konzern betrieben wurde. Schnell sei ihm klar geworden, dass er dort nicht alt werden würde. Was an Arbeitsleistung in der Zentralen Notaufnahme und auf der Intensivstation von ihm verlangt worden sei, "dafür hätte es mich eigentlich dreimal geben müssen", sagt der im westfälischen Unna aufgewachsene Mediziner.

Tagesklinik in Hofheim: „Das ist schließlich wie in einer Ehe“

Als ihn der Anruf aus der Tagesklinik und die Frage erreichte, ob er sich einen Einstieg vorstellen könnte, musste er nicht allzu lange überlegen. Marek Humpich fing zunächst als Angestellter an. "Es muss ja passen, das ist schließlich wie in einer Ehe", sah der Anästhesist, der in Frankfurt studiert und an der Uni-Klinik seine beiden Facharzt-Ausbildungen gemacht hat, diesen Zwischenschritt auch für sich selbst als sinnvoll an.

Seit dem 1. Oktober 2019 ist die Tagesklinik nun auch "seine Firma". Als Nachfolger von Joachim Freier ist er neben dem 68 Jahre alten Ferlemann und dem 63-jährigen Scholl neuer Partner. Geld bringe man als solcher ein, "in der Tat", sagt Humpich. "Und man übernimmt auch eine Haftung" - für ihn die noch weitreichendere Konsequenz eines solchen Schritts.

Dem 44-Jährigen gefällt das selbstbestimmte Arbeiten in der Tagesklinik, in der die allermeisten Patienten nur wenige Stunden für eine Operation verbringen müssen. Mit das Wichtigste sei eine gute Planung und Organisation, sind sich die drei aktuellen Partner einig. Lange Wartezeiten gebe es bei ihnen nicht, sagen Ferlemann, Scholl und Humpich unisono. Das liege auch daran, dass es fast immer länger geplante OP-Termine sind, zu denen sich die Patienten und die Ärzte, die die Eingriffe vornehmen, in der Tagesklinik einfinden.

Die drei Chefs: Marek Humpich, Axel Scholl und Heinz Jürgen Ferlemann mit einem wunderschönen Sammlerstück - einem Playmobil-OP -, dessen Einzelteile Dr. Humpich zusammengetragen hat. fotos: knapp

36 niedergelassene Kollegen aus den unterschiedlichsten Fachbereichen - von Hals-Nasen-Ohren-Ärzten über Kieferchirurgen und Augenärzten bis hin zu Frauenärzten, Orthopäden und Unfallchirurgen - nutzen derzeit die Dienste der Tagesklinik. Die heute verlangten hohen Hygienestandards, die sie bieten könnten, seien in Praxen nicht so leicht herzustellen, erläutert Humpich.

Für die Anästhesie stehen die drei Partner bereit, die zudem mit Alexander Ferlemann noch einen angestellten Arzt einsetzen können. Der Sohn von Heinz-Jürgen Ferlemann schließe derzeit noch seine Ausbildung in der Schmerzmedizin ab. Er solle perspektivisch dann seinen Vater als Partner ablösen und so den Generationswechsel voranbringen, sagt Dr. Humpich.

Tagesklinik in Hofheim: Schwerpunkt Schmerzmedizin

Heinz-Jürgen Ferlemann vertritt derzeit die Schmerzmedizin, die zum zweiten wichtigen Standbein der Hofheimer Tagesklinik geworden ist. Zu Anfang kam diese Rolle mal der Behandlung in der Druckkammer zu. Doch die Krankenkassen hätten dafür irgendwann kein Geld mehr zahlen wollen, sagt Humpich. "Die Druckkammer wurde nach Tschechien verkauft, wo sie noch heute im Einsatz ist."

Dass sich in der Medizin ständig etwas ändert, nicht nur vom Stand der Wissenschaft her, sondern genauso, was ihre wirtschaftlichen Grundlagen angeht, das ist auch für die Tagesklinik dauernde Herausforderung. Die Anforderungen seien seit der Gründung stetig gewachsen, sagen die Partner. Und auch die Konkurrenz ist deutlich mehr geworden. Was die für viele Arztpraxen heute zudem hohe Hürde Generationswechsel angeht, sieht sich die Tagesklinik immerhin auf dem besten Weg.

1993 wurde die Tagesklinik Hofheim auf dem Gelände eines früheren Autohauses in der Reifenberger Straße eröffnet. 900 Quadratmeter groß sind die angemieteten Räume. 36 niedergelassene Ärzte, überwiegend aus dem Main-Taunus-Kreis, aber auch aus Frankfurt, Wiesbaden dem Hochtaunus und dem Rheingau-Taunus, führen in der Tagesklinik ambulante Operationen durch. Zum Team gehören neben vier Anästhesisten 14 ärztliche Mitarbeiterinnen. Die Tagesklinik ist auch als Privatklinik anerkannt. Zwei Patientenzimmer stehen für Übernachtungen zur Verfügung für den Fall, dass ein Patient nach einer Operation nicht zu Hause betreut werden kann. 

babs

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