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Beerdigungsteilnehmer, die falsch am Friedhof parken, müssen zahlen.

Pietätlos oder angemessen?

Hofheim: Besucher einer Beerdigung bekommt Strafzettel - Fall erhitzt die Gemüter

Bei einer Beerdigung in Hofheim bekommt Trauergast einen ordentlichen Strafzettel - das regt viele Bürger auf. 

Hofheim -  Schreibt die Hilfspolizei Strafzettel für Falschparker, die an einer Beerdigung teilnehmen, macht sie sich besonders wenig Freunde. Pietätlos wird dies gerne genannt, von mangelndem Fingerspitzengefühl ist dann die Rede. Das Thema entzieht sich allerdings einer Beratung in öffentlichen Gremien – keine Verwaltung kann offiziell erklären, unter bestimmten Voraussetzungen systematisch ein Auge zuzudrücken – auch bei Beerdigungen nicht. 

Trauergast in Wallau musste einen Strafzettel über 30 Euro zahlen

Die aktuelle Diskussion in Wallau entzündete sich bereits im vergangenen Juli, als ein Trauergast verbotswidrig auf dem Grünstreifen entlang der Friedhofsabgrenzung parkte und dafür einen Strafzettel über 30 Euro bekam.

Alleine sind die Wallauer mit dem Thema übrigens nicht – vor einigen Jahren hatte es am Hofheimer Waldfriedhof gleich neun Strafzettel wegen verkehrsbehindernden Falschparkens gegeben. Damals wie jetzt regten sich die Betroffenen und die Ortsbeiräte auf. Gefordert wurde, auf Strafzettel bei Trauerfeiern zu verzichten. Auch müssten mehr Parkplätze her.

Wallau und Hofheim: Waldfriedhof-Parkplatz problematisch für Falschparker

In Wallau wie in Hofheim scheitert dies aber an den örtlichen Verhältnissen. Am Waldfriedhof müsste der Parkplatz in den Wald hinein verlängert werden, was rechtlich schwierig ist, und der Grünstreifen in Wallau sei nicht befestigt und insofern für das Parken nicht geeignet, lässt die Stadtverwaltung wissen.

Wallauer Friedhof: Zweistündige Parkzeit ausreichend

Auch sonst sieht der Magistrat keinen Grund für irgendwelche Veränderungen. Den Schildern nach dürfe am Wallauer Friedhof bis zu zwei Stunden geparkt werden. Dieses sei ausreichend und angemessen für eine Beerdigung einschließlich eines mögliches Leichenschmauses, teilt die Verwaltung mit. Üblich sei, dass die Bestatter größere Beerdigungen im Rathaus anmeldeten, die Hilfspolizei regele dann das Parken und weise auf Ausweichmöglichkeiten hin.

Ortsbeirätin Roswitha Kleber: Zwei Stunden am Wallauer Friedhof zu wenig

In dem angesprochen Wallauer Fall sei diese Anmeldung nicht erfolgt. „Die Stadt sieht doch, wenn große Beerdigungen sind“, glaubt Ortsbeirätin Roswitha Kleber (WGW) nicht, dass eine fehlende Anmeldung den Falschparkern zum Verhängnis werden dürfe. Nach ihrer Einschätzung sind zwei Stunden zudem zu knapp bemessen. 

Ortsbeirat Mario Kleber: Hofheim soll großzügiger sein bei Strafzetteln am Friedhof

Mario Kleber wiederum, ebenfalls WGW, hätte erwartet, dass die Stadt zusage, mit mehr Fingerspitzengefühl vorzugehen. In Frankfurt und Wiesbaden gebe es ausdrücklich solche Anweisungen an die Mitarbeiter, ergänzt CDU-Mann Rudolf Görgen. Er versteht aber, dass die Stadt nicht offiziell eine Anweisung geben könne, Rechtsvorschriften unterschiedlich anzuwenden. 

Der Magistrat selbst sieht sich nicht in der Lage, entsprechende Regungen eindeutig zu formulieren. Tatsächlich müsste dies so rechtssicher sein, dass ein Autofahrer, der einen Strafzettel bekommen hat, nicht erfolgreich dagegen klagen kann. Der Magistrat erinnert aber außerdem noch an die „abnehmende Regeltreue insbesondere von Autofahrern“ und will dem nicht noch Vorschub leisten, indem gelegentlich ein Auge zugedrückt wird.

Von Manfred Becht

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