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Die Fichten in Hofheim werden von Borkenkäfern kaputt gefressen. Der Fichtenbestand nimmt immer weiter ab. Was bleibt zu tun?

Hofheimer Wald

Alarm: Der garstige Borkenkäfer frisst Hofheims Fichten kaputt

Die Fichten in Hofheim werden von Borkenkäfern kaputt gefressen. Der Fichtenbestand nimmt immer weiter ab. Was bleibt zu tun?

Hofheim  - Wer durchs Lorsbachtal fährt und den Blick in Richtung Süden schweifen lässt, wird es an den braun verfärbten Fichten unschwer erkennen: Hier liegt einer der "großen Brennpunkte" in Sachen Waldschäden, wie Förster Karlheinz Kollmannsberger sagt. "Der Borkenkäfer frisst sich regelrecht den Hang hoch", sagt Kollmannsberger. Gern würde er den kleinen Tierchen Einhalt gebieten in ihrem zerstörerischen Drang, doch das ist derzeit leichter gesagt als getan.

Borkenkäfer zerstört Fichten in Hofheim

Da alle Waldbesitzer in Deutschland nach dem langen, viel zu warmen und trockenen Sommer 2018 ähnliche Probleme haben wie die waldreiche Kreisstadt Hofheim, haben derzeit auch alle einen erhöhten Bedarf an Waldarbeitern, Erntemaschinen und Holztransportern. Denn die vom Käfer befallenen Fichten müssen so schnell wie möglich nicht nur gefällt werden, sondern auch raus aus dem Wald, wenn die Schäden nicht noch größer werden sollen.

Fichte: Preis ist im Keller

"Auch die Sägewerke sind an den Kapazitätsgrenzen", weiß Kollmannsberger. Selbst wenn man Waldarbeiter, Erntemaschinen und Transporter bekommen würde, käme die nächste Schwierigkeit: Wohin mit dem Holz? Dass der Preis im Keller ist, muss der Förster eigentlich gar nicht mehr eigens erklären - bei einer derartigen Masse von Bäumen, die den Sägen zum Opfer fallen müssen, ist das nur die logische Konsequenz. Dabei war ausgerechnet die Fichte lange so etwas wie ein Brot-Baum der Waldbesitzer - sie wächst schnell und brachte in der Regel auch ordentliches Geld. Wer aber derzeit einen hohen Fichtenanteil in seinem Wald stehen hat, ist existenziell getroffen.

Bestand der Fichte nimmt wegen Borkenkäfern drastisch ab

So schlimm ist es in Hofheim immerhin nicht. Nur sechs Prozent beträgt der Fichtenanteil in Kollmeiers Revier. War er zunächst davon ausgegangen, dass der Borkenkäfer den Bestand in etwa halbieren würde, hat ihn die Erfahrung der vergangenen Monate eines Schlimmeren belehrt. Nun schätzt er, dass wohl gerade mal ein Drittel des Bestands am Ende des Jahres noch stehen wird. 3

500 Festmeter Fichtenholz hat er in diesem Jahr bereits einschlagen lassen müssen, und er schätzt, dass mindestens 2000 weitere Festmeter hinzukommen. Zum Vergleich: Der normale Jahreseinschlag liegt für diese Baumart bei 850 Festmetern. Der Einschlag von sieben Jahren werde also in einem einzigen Jahr genutzt, rechnet Kollmannsberger vor. Neben dem Stück oberhalb des Lorsbachtals sind der Bereich am Weberhäuschen zwischen Langenhain und Diedenbergen, der Marxheimer Wald im Bereich am Funkturm und das Waldstück hinter dem Wildgehege am Kapellenberg weitere "Brennpunkte".

Fichte wird nicht mehr nachgesetzt

Weil die Fichte nicht mehr als standortgerecht gilt, wird sie auch nicht mehr nachgesetzt. Vielmehr raten die Fachleute jetzt zu Weißtanne und Douglasie, die mit den Folgen des Klimawandels besser zurechtkommen. Im vergangenen Jahr waren die Setzlinge dieser Baumarten allerdings großenteils vertrocknet. 

In diesem Frühjahr seien die Anwachs-Erfolge deutlich besser, freut sich Kollmannsberger, auch eine positive Nachricht zu haben. 5150 Bäume wurden neu gesetzt, im Herbst sollen weitere 6350 Bäume folgen. Neben Douglasien und Weißtannen wurden in deutlich geringerer Zahl auch Esskastanien, Wildkirschen, Bergulmen und Speierlinge gepflanzt; im Damwild-Gehege sogar ein Mammutbaum.

Lärchen verkraften Borkenkäfer besser als Fichten

Im Unterschied zu den Fichten haben die Lärchen den Käferbefall deutlich besser verkraftet., sagt Kollmannsberger. Bei den Laubbäumen sei die Beurteilung, wie groß die Trockenschäden sind, schwierig. An einzelnen Exemplaren von Buchen oder Eichen, den Haupt-Bewohnern im Hofheimer Wald, zeigen sich welke Blätter oder Äste ohne Laub. Die Fachleute wollen vor einer Beurteilung aber noch den "Johannistrieb" abwarten, einem zweiten Laubaustrieb im Juni. Insgesamt, sagt der Förster, dürfe sich Hofheim glücklich schätzen, dass hier schon seit den 1990er Jahren viel dafür getan worden sei, den Baumbestand dem Klimawandel anzupassen.

Fichte tut kühles Frühjahrsklima gut - trotz der Borkenkäfer

Die kühlen Frühjahrswochen und der Niederschlag hätten zudem geholfen, die Situation nicht weiter zu verschlechtern. Für die Zukunft gelte es, den Wald "noch standortgerechter einzumischen", sprich, weiter Bäume nachzusetzen, die besser mit Trockenheit und Wärme leben können. (babs)

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