+
Noch rollen Autos über einen Teil der Hauptstraße. 

Verkehrsführung in Altstadt

Kommt die autofreie Hauptstraße in Hofheim?

Wird die Fußgängerzone in der Hauptstraße ausgeweitet? Womöglich auf die ganze Straße? Die Stadtverordneten sind extrem vorsichtig. Machen aber doch den ersten Schritt.

Hofheim - Seit dem Bürgermeisterwahlkampf steht die Verkehrsführung in der Altstadt wieder mehr auf der Tagesordnung, wurde praktisch von allen Kandidaten zum Thema gemacht. Die Frage einer Vergrößerung der Fußgängerzone hat es jetzt von den Infoständen in die Gremien geschafft, die am Ende zu entscheiden haben. Die Stadtverordnetenversammlung beauftragte den Magistrat, die Ergebnisse früherer Untersuchungen und sonst wie gewonnene Erkenntnisse zusammenzustellen und im Verkehrsausschuss darüber zu informieren.

Das ist ein kleiner Schritt. Bloße Informationen verändern auf der Straße zunächst noch gar nichts. Aber es ist eben auch ein erster Schritt, denn wenn Informationen angefordert werden, steht dahinter die Absicht, irgendwelche Schlussfolgerungen daraus zu ziehen. Die Stadtverordnetenversammlung hat dies einstimmig beschlossen - es sind also alle bereit, sich mit dem Thema zu befassen. Ob es bei dieser Einmütigkeit bleibt, wird sich noch herausstellen.

Aktuell ist zunächst größte Vorsicht angesagt. Nach einem Antrag der Grünen hätte der Magistrat beauftragt werden sollen, "Möglichkeiten für eine durchgängig autofreie Hauptstraße zu erarbeiten" und einen breiten Beteiligungsprozess anzustoßen. Dafür gab es aber keine Mehrheit. Erstens stimmt das Viererbündnis Anträgen aus der Opposition grundsätzlich nicht zu, ohne sie zu verändern, und zweitens ginge der Koalition dies als erster Schritt offenbar zu weit.

Große Unterschiede

CDU-Fraktionschef Alexander Kurz und SPD-Mann Bernhard Köppler wiesen darauf hin, dass die Situation in den verschiedenen Abschnitten der Hauptstraße sehr unterschiedlich ist. Im oberen Teil, das wird weithin beklagt, ist das Geschäftsleben zurückgegangen - ein Eiscafé wurde zu Wohnraum umgewandelt, im einstigen Gasthof Landsberg sind nach der Schließung zweier Läden keine neuen Geschäfte eingezogen. Im mittleren Teil der Hauptstraße dominiert die Gastronomie, dort fahren keine Autos. Im südlichsten Abschnitt gibt es durchgehend Geschäfte, aber auch Autoverkehr. Dies legt eine differenzierte Betrachtung nahe. Nach Köpplers Worten müssen Auswirkungen auf umliegende Straßen mitbedacht werden - die Linken hatten vorgetragen, dass am besten größere Teile der Altstadt nur noch für die Autos der Anlieger erlaubt sein dürften. Köppler erinnerte daran, dass auch der Radverkehr betrachtet werden muss.

Nicht viel verspricht sich CDU-Mann Kurz davon, Erfahrungen anderer Städte in die Überlegungen einzubeziehen, zu unterschiedlich sei die Ausgangslage jeweils. Grünen-Fraktionschef Daniel Philipp will darauf, zumindest für eine späteren Zeitpunkt, nicht verzichten. "Es gibt erstaunliche Entwicklungen in Städten, die so was eingeführt haben", so Philipp.

Erbitterter Kampf

In den frühen achtziger Jahren wurde um die Fußgängerzone in der Hauptstraße erbittert gekämpft; es gab Einzelhändler, die zogen dagegen vor Gericht. Zeitweise wurde eine verkehrsberuhigte Zone aus dem mittleren Teil, was rechtlich nicht so angreifbar war, für viele aber nichts Halbes und nichts Ganzes. Schließlich wurde die Fußgängerzone durchgesetzt, einmal noch vergrößert - und dabei blieb es. Deutlich mehr als 20 Jahre traute sich die Politik an das Thema nicht heran - oder hat keinen Handlungsbedarf gesehen.

Dass es jetzt eine große Einmütigkeit gibt, ist nicht zu erwarten. Eine Umfrage dieser Zeitung unter den in der Innenstadt ansässigen Geschäften hat vor allem ablehnende Stellungnahmen gebracht, wobei solche Umfragen nicht den Anspruch erheben, repräsentativ zu sein. Passanten haben sich tendenziell eher positiv geäußert. Ohnehin haben die Grünen vorgeschlagen, einen breiten Beteiligungsprozess zu organisieren, sollte man im Innenstadtverkehr Änderungen vornehmen wollen.

Nachdem die Verwaltung wiederholt auf die Beteiligungsprozesse etwa beim Neubau des Busbahnhofs, bei der Bücherei und beim Baugebiet Marxheim II hinweist, dürfte sie dies beim Thema Verkehr in der Innenstadt kaum ignorieren können.

von Manfred Brecht

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare