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Besuch von der Polizei gab es am Dienstagabend auch: Kontrolle vor dem Fast-Food-Restaurant im Chinon-Center.

Treffpunkt sorgt für Ärger

Das ist die Jugendszene auf dem Hofheimer Chinonplatz

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Sie hinterlassen ihren Müll, machen Lärm, provozieren Passanten. Manchmal spielen auch Alkohol und Drogen eine Rolle. Das gilt zwar nicht für alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen, aber doch für einige der Leute, die sich den Chinonplatz zum Treffpunkt auserkoren haben. Das, was sich dort bisweilen abspielt, ist zum Ärgernis und Gesprächsthema in Hofheim geworden. Unser Reporter war an Ort und Stelle.

Hofheim - Wie erklärt man Erwachsenen, warum sich Jugendliche so gerne auf dem Chinonplatz treffen? Sammy – 15 Jahre alt, dunkle Haare und Glitzerrouge auf den Wangen – will es gerade erklären, da hält ihr eine Freundin das Handy vor die Nase. Irgendwer hat irgendwas in irgendeinem sozialen Netzwerk kommentiert. Die Freundin regt sich gespielt auf: „So was kann man doch nicht posten.“ Mit ihr und zwei anderen Schulfreundinnen ist Sammy seit 14 Uhr an diesem Dienstag in den Ferien auf dem Chinonplatz, und jetzt, sechs Stunden später, sitzen sie noch immer auf den Treppen vorm Hofheimer Rathaus. Sie lachen über das, was sie und andere auf Instagram und Co. so schreiben, und das scheint ihnen auch nie langweilig zu werden.

Jugendliche treffen sich auf dem Chinonplatz

Rund 50 Jugendliche hängen hier ab. Die meisten sind Jungs. Das Auge eines Außenstehenden sieht nur ein Durcheinander. Sammy gibt einen Überblick: Sie zeigt auf die größte Gruppe, die sich erst in der Mitte um die Bänke drängt, wie ein Schwarm auseinander geht und an der Ecke zwischen Rathaus und dem Restaurant „Beef’n Beer“ wieder zusammenkommt. „Das ist die Kindergruppe“, sagt Sammy. „Einige sind zwar älter als wir. Die sind trotzdem noch Kinder.“ Die Älteren – und Cooleren – kämen später. Manche seien schon 30, sagt Sammy. Sie findet das „voll normal“, ihre Freundin findet es „creepy“ (englisch für „unheimlich“ oder „merkwürdig“), wenn sich 30-jährige Männer mit 15-jährigen Mädchen treffen.

In die „Kindergruppe“, wie sie Sammy nennt, kommt wieder Bewegung. Rund 40 Leute drängen sich im Kreis um zwei Jungs, als würde der Rat gleich wichtige Entscheidungen treffen. Generell sind alle etwas aufgekratzt. Die Polizei war eben mit zwei Streifenwagen da und hat Taschen und Personalien kontrolliert. Das ist aber schon 30 Minuten her und fast wieder vergessen. Nun gehe es darum, dass einer die Schwester des anderen beleidigt hat, sagt Barbusch kurz. Viel Zeit für Erklärungen hat er nicht. Auch er will wissen, wie sich der Konflikt entwickelt. Sätze wie: „Jetzt beruhigt euch doch mal“ oder „Das kann man sachlich klären“, sagt niemand. Eher scheinen alle auf eine Eskalation zu warten.

Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahre

Die meisten Jugendlichen in der Gruppe gehen auf die Gesamtschule Am Rosenberg oder auf die Main-Taunus-Schule und sind zwischen 13 und 17 Jahren alt. Manche sind jünger, andere älter. „Hier treffen sich alle“, sagt Barbusch. „Egal, ob sie auf die Hauptschule oder auf das Gymnasium gehen. Egal, ob ihre Eltern Kurden sind, vom Balkan kommen oder Deutsche sind.“ Etwa 80 Jugendliche gehörten zu der Szene, schätzt der 15-Jährige mit dem weißen T-Shirt und dem ersten Ansatz eines Oberlippenbarts. Gibt es Ärger zwischen den Jugendlichen, werde der meist mit Worten geklärt, eher selten komme es zu Handgreiflichkeiten.

Jugendliche sorgen für Ärger

Die Fähigkeit, Konflikte zu lösen, hat aber ihre Grenzen, sobald es um Erwachsene geht. Wie den Geschäftsführer des „Beef’n Beer“, der seinen Namen lieber nicht veröffentlicht haben will. Auch bei dem schönem Wetter dieser Tage sei seine Terrasse immer leer. „Niemand will hier sitzen, wenn die Jugendlichen rumschreien, laute Musik machen, saufen und Gras rauchen“, sagt er. Kundinnen, die leichter bekleidet seien, müssten sich anzügliche Sprüche anhören. In der Folge müsse er mit 50 Prozent Umsatzeinbußen klar kommen. „Dass die hier rumhängen, ist für mich existenzgefährdend.“ Der Geschäftsführer zieht an seiner Zigarette. „Klar, wir haben früher auch Unsinn gemacht. Aber wenn wir ermahnt wurden, haben wir gehorcht.“ 

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Die Jugendlichen auf dem Chinonplatz würden allerdings nur patzige Antworten geben. Fertig. Tatsächlich zuckt Barbusch erst nur mit den Achseln, als er auf das Problem des „Beef’n Beer“-Chefs angesprochen wird. Sein Kumpel sagt über den Restaurantbetreiber: „Hä, das ist doch dem sein Problem.“ Barbusch wirkt verdutzt, scheint seine Mitverantwortung zu erkennen: „Wir machen doch gar nichts“, versucht er sich zu rechtfertigen. Dann zieht der Schwarm weiter vor den Eingang des Chinon-Centers, und Barbusch muss los.

Zurück zu Sammy und ihren Freundinnen. Warum treffen sich die Jugendlichen denn nun hier? „Weil es hier alles gibt, was man braucht“, sagt Sammy. „Internet bekommt man vom Rathaus, und im Chinon-Center kann man seine Handys laden, auch wenn die Steckdosen versteckt sind.“ Außerdem könnten die Jugendlichen im Supermarkt Getränke kaufen und bei den nahen Dönerläden und Schnell-Restaurants etwas zum Essen. Also alles was Menschen brauchen, die zur Hälfte im Internet leben. Eine Freundin fügt noch hinzu: „Außerdem kann man hier mit Freunden über alles reden, wenn es Zuhause oder in der Schule nicht so gut läuft.“ Hier vertraue jeder jedem.

von Friedrich Reinhardt

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