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Im Weltladen gibt es viele verschiedene fair gehandelte Produkte. Die Besucher konnten unter anderem Cashews probieren.

Händlertour

Nachhaltiger Konsum in Hofheim - das müssen Sie wissen

Auf dem Weg durch die Kreisstadt haben 60 Menschen einiges über die den nachhaltigen Konsum gelernt.

Hofheim - "Hmmmh! Hier riecht's aber schon toll!" Die Mischung aus frischem Kaffee- und Schokoladen-Duft, die ihnen aus dem Ladeninneren von "Edel und süß" entgegenströmte, genossen die Teilnehmer einer etwas anderen Stadterkundungs-Tour sichtlich. Dabei ging es bei der neuesten Auflage der beliebten Hofheimer Händlertour, zu der die Stadt im Rahmen des City-Marketing eingeladen hatte, um das Thema "Nachhaltiger Konsum". Die Händlertour war dabei zugleich Auftakt einer neuen Reihe unter dem Titel: "Fairwandeln", die Hofheim als Fairtrade-Stadt zeigen und Bürgern Anregungen zu einem entsprechenden Verhalten geben soll.

60 Menschen interessierten sich immerhin für faire und nachhaltige Einkaufsmöglichkeiten. In vier Gruppen machten sie sich auf zur Tour durch drei Läden und ein Restaurant-Bistro. Nicht nur im Schoko-Fachgeschäft gab es dabei neben vielen Informationen auch einiges zu probieren. Wie eine Cashew-Frucht aussieht und was alles an Arbeit nötig ist, bis die beliebte Knabberei genossen werden kann, war etwa im Weltladen in der Burgstraße Thema. Die Cashews, die hier verkauft werden, kommen aus Nicaragua. "Die komplette Wertschöpfung findet dort statt", machte Oliver Bernhard deutlich, einer der Ehrenamtlichen, die den Weltladen betreiben. Dass da beim Kakao, dem Rohstoff für Schokolade, in vielen Fällen noch ein starkes Ungleichgewicht besteht und Kakao-Bauern nicht selten nur drei Prozent vom Verkaufspreis einer Schokolade erhalten, erläuterte Heidi Nies, Inhaberin von "Edel und süss" den Händlertour-Teilnehmern. Wer fair gehandelte Produkte kaufe, leiste einen Beitrag, dass sich an dem Ungleichgewicht etwas ändere. Dass darauf schon der Preis ein Hinweis sein könne, selbst wenn eines der Fair-Trade-Siegel, die es so gibt, fehle, erfuhren die interessierten Zuhörer zudem.

Das Interesse an solchen Fragen habe bei den Kunden zugenommen, hat nicht nur Nies registriert. Auch Matthias Henrich als Leiter des Weltladen-Teams, Anna Schwabe, die vor kurzem von ihrer Mutter Eva Kreker den Teeladen in der Türmchenzeile übernommen hat, sowie Oliver Graczyk und Hans-Georg Laux von der Kaffeerösterei Laux konnten als weitere Gastgeber der Händlertour allesamt bestätigen, dass immer mehr Menschen beim Einkauf die Stichworte fair und nachhaltig wichtig sind. "Das Denken der Leute hat sich echt gewandelt. Ich hätte nicht gedacht, dass es so schnell geht. Das ist schön", so etwa Oliver Graczyks Eindruck. Auch Anna Schwabe, bei der es unter anderem einen "Mango-Zauber" zu probieren gab, hat registriert, dass mehr Kunden wissen wollen, wie und wo der Tee, den sie verkauft, hergestellt und gehandelt wird. Ihr selbst ist es ebenfalls wichtig, dass der Händler, mit dem sie arbeitet, großen Wert auf nachhaltige und faire Produktionsbedingungen legt. "So nachhaltig wie möglich und dabei so lecker wie möglich", das ist auch die Maxime im "Soulfood Bistro Blanca", in dem die Händlertour ebenfalls Station machte.

Fair und nachhaltig zu konsumieren sei ihnen schon wichtig, bestätigten einige Tour-Teilnehmer, dass das Interesse daran da sei. "So weit es geht, versuchen wir schon drauf zu achten", so etwa Manfred Conrad. Im Weltladen hat er deshalb auch schon mal das ein oder andere erstanden, "wir kaufen aber überwiegend noch im Supermarkt", das sei einfach auch eine Frage des Preises. "Ich bemühe mich schon", ist auch für Ute Pieper Nachhaltigkeit beim Einkaufen ein Thema. "Ich bin zwar Hofheimerin, kenne aber nicht alle Geschäfte", da sei die Händlertour eine gute Sache, findet Pieper. Und Heike Engelhard kaufte mit ihrer Mutter gleich zwei Tüten von den fair gehandelten Cashew-Nüssen im Weltladen ein - nicht zuletzt, weil sie ihr auch gut schmeckten. "Da machen wir doch gleich Nägel mit Köpfen", meinte sie lächelnd.

Koplingverband nimmt sich nun Thema Nachhaltigkeit an

Nachhaltigkeit hat sich jetzt auch der Kolpingverband im Bistum Limburg ausdrücklich auf die Fahnen geschrieben. Ein Ziel dabei: Der "ökologische Fußabdruck" der Verbandsarbeit soll minimiert werden. Dabei steht der Begriff "ökologischer Fußabdruck" für die Auswirkungen, die eine bestimmte Lebensweise in Bezug auf die Ressourcen der Erde hinterlässt. Je kleiner er ausfällt, umso weniger umweltschädlich war das Verhalten.

Dr. Gabriele Nick, Geschäftsführerin des Diözesan-Kolpingwerks und Mitglied der Hochheimer Kolpingfamilie, betont, dass im Verband bereits einiges in Sachen Nachhaltigkeit getan werde und nennt Beispiele wie das "Faire Frühstück", zu dem die Hochheimer regelmäßig einladen, oder die Müllsammelaktionen am Main, die in Hattersheim und Hochheim üblich sind.

Doch der Verband möchte dieses Engagement weiter stärken - und das in vielerlei Hinsicht. Das reicht bis zu Vorlagen für liturgische Feiern, um bis in die Gottesdienste hinein den biblischen Auftrag zur Bewahrung der Schöpfung in allen Lebensbereichen deutlich werden zu lassen. Wie das konkret werden kann, dazu wird in den kommenden zwei Jahren eine Arbeitsgruppe, in der auch Nick dabei ist, ein Konzept erstellen.

babs

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