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Die hessische Erdbeerkönigin Nicole Langer verteilt die roten Früchtchen an eine Kindergruppe.

Ostersonne, keine späten Fröste

Start der Erdbeersaison: Bedingungen waren zuletzt „perfekt

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Erdbeeren auch aus Wallau sind schon seit ein paar Tagen im Handel. Zur offiziellen Eröffnung der Saison war Hessens Landwirtschaftsministerin Priska Hinz gestern gekommen. Wir haben auch nach den Genuss-Vorlieben gefragt.

Wallau - Reiner Paul ist ein Purist - zumindest, wenn es um Erdbeeren geht. Er isst sie am liebsten frisch vom Feld gepflückt, ohne irgendetwas drumherum, was von dem Fruchtgeschmack ablenkt. Da macht sich Hofheims Bürgermeisterin Gisela Stang schon ein wenig mehr Arbeit, püriert die Früchte in Milch. "Früher hieß das Milch-Shake, heute sagt man Smoothie", sagt sie. Dass das auch mit anderen Früchten geht, interessierte gestern auf den Feldern von Pauls Bauernhof in Wallau niemanden. Es ging um Erdbeeren.

Dort wurde offiziell die Erdbeersaison 2019 eröffnet. Dafür war die hessische Landwirtschaftsministerin Priska Hinz nach Wallau gekommen, die ihre Erdbeeren am liebsten mit Vanilleeis und Schlagsahne genießt. Aber einheimische Früchte sollen es sein, aus Hessen am besten. Dass diese besser schmecken als Obst, das grün geerntet und über viele Kilometer herangeschafft wird, liegt auf der Hand. Das Aroma ist nicht der einzige Grund.

Finanzhilfen vom Land

Erstens unterstütze man damit die einheimische Landwirtschaft, zweitens vermeide die regionale Vermarktung die Entstehung klimaschädlichen Kohlendioxids. "Das muss man sich bewusst machen, auch wenn es ein bisschen teurer ist", so Hinz. Man dürfe nicht nur über den Klimawandel reden, sondern müsse etwas tun, so Stang. "Es ist immer gut zu wissen, wo die Lebensmittel herkommen."

Auf den Klimawandel einstellen muss sich der Erdbeeranbau schon. Hinz kündigte daher ein Programm an, bei dem das Land den Bau von Beregnungs- wie auch von Frostschutzanlagen etwa für Erdbeerkulturen fördern will. Wobei alle Beteiligten hoffen, dass sich ein so sonnenreicher Sommer wie 2019 nicht wiederholt. Der hat zwar für aromatische Früchte gesorgt, aber die Reifung so beschleunigt, dass die Saison ungewöhnlich früh zu Ende war. Das freut weder den Landwirt noch den Konsumenten.

Es gebe Sorten, die bis zum ersten Frost im Herbst geerntet werden könnten, berichtet Landwirt Paul. Einen festgelegten Tag für den Abschluss der Ernte, vergleichbar etwa der Regelung für den Spargel, gebe es nicht. Sein Betrieb bewirtschaftet 110 Hektar, davon 35 mit Erdbeeren. Außerdem Heidelbeeren, Himbeeren, Kürbisse und Kartoffeln. Hessenweit werden auf etwa 1200 Hektar Erdbeeren angebaut. Das Insektensterben ist für den Anbau kein übermäßiges Problem - es gibt professionelle Imker, die stellen für die Bestäubung der ersten Erdbeerblüten Hummeln zur Verfügung. "Das ist im März, da arbeiten die Bienen noch nicht", erläutert Paul.

Und wie werden die Erdbeeren in diesem Jahr? Eine konkrete Prognose für den Verlauf der Saison 2019 wollte Andreas Klein vom Hessischen Landesverband für Erwerbsobstbau nicht wagen. Es gebe allerdings gute Vorzeichen: Die Ostersonne hat den Pflanzen gutgetan, von späten Frösten sind sie bislang verschont geblieben. Im Moment sei der Zustand der Erdbeer-kulturen "perfekt", sagt Klein. Im vergangenen Jahr wurden in Hessen 7780 Tonnen Erdbeeren geerntet - es gibt also genug, damit jeder mit seinem Lieblingsrezept auf seine Kosten kommen kann. Nicole I. zum Beispiel, die hessische Erdbeerkönigin, mag die Früchte am liebsten mit einem Klacks Sahne. Die Kreisbeigeordnete Madlen Overdick macht ihren Söhnen, wenn sie ihnen etwas Gutes tun will, Milchreis mit Erdbeeren. Oder greift auf ein Rezept aus ihrer Kindheit zurück: Da wurden die Erdbeeren mit der Gabel zerdrückt und mit Zucker, Milch und Haferflocken vermischt.

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