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Kiara und Mutter Silvia Stengel sehen nicht ein, warum ihr Hahn ?Flecko? im ländlichen Diedenbergen zur Mittagszeit nicht krähen darf und deshalb in den Stall soll.Archivfoto: Reuß

Rechtsstreit

Irrer Nachbarschaftsstreit um Hahn landet vor Gericht: Gutachter soll Lautstärke messen

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Zwischen einer Familie aus Hofheim und ihren Nachbarn schwelt ein Rechtsstreit. Der Grund ist das Krähen eines Hahns. Die Frage: Wie viel Dezibel, sind zu viel?

Update vom Donnerstag, 14.11.2019, 14:30 Uhr: Hofheim – Der Hahn Flecko erhält demnächst ein zweites Mal Besuch von einem Gutachter. Der soll für das Amtsgericht klären, wie laut der Hahn der Familie Stengel tatsächlich kräht. Bei einem ersten Termin hatte sich der Gutachter angesehen, wo Fleckos Hühnerhof liegt, sich die Umgebung im alten Ortskern angeschaut und sich auch ein Bild von der Entfernung zur Wohnung des Klägers gemacht, der den Hahn als Ruhestörer empfindet.

Laut Silvia Stengel, deren Tochter das Ei künstlich bebrütet hatte, aus dem Hahn Flecko schlüpfte, berichtet, dass der Gutachter "eine Mischgebietsform" für den Bereich annehme, "keinesfalls ein reines Wohngebiet". Bis zu 60 Dezibel dürfte dann der Lärm betragen, den der Hahn mit seinem Krähen verursacht. Weil er ja nicht ständig krähe, gebe es noch einmal einen pauschalen Aufschlag von 30 Dezibel, weiß die beklagte Hühnerhalterin Stengel. Das sei ähnlich in der Bewertung wie das Zuschlagen einer Autotür, das ja auch nur kurz viel Lärm machen könne, aber nicht gleich als Ruhestörung gelte.

An die 85 Dezibel hat Silvia Stengel direkt am Hahnenschnabel schon mal gemessen. Was davon an der Wohnung des Klägers mehr als 50 Meter weiter noch ankommt, wird eine Frage für den Gutachter sein.

Zoff unter Nachbarn in Hofheim: Wie intensiv kräht der Hahn?

Der hat seinen Besuch auf das Frühjahr verschoben. Im Winter ist der Hahn wegen der langen Dunkelheit deutlich weniger aktiv. Von 20 bis 9 Uhr ist er zudem immer im Stall. Neben der "Kräh-Intensität", also der Lautstärke, spielt auch die Quantität eine Rolle, also wie häufig der Hahn zwischen 9 und 20 Uhr zu hören ist, weiß Silvia Stengel schon. Deshalb wird die tierfreundliche Familie jetzt mal zählen, wie oft Flecko tagsüber so kräht. 

Weil auch die Stunden von 6 bis 9 Uhr und von 20 bis 22 Uhr, in denen Flecko im Stall ist, in der "TA-Lärm", der "Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm", berücksichtigt werden, sollte das die Belästigung durch das Tier zusätzlich relativieren. Zu welchem Schluss der Gutachter aber am Ende tatsächlich kommt, müssen Kläger und Beklagte nun weiter abwarten, genauso wie den Ausgang des Gerichtsverfahrens. Flecko hat übrigens zwischenzeitlich einen weiteren Hahn gezeugt. Den will die Familie Stengel aber in Kürze abgeben. "Zwei Hähne wären ja auch zu viel", sagt die mittlerweile längst zur Hühner-Expertin avancierte Silvia Stengel.

Nachbarn aus Hofheim klagen: Hahn Flecko macht zu viel Lärm

Erstmeldung vom Samstag, 18.08.2018: Flecko ist ein Pracht-Exemplar von Hahn. Das Tier fühlt sich in der Hühnerschar, die die Familie Stengel im Hof ihres Hauses in der Schulstraße hält, sichtlich wohl. Wie bereits berichtet, hatte die Tochter der Familie, die heute 11-jährige Kiara, mit Hilfe einer Wärmeplatte Eier bebrütet. Eines der beiden geschlüpften Tiere war der fragliche Hahn, den sie Flecko taufte. Sein Krähen aber nervt einen etwas weiter entfernt wohnenden Nachbarn derart, dass er den Klageweg beschritten hat.

Auf Kreisblatt-Anfrage berichten die Stengels, dass sie zwischenzeitlich einen schalldichten Stall gebaut haben, in dem der Hahn die Nacht verbringt. Erst um 8.30 Uhr öffne sich automatisch die Tür, sagt Silvia Stengel, erst dann kann das Tier also wieder ins Freie. Doch das reicht dem Kläger offenbar nicht.

Hahn Flecko aus Hofheim soll zwischen 13 und 15 Uhr schweigen

Die Klageschrift sei noch einmal verändert worden, berichtet die Halterin des Federviehs. Jetzt verlange der Nachbar, dass der Hahn auch zwischen 13 und 15 Uhr still zu sein habe und wolle zudem an den Wochenenden länger morgens seine Ruhe. Morgens die Stalltür noch einmal eine halbe Stunde länger dicht zu halten, fände Silvia Stengel noch möglich. Mittags den Hahn wieder einzufangen, damit er für zwei Stunden im Stall steht, das sei aber für Berufstätige wie sie und ihren Mann gar nicht machbar, sagt sie.

Hofheimer Stadtteil Marxheim gilt als dörflich: Der Hahn darf krähen

Die Marxheimerin hat beim Amt für den Ländlichen Raum in Bad Homburg eine Einschätzung der Situation erbeten. Das Amt hat diese auch geliefert. Es komme klar zu dem Schluss, dass der alte Ortskern von Marxheim als Dorfgebiet einzuschätzen sei, fasst Stengel zusammen. Begründet werde das damit, dass immerhin noch fünf Landwirte mit Tierhaltung ihre Höfe im Ort haben.

Dass Flecko längst nicht der einzige Hahn ist, der in Marxheim lebt und kräht, hatten die Stengels schon nachgewiesen. Doch der Kläger bleibt bislang hart. So soll es nun im November zu einem Gerichtstermin kommen. Ist wieder keine gütliche Einigung möglich, wird dann wohl auch gleich über die Angelegenheit verhandelt.

Von Barbara Schmidt

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