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Diese Luftaufnahme zeigt das Gebäudeensemble mit Wasserschloss und Hof Ehry. Das ehemalige Jugendzentrum soll nach Vorstellung der Kulturwerkstatt kreatives Zentrum Hofheims werden - und auch von Vereinen und anderen Interessierten genutzt werden.

Stadtentwicklung

Kulturwerkstatt legt Nutzungskonzept für ehemaliges Jugendzentrum vor

Die Hofheimer Kulturwerkstatt hat ein Konzept für den Hof Ehry geschrieben. Der Verein möchte, dass aus dem ehemaligen Jugendhaus eine Art Kulturzentrum wird.

Hofheim - Die Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft (HWB) hatte sich das Anwesen schon einmal angesehen. Im ehemaligen Jugendzentrum Wohnungen unterzubringen, würde rund eine Million Euro kosten. Auf 1,8 Million Euro bezifferte die HWB die Investitionen für Büros, die etwa das städtische Innovationszentrum nutzen könnte. So viel Geld hat der Verein Hofheimer Kulturwerkstatt nicht.

Das brauche er aber auch nicht, sagt Michael Schulze, der Vorsitzende des Vereins. Nach einem Konzept der Kulturwerkstatt könnte das Anwesen zu einem Kulturzentrum umfunktioniert werden, für die Aktivitäten des Vereins, aber längst nicht nur für die. Da wären zwar Brandschutzauflagen zu erfüllen und andere Dinge zu erledigen, weiß Schulze. Aber das sieht er nicht als unüberwindbares Hindernis an.

Im September 2018 hat der Verein ein Kunstprojekt im Ehry-Hof organisiert, und das lief so gut, dass die Teilnehmer nach einer Wiederholung riefen. Der Verein hat daraufhin mit der Stadt einen Überlassungsvertrag abgeschlossen und bietet jetzt die unterschiedlichsten Workshops an. Unter anderem gibt es jetzt die Wolle-Werkstatt, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, traditionelle Handwerkstechniken am Leben zu erhalten.

Workshops und Kurse

In diesem Stil möchte der Verein das Angebot weiter ausbauen. Der Schwerpunkt soll auf Workshops, offenen Angeboten und Kursen liegen. Kultur für alle, lautet die Überschrift, es geht um niedrigschwellige Angebote auch für Hofheimer ohne den ganz großen Geldbeutel. Die Kulturwerkstatt möchte dabei auch keineswegs alles selbst organisieren, sondern die Räumlichkeiten auch anderen Anbietern zur Verfügung stellen. "Drei Vereine haben sich schon gemeldet", sagt Vereinschef Schulze.

"Wir wollen aber kein weiteres Vereinshaus aus dem Hof Ehry machen", betont Schulze. An Chorproben und Vorstandssitzungen ist also ausdrücklich nicht gedacht. Sondern an Angebote auch für Leute, die nicht dem Verein angehören, und für die in den sonstigen Vereinsräumlichkeiten kein Platz ist. Kommerzielle Anbieter kann sich der Verein schon vorstellen.

Lange Ideenliste

Ein Café im Zwischenbau zwischen Scheune und Wohnhaus, Ausstellungen und Empfänge in der Scheune, Kunstprojekte, Lesungen und ein Repaircafé im Hof, Künstlerateliers und Räume für Workshops - die Ideenliste des Vereins ist ziemlich lang. Auch das Haupthaus könnte für die unterschiedlichsten Projekte und Aktionen genutzt werden, mit den unterschiedlichsten Kooperationspartnern.

Eine Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum und der Bücherei hat es schon gegeben. Schulze weist darauf hin, dass diese und andere Einrichtungen wie das Jugendhaus im Wasserschloss und das Vereinshaus in unmittelbarer Nachbarschaft liegen. Da dränge sich eine kulturelle Nutzung des einstigen Bauernhofes doch geradezu auf. "Hier soll das kulturelle Herz der Stadt an einem historischen Ort mit kreativer Hinterhofatmosphäre schlagen", heißt es in dem Konzept.

Der Verein will mit seinen Ideen jetzt in die Offensive gehen. Die Parteien im Stadtparlament wurden schon einmal informiert, sie bekommen jetzt ein aktualisiertes Konzept. Beschlusslage ist, dass der Magistrat eine Ausschreibung machen soll mit dem Ziel, einen Investor zu finden, der das Haus saniert und längerfristig nutzt. Inhaltliche Vorgaben zur Nutzung gibt es keine.

Quartier beleben

Beschlusslage ist auch, dass die Ideen des Vereins einbezogen werden sollen, wenn es Ausschreibungsergebnisse gibt. Die Kulturwerkstatt kann sicher für sich in Anspruch nehmen, dass es ein aus bürgerschaftlichem Engagement entstandenes Konzept ist und nicht ein Plan eines auswärtigen, kommerziellen Investors. Außerdem haben sich die Stadtverordneten eine öffentliche Nutzung gewünscht, die das Quartier weiter belebt - auch dieses Kriterium erfüllt das Konzept. Und es lässt die Möglichkeit offen, weiteren Bedarf abzudecken - beispielsweise nutzt die Stadt selbst Räume in dem Anwesen als Marktbüro beim Gallusmarkt.

Die Notwendigkeit, das Anwesen in Schuss zu halten, machen Schulze kein größeres Kopfzerbrechen. Die Bausubstanz sei in Ordnung, und einiges könnten die Handwerker in dem etwa 30-köpfigen Verein auch selbst erledigen. Auch Brandschutzfragen seien sicher lösbar - auch wenn dies darauf hinauslaufen könne, beispielsweise einzelne Dachräume nicht zu nutzen.

Das Gebäude sei weder schön noch historisch oder alt, schimpfte ein Stadtverordneter der FWG im Jahre 1979 im Parlament. Damals ging es um einen bloßen Prüfungsauftrag - der Magistrat sollte ermitteln, ob man aus dem Hof Ehry ein Jugendzentrum machen könnte. Zur Überraschung der SPD, die den Antrag eingebracht hatte, schloss sich die CDU ihr an und verschaffte dem Antrag eine Mehrheit. Nach einer zehnjährige Diskussion um ein Jugendzentrum wurde damit der Weg eröffnet zur Schaffung eines Hauses der Jugend. Es gab damals zwar Proteste der Anlieger, die Lärm und andere Belästigungen fürchteten, und die Sanierungsarbeiten dauerten deutlich mehr als ein Jahr, die Kosten wurden auf 1,8 Millionen Mark geschätzt. 1983 wurde das Jugendhaus eröffnet und mit unterschiedlich viel Resonanz bis zum Sommer 2018 betrieben. Dann zog die Jugendarbeit aus konzeptionellen Grünen in das benachbarte ehemalige Wasserschloss um.

Den Hof Ehry hatte die Stadt im Jahre 1979 gekauft. So ganz genau lässt sich das Alter der Gebäude nicht ermitteln; bekannt ist nur, dass das Wohnhaus im Jahre 1881 von Adam Ehry gebaut wurde. Die Scheune steht, wie es in der Main-Taunus-Denkmaltopographie heißt, am Standort der ehemaligen Zehntscheune - demnach handelt es sich nicht um die Zehntscheune selbst, sondern um einen Nachfolgebau. Bei der Südfassade handelt es sich mutmaßlich allerdings um einen Bestandteil der Stadtmauer, die dann auch die Wand einer Zehntscheune gebildet haben dürfte. bt

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