Grabungstechniker Christian Richter ist auf dem Gelände des ehemaligen Löschteichs auf parallel verlaufende Gräben gestoßen. Deutlich sichtbar ist auch das Verfüllmaterial. FOTOs: Knapp
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Grabungstechniker Christian Richter ist auf dem Gelände des ehemaligen Löschteichs auf parallel verlaufende Gräben gestoßen. Deutlich sichtbar ist auch das Verfüllmaterial.

Untersuchungen

2000 Jahre alte Silbermünze lag unterm Löschteich

  • VonManfred Becht
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Archäologen finden bei Ausgrabungen am Kreishaus in Hofheim neben Gräben auch Keramik und eine Lanzenspitze aus der Römerzeit.

Hofheim -Mit einer Münze zu bezahlen, die mehr als 100 Jahre alt ist, das ist aus heutiger Sicht kaum vorstellbar. Bei den Römern dagegen war dies womöglich an der Tagesordnung. Erkennbar ist dies an einer Münze, die bei Grabungen entdeckt wurde, die auf Veranlassung des Landesdenkmalamtes vorgenommen wurden. Die Münze nämlich wurde, das können die Fachleute ohne eine genauere Analyse schon sagen, vor 70 vor Christus geprägt. Gefunden aber wurde sie im Gebiet des sogenannten Erdlagers im Park des Kreishauses. Und dieses Lager bestand von etwa 40 bis 70 nach Christus.

Bekanntlich bekommt das Kreishaus einen Erweiterungsbau genau dort, wo sich bisher der Feuerlöschteich befand. Dass man sich auf historischem Gelände befindet, ist seit mehr als 100 Jahren bekannt, schon zu Anfang des 20. Jahrhunderts wurden dort zwei Römerkastelle ausgegraben. Dort, wo jetzt die Baustelle eingerichtet wurde, befand sich das Erdlager. Bevor im Herbst die eigentlichen Bauarbeiten beginnen, lässt das Landesamt für Denkmalpflege dort den Untergrund untersuchen. Und es gibt erste Ergebnisse.

"Ich hätte gar nicht gedacht, dass da etwas erhalten ist", sagt Dieter Neubauer, der zuständige Archäologe vom Landesamt. Alleine beim Bau des Feuerlöschteiches hätten leicht sämtliche Reste zerstört werden können. Aber der Teich war nicht so tief, wie er es sich gedacht hatte, und er wurde nach unten durch eine recht dünne Betonplatte gebildet. Der Boden darunter blieb bei Bau des Teiches in den 1980er Jahren unangetastet.

Und so kam es, dass die Archäologen auf parallel verlaufende Gräben stießen. Diese waren zwar verfüllt worden, zeichnen sich aber durch das anders gefärbte und strukturierte Verfüllmaterial deutlich sichtbar ab. Über einige Meter haben die Archäologen die Gräben wieder ausgehoben, so dass man eine gute Vorstellung davon bekommt, wie breit und wie tief sie gewesen sind. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass zwischen den beiden Gräben noch eine Holzpalisade stand.

Erdlager ist weiter südlich als angenommen

Neue Erkenntnisse über die Römer in Hofheim hat die Grabung bislang nicht gebracht - von einer Ausnahme abgesehen: Das Lager ist ein ganzes Stück weiter südlich, als es auf den Karten eingetragen ist, die nach den Ausgrabungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts angefertigt wurden. Wie es damals zu dem Fehler kam, ist unklar; womöglich hat es damit zu tun, dass die Vermessungsinstrumente noch nicht so genau und fehlerfrei arbeiteten.

Das Landesdenkmalamt sieht sich durch die gute Qualität der Funde jedenfalls veranlasst, weitere Untersuchungen vorzunehmen - und zwar genau dort, wo demnächst gebaut werden soll. Die restlichen Flächen sind späteren Forschergenerationen vorbehalten. Aber bei den weiteren Grabungen werden schon auch Flächen aus dem Inneren der etwa ringförmigen Anlage untersucht.

Gebäude nicht planmäßig angeordnet

Das kann durchaus weitere und auch überraschende Erkenntnisse bringen. Spätere Römerkastelle seien allesamt nach einem festen, einheitlichen Plan angelegt worden, sagt Neubauer. Bei dem Erdlager ist es anders; in dieser Epoche wurden die Kastelle stärker an die örtlichen Gegebenheiten angepasst, alles hatte einen fast provisorischen Charakter. Zu dem Zeitpunkt sei auch die weitere Strategie der Römer noch offen gewesen - es war unklar, ob das Hofheimer Lager Grenz- oder Etappenort sein sollte. Und so dürften auch die Gebäude im Lager nicht so planmäßig angeordnet sein - es gibt Zeichnungen früherer Grabungen, aber deren Zuverlässigkeit steht nunmehr in Frage.

Ausgewertet wird übrigens auch das Material, mit dem die Römer die Gräben verfüllt hatten. Dies passierte beim Bau des Steinkastells in unmittelbarer Nachbarschaft wenige Jahrzehnte später. Einen befestigten Platz direkt vor dem eigenen Stützpunkt wollte man keinem potenziellen Feind anbieten, deshalb wurde dort der Abfall abgeladen, der beim Bau des Steinkastells anfiel.

Zu den Funden jetzt gehören auch eine Lanzenspitze, die schon erwähnte Münze und Keramik. "Das ist ein Töpferstempel", deutet Neubauer auf die Unterseite eines zerbrochenen Tellers. Es gibt Kataloge, mit denen man anhand des Stempels identifizieren kann, aus welcher Töpferei das Geschirr stammt. Das aber gehört zur Auswertung der Funde im Labor, die sich an die Ausgrabungen anschließen. Die Archäologen hoffen, dass sich da bis zum Herbst schon noch das eine oder andere interessante Stück findet.

Info: Hofheim war schon für die Römer ein guter Standort

Hofheim hat seit Jahrzehnten in der provinzialrömischen Forschung einen guten Klang. Die Phase des Erdlagers, also die Jahre 40 bis 70 nach Christus, wird weltweit als Hofheim-Horizont bezeichnet. Gebaut wurde es im Rahmen des Germanien-Feldzuges unter Kaiser Caligula, der im Jahr 39 begann. Die Römer hatten einen großen Standort in Mainz und bauten in Richtung ihres Vorstoßes ihre Lager so, dass eines vom anderen genau einen Tagesmarsch entfernt lag. Der Standort war so gut, das ab 82 nach Christus in unmittelbarer Nachbarschaft des Erdlagers ein Steinkastell entstand. Der Verlauf der Römerstraße lag auf der heutigen Trasse der Casteller Straße in Diedenbergen, des Schmelzweges und der Landstraße nach Zeilsheim und nachfolgend der Autobahn A66.

Diese Silbermünze, die die Archäologen auf dem Gelände des künftigen Erweiterungsbaus gefunden haben, soll vor 70 vor Christus geprägt worden sein.

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