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L 3011-Sperrung: Bäume fallen für Rettungsfahrzeuge

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Von: Manfred Becht

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Bäume fallen: Mit schweren Maschinen sind die Forstarbeiter am Heinrichsweg unterwegs.
Bäume fallen: Mit schweren Maschinen sind die Forstarbeiter am Heinrichsweg unterwegs. © Maik Reuß

Der Heinrichsweg im Stadtwald wird ertüchtigt. Alles viel zu breit, finden Kritiker

Lorsbach. Diese Geschichte hat eine besondere Pointe. Da Hofheimer und Lorsbacher wohl noch länger auf den Radweg durch das Lorsbachtal warten müssen, wurde beschlossen, den Heinrichsweg so zu ertüchtigen, dass er für Radfahrer besser nutzbar ist. Vor allem die matschigen Stellen am Ende der Kurhausstraße und am Ende der Talstraße sollten verbessert werden. Jetzt wird der Waldweg, der parallel zum Schwarzbach verläuft, sogar über die ganze Strecke besser nutzbar gemacht. Aber trotzdem gibt es Aufregung, vor allem in Lorsbach.

Grund ist die in der vergangenen Woche angelaufene Fällung von Bäumen entlang des Weges. Das sieht, wie schon nach den ersten Arbeiten zu erkennen war, nicht schön aus. „Wir brauchen doch keinen acht Meter breiten Weg“, schimpft etwa die Lorsbacherin Jasmin Georg. Ähnlich ist die Stimmung in verschiedenen Internetforen. Dass so viele Bäume gefällt werden, das passt vielen nicht. Es sind auch nicht nur junge Exemplare oder größere Sträucher, sondern recht starke Stämme.

Eine offene Frage ist, wie genau festgelegt wurde, welcher Geländestreifen gerodet werden soll. „Eine solche Vorgabe ist der Stadt nicht bekannt“, sagt Deike Wichmann von der städtischen Pressestelle, auf die acht Meter angesprochen. Es gehe darum, die Verkehrssicherheit zu gewährleisten, insofern gebe es keine strikten Abstandsregeln. „Der Förster achtet darauf, dass nur die Bäume gefällt werden, bei denen das zwingend notwendig ist“, hieß es in der vergangenen Woche in einer Pressemitteilung der Stadt.

Warum verlangt plötzlich die Verkehrssicherheit so viel mehr Platz? Bekanntlich soll im nächsten Jahr die Landstraße durch das Lorsbachtal voll gesperrt werden, womöglich zwölf Monate oder sogar noch länger. Der allgemeine Verkehr kann natürlich nicht über den Heinrichsweg geführt werden. Aber die Rettungsfahrzeuge, die nach Lorsbach müssen, die sollen diese Strecke benutzen. Mit Ausnahme der Drehleiter der Feuerwehr - falls eine solche gebraucht wird, wird das Eppsteiner Fahrzeug alarmiert.

Auf jeden Fall muss dabei einkalkuliert werden, dass die Rettungsfahrzeuge in voller Fahrt Fußgängern oder Radfahrern begegnen. Der Weg muss also deutlich breiter sein als ein solches Auto. Außerdem dürfen keine Äste so tief über dem Weg hängen, dass sie den Einsatzfahrzeugen im Weg sind. Vermutlich wird deshalb so breit gerodet.

Irritierend ist, dass die Stadt Hofheim die Aktion mit bezahlt. Denn das Bauvorhaben an der L 3011 ist Sache des Landes Hessen. Trotzdem sei die Stadt an den Kosten der Rodung beteiligt, die auf 20 000 Euro kalkuliert sind, lässt die Pressestelle wissen. Über die genaue Aufteilung der Kosten werde noch verhandelt. Die Ertüchtigung des Weges bezahle Hessen Mobil alleine.

Hessen Mobil befinde sich im regelmäßigen Austausch mit der Stadt, betonen die Straßenbauer. Die beiden Behörden haben es nicht leicht miteinander. Im Frühjahr hatte Hessen Mobil der Nutzung des Heinrichsweges noch eine Absage erteilt, weiß Jasmin Georg, die mit Hessen Mobil einen ausführlichen Schriftverkehr pflegt, auch weil sie in Lorsbach einen Dachdeckerbetrieb hat, für den die Sperrung wohl erhebliche Probleme bedeuten wird.

Das bestätigt Hessen Mobil. Erst Ende Juli habe es eine Einigung gegeben. Im August habe man dann gemeinsam „flankierende verkehrsbehördliche Maßnahmen vereinbart“, damit die Rettungsfahrzeuge sicher auf dem Weg unterwegs seien. Hessen Mobil sei für den Ausbau des Weges zuständig, die Stadt für die Verkehrssicherung, erläutert die Landesstraßenbehörde auf Anfrage.

Zusätzlich kompliziert wurde der Fall, als zunächst über die Rodung informiert wurde und es hieß, sie sei für den Winter vorgesehen. Plötzlich legten doch die Kettensägen los - wie die Stadt berichtet, habe man für den Winter kein Unternehmen finden können, das die Arbeiten ausführt. Die kalten Monate sind eigentlich die Zeit, in der Fällarbeiten im Wald gemacht werden.

Die Arbeiten seien keine Vorentscheidung für eine einjährige Vollsperrung, erklärte Erster Stadtrat Wolfgang Exner (CDU) im städtischen Bauausschuss. Die Stadt kämpfe weiter gegen diese Pläne. Aber auch bei einer kürzeren Sperrung müsse der Weg ertüchtigt werden.

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