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Linda Beck (rechts) und Kirsten Bohnhardt (3. von rechts) zeigen Besuchern die Räume der Beratungsstelle und erläutern die Projekte.

Sucht

Abhängigkeit in vielen Variationen

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Seit 40 Jahren gibt es das Zentrum für Jugendberatung und Suchthilfe im Main-Taunus-Kreis. Aktuell machen den Mitarbeitern Cannabiskonsum und digitale Abhängigkeiten das größten Kopfzerbrechen.

Die älteren Hofheimer können sich daran noch gut erinnern: In der Stadt gab es in den siebziger Jahren eine offene Drogenszene. Zunächst konzentrierte sie sich auf die Schwarzbachbrücke im Zuge der Hauptstraße, dann verlagerte sie sich in die nahe gelegene Adolf-Mohr-Anlage. Das aber gefiel vielen Bürgern nicht, vor allem nicht den Eltern der vielen Schüler, die regelmäßig den Busbahnhof gleich nebenan benutzen mussten.

Beratungsstellen gab es damals in Großstädten, aber in keinem einzigen Landkreis, weiß Wolfgang Mazur, der heute Leiter des Zentrums für Jugendberatung und Suchthilfe in der Hattersheimer Straße ist. Die Hofheimer hatten Glück, dass der zuständige Mann im Wiesbadener Sozialministerium der Hofheimer Wolfgang Winckler war – um Verwechslungen zu vermeiden: der Vater des späteren SPD-Stadtrates. Gemeinsam schafften es der Verein Jugendberatung und Jugendhilfe, die Kommune, der Kreis und das Ministerium, in Hofheim eine solche Beratungsstelle zu etablieren.

Das ist 40 Jahre her, und deshalb konnte jetzt an der Hattersheimer Straße Jubiläum gefeiert werden. Seit 1985 ist die Einrichtung dort untergebracht, der Startschuss 1978 war in Räumen des Krankenhauses an der Lindenstraße gefallen. Ebenfalls 1985 war übrigens aus dieser Einrichtung heraus der Verein „Selbsthilfe im Taunus“ gegründet hatte, der sich viele Jahre erfolgreich um die Wiedereingliederung ehemals Drogenabhängiger in den Arbeitsmarkt kümmerte, inzwischen aber nicht mehr existiert.

Zu tun hat das Zentrum für Jugendberatung und Suchthilfe mehr als genug. Im vergangenen Jahr wurden in der Einrichtung 1056 Personen beraten, dabei ging es in 867 Fällen um Suchtprobleme. 189 Jugendliche sprachen wegen anderer Probleme vor.

Immer mehr Kommunen greifen auf das Zentrum für Jugendberatung und Suchthilfe zurück, wenn es um die mobile Jugendarbeit geht. Zuletzt kam die Stadt Hattersheim dazu. Schuldnerberatung, Eingliederungshilfen und Suchtmittelsubstitution sind inzwischen weitere Arbeitsschwerpunkte. Kontinuierlich ausgeweitet wurde das Angebot in der Schulsozialarbeit – 2004 ging es los, inzwischen gibt es sie flächendeckend. „Ohne die Schulsozialarbeit würden viele Schüler auf der Strecke bleiben“, ist Sara Morawietz überzeugt, die Leiterin der Freiherr-vom-Stein-Schule in Eppstein.

„Alle, die hier arbeiten, werden nicht arbeitslos“, versichert Hans Böhl, Geschäftführer des Trägervereins Jugendberatung und Jugendhilfe e. V. Die Sucht werde immer ein Thema bleiben, macht er sich in diesem Punkt keine Illusionen. Dass es dabei immer neue Einzelthemen gibt, liegt auf der Hand – die Gesellschaft wandelt sich und mit ihr Phänomene wie Drogenkonsum und Abhängigkeit.

Zwei Dinge bewegen Einrichtungsleiter Wolfgang Mazur zurzeit. Erstens die Feststellung, dass die Cannabisprodukte Haschisch und Marihuana wieder häufiger konsumiert werden. „Die Eltern sind verunsichert durch die Diskussion um eine Legalisierung“, sagt Mazur. Dabei ist deutlich zu erkennen, dass er von einer Legalisierung nicht viel hält – massive Schädigungen durch Cannabiskonsum im jugendlichen Alter seine nachgewiesen sagt er. Bekannt ist, dass die Wirkstoffkonzentration in diesen Drogen heute erheblich höher ist als früher.

Eine immer größere Rolle spielt zweitens das, was man digitale Abhängigkeit nennen könnte: Die Unfähigkeit, bei der Nutzung von Computerspielen und sozialen Netzwerken Maß zu halten. Es gebe Konzepte zum Umgang damit, und die Eltern seien daran auch sehr interessiert, hat Mazur beobachtet. Wobei umgekehrt sich die Kinder die exzessive Nutzung des Smartphones auch gerne bei den Eltern abschauen . . .

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