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An der Schule mit dem Ukraine-Krieg umgehen

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Von: Ulrike Kleinekoenen

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Sozialpädagogin Paula Walentowitz und Beratungslehrer Luzian Lange sind für die Schülerinnen und Schüler der Main-Taunus-Schule in der "Ansprechbar" ansprechbar.
Sozialpädagogin Paula Walentowitz und Beratungslehrer Luzian Lange sind für die Schülerinnen und Schüler der Main-Taunus-Schule in der "Ansprechbar" ansprechbar. © Knapp

Massive Zäsur für die Schule - Appelle, Kinder mit den Bildern nicht alleine zu lassen

Hofheim -Es war leise gestern morgen in sämtlichen Klassenräumen der Main-Taunus-Schule. Sehr leise. Es herrschte absolute Stille, nachdem Schulleiterin Sabine Buse-Stephan über den Lautsprecher um 11 Uhr die gesamte Schulgemeinde gebeten hatte, eine Minute innezuhalten und in Gedanken bei den Menschen zu sein, "die derzeit in der Ukraine in Kriegsgefechte verwickelt oder auf der Flucht sind oder in den Städten Schutz suchen".

Hessens Kultusminister Alexander Lorz hatte alle Schulen in Hessen zu der Schweigeminute aufgerufen, als Ausdruck "unserer Anteilnahme und unseres Mitgefühls mit dem ukrainischen Volk und allen, die unter dem Krieg leiden", zu einem gemeinsamen "Bekenntnis für Frieden und Freiheit". Auch im Main-Taunus-Kreis waren die Schulen dem Aufruf gefolgt.

Für die Direktorin des Hofheimer Gymnasium war es eine Selbstverständlichkeit. Auch ohne die Anregung aus dem Kultusministerium hatte sie bereits vergangenen Freitag im Kollegium angeregt, eine Schweigeminute abzuhalten. So wie es sie schon zu anderen besonderen Anlässen und Ereignissen gab, wie zuletzt nach der Ermordung der beiden Polizisten in Kusel.

Auch im Unterricht thematisiert

Die Schweigeminute gestern war jedoch zunächst nur eine Momentaufnahme, wie die Bestürzung über das Kriegsgeschehen in der Ukraine an der Schule verarbeitet wird. In den Fächern Politik- und Geschichte, aber auch Ethik und Religion soll das Thema in den kommenden Wochen noch intensiver behandelt werden. Natürlich werde es für die unterschiedlichen Altersgruppen entsprechend pädagogisch umgesetzt, sagt Birgitt Inderfurth, Fachbereichsleiterin der Gesellschaftswissenschaften.

Und auch mit längerfristigen Projekten werde man das weitere Kriegsgeschehen begleiten, kündigt die Schulleiterin an. Sabine Buse-Stephan weiß, dass dieser Krieg in Europa, mit dem niemand wirklich gerechnet habe, auch für die Schule eine ganz massive Zäsur sei. Zumal es an der MTS Schüler aus der Ukraine wie auch aus Russland gibt. Nicht nur deshalb hat die psychologische Begleitung der Schüler einen mindestens ebenso großen Stellenwert.

Die Lehrer seien aufgefordert, die Kinder und Jugendlichen mit den Bildern und Nachrichten nicht alleine zu lassen, so der Kultusminister. Sie bräuchten in diesen aufwühlenden Tagen Unterstützung und Begleitung, weil der Krieg bei ihnen Ängsten und Sorgen hervorrufe.

Sozialpädagogin in der "Ansprechbar"

Auch darauf bereitet sich die MTS vor. Nach den schulfreien Faschingstagen ist seit gestern in dem Hofheimer Gymnasium auch wieder die "Ansprechbar" geöffnet". Dort haben Beratungslehrer Luzian Lange und die Sozialpädagogin Paula Walentowitz immer ein offenes Ohr für die ganz persönlichen Probleme der Schüler. Einen großen Gesprächsbedarf habe es bereits in der Pandemie gegeben, als das Homeschooling für viele Schüler eine große Herausforderung bedeutete, auch emotional.

Bei manchen habe dies sogar Angststörungen ausgelöst, erzählen beide. Einige Schüler seien in ein regelrechtes "Corona-Loch" gefallen. Die psychische Anspannung, die teilweise noch anhalte, werde nun möglicherweise durch das Kriegsgeschehen in der Ukraine verstärkt.

Paula Walentowitz gibt zu, dass sie die Bilder und Nachrichten aus der Ukraine selbst sehr aufgewühlt habe. Man müsse schauen, dass es einen nicht zu sehr mitnimmt, würde sie Schülern raten. Sie selbst hat deshalb ihren Nachrichtenkonsum bewusst am Wochenende reduziert, "denn ich habe gemerkt, dass es mir nicht gut tut". Stattdessen hat sie viel mit Freunden gesprochen. "Ja, ich bin auch traurig, aber unser Leben geht ja trotz des Krieges weiter", rät sie dazu, die Achtsamkeit mit sich selbst nicht zu vergessen.

Hessens Kultusminister hat die Lehrer aufgefordert, angesichts des Krieges den Schülern Sicherheit und Orientierung zu geben. "Das ist gar nicht so einfach, denn wir wissen ja noch gar nicht, wie es überhaupt weitergeht", sagt Sabine Buse-Stephan. Der Vorsitzende des Kreiselternbeirates, Matthias Bormann, appelliert an die Eltern, mit ihren Kindern über das Kriegsgeschehen in der Ukraine zu sprechen: "Lassen Sie die Kinder mit den Bildern und Nachrichten nicht allein."

Extra: Pruszcz Gdanski nimmt Flüchtlinge auf - Spendenaufruf

Hofheims Partnerstadt Pruszcz Gdanski in Polen bereitet sich auf die Aufnahme ukrainischer Flüchtlinge vor. Zwar liegt die Stadt rund 700 Kilometer von der polnisch-ukrainischen Grenze entfernt, dennoch sind nach Angaben des dortigen Bürgermeisters, Janusz Wróbel, schon viele Menschen angekommen, und es würden jeden Tag mehr.

Die Stadt Pruszcz Gdanski hat ein Spendenkonto unter dem Titel: "SOS Ukraine" eingerichtet. Der Förderkreis Hofheimer Städtepartnerschaften ruft dazu auf, die Stadt Pruszcz Gdanski bei ihren Anstrengungen zu unterstützen.

Wer spenden möchte, kann das unter folgender Bankverbindung tun: Gmina Miejska Pruszcz Gdanski (Stadtgemeinde Pruszcz Gdanski), Kontonummer: PL78 8335 0003 0121 1827 2000 0004, SWIFT: GBWCPLPP. Ganz wichtig sei es, den Zweck anzugeben: SOS Ukraina. Die Spenden werden, heißt es in der Mitteilung der Stadt Hofheim, vor allem für Medikamente und die medizinische Betreuung von Flüchtlingen verwendet.

Außerdem hat die Verwaltung von Pruszcz Gdanski bereits 15 möblierte Wohnungen, einige Räume in Schulen und viele private Unterkünfte vorbereitet. "Jetzt ist der Moment, unseren europäischen Freunden zu helfen", so Helena Taranczewski vom Förderkreis.

"Wir alle bangen mit den Menschen in der Ukraine", so Bürgermeister Christian Vogt. "Deshalb wollen wir unserer Partnerstadt in Polen bei deren Versorgung beistehen."

Außerdem habe die Stadt Hofheim dem Main-Taunus-Kreis die alte Ländcheshalle und ein Pensionsgästehaus als mögliche Unterbringungsorte für Flüchtlinge aus der Ukraine gemeldet. red

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