An dieser Stelle schoss der Wagen über die Gegenfahrbahn und prallte mit voller Wucht gegen einen Baum. Noch Tage nach dem grauenvollen Unfall im Juli vergangenen Jahres waren die blauen Markierungen der Spurensicherung der Polizei auf der Straße zwischen Langenhain und Wildsachsen zu erkennen.
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An dieser Stelle schoss der Wagen über die Gegenfahrbahn und prallte mit voller Wucht gegen einen Baum. Noch Tage nach dem grauenvollen Unfall im Juli vergangenen Jahres waren die blauen Markierungen der Spurensicherung der Polizei auf der Straße zwischen Langenhain und Wildsachsen zu erkennen.

Horror-Unfall

Angeklagter nach Unfall mit drei Toten vor Gericht: "Ich wünschte, ich wäre selbst gestorben"

  • VonMatthias Gerhart
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Ein 19-jähriger Wallauer steht in Frankfurt vor Gericht. Bei dem Unfall, den er verursacht haben soll, wurden drei Menschen getötet.

Langenhain/Frankfurt – "Mir fehlen die Worte für das, was passiert ist. Ich wünschte mir, ich wäre bei dem Unfall selbst gestorben": Der 19 Jahre alte Angeklagte aus Wallau ging mit sich hart ins Gericht zum Auftakt des Prozesses um die "furchtbare Tragödie" (Jugendrichterin Susanne Großmann) vom Juli vergangenen Jahres. Ein schwerer SUV, gesteuert von dem Fahranfänger, war zwischen Langenhain und Wildsachsen mit überhöhter Geschwindigkeit auf die Gegenfahrbahn geraten und gegen einen Baum geprallt. Die drei 19, 18 und 17 Jahre alten Mitfahrer starben.

"Sie waren meine Freunde", sagte der Angeklagte, der sein Gesicht hinter der Mund-Nasen-Maske verbarg. Die zahlreichen Angehörigen der Todesopfer, die als Nebenkläger vor Gericht vertreten waren oder aber im Zuschauerraum Platz genommen hatten, quittierten die Äußerungen des Schülers regungslos oder aber mit verächtlichen Blicken.

Prozess in Frankfurt: Drohanrufe an 19-jährigen Angeklagten nach tragischem Unfall bei Hofheim

Auch wenn es für die Verwandten schwer sei, müsse in dem Prozess in erster Linie der Angeklagte und dessen Schuld im Mittelpunkt stehen, sagte Richterin Susanne Großmann. So sehe es nun einmal das Gesetz vor. Und deshalb drehte sich in der ausführlichen Erklärung, die der Wiesbadener Verteidiger des jungen Mannes verlas, auch erst einmal alles um seinen Mandanten.

Ein Mensch, der in behüteten Verhältnissen bei Eltern und Geschwistern aufwuchs, ehrenamtlich in Wallau tätig gewesen war und sogar Anfang dieses Jahres in die Kommunalpolitik einsteigen wollte. Nach dem furchtbaren Unfall sei er von der Liste gestrichen worden und es habe Drohanrufe gegeben. "Er war ein lebenslustiger, fröhlicher Mensch", sagte der Rechtsanwalt. Dies sei nun vorbei.

Gleich nach dem Unfall hatte der damals erst drei Tage vorher 18 Jahre alt gewordene Fahrer bei den ersten Zeugen vor Ort bestritten, zu schnell gefahren zu sein. Gestern ließ er mitteilen, dass er nicht auf den Tachometer geschaut habe, als er aus Langenhain Richtung Wildsachsen herausgefahren sei. Man sei ausgelassener Stimmung im Auto gewesen und habe laute Musik gehört. Dann aber kam auf abschüssiger Strecke die berüchtigte langgezogene Kurve: "Es ist eine problematische Strecke", sagte einer der Zeugen, der den Weg zwischen den beiden Hofheimer Ortsteilen seit Jahren regelmäßig fährt. Während damals noch die allgemeine Tempobeschränkung für Landstraßen von 100 Stundenkilometern galt, wurde nach dem Unfall eine Tempo 70-Beschränkung eingeführt. Der Angeklagte aber war mit mindestens 135 Kilometern pro Stunde unterwegs, heißt es in der Anklageschrift. Bei Tempo 100 wäre der Unfall vermeidbar gewesen.

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Der Angeklagte relativierte dies freilich, indem er von einer Gestalt, möglicherweise einem Reh sprach, das plötzlich "von links" auf die Straße kam. Auch sei das Auto ins Rutschen geraten. Die Fragen der Prozessbeteiligten an die Zeugen konzentrierten sich folglich darauf, ob es an jenem frühen Abend etwa "genieselt" habe, wie eine Zeugin berichtete. Oder ob es auf jener Straße häufiger zu Wildwechsel komme. Ein anderer Aspekt: Cannabis, von dem Spuren bei der Blutuntersuchung festgestellt worden waren, habe er schon Monate vor dem Unfall nicht mehr genommen, beteuerte der junge Wallauer.

Kurzfristig wurde gestern noch ein zweiter Verhandlungstermin angesetzt und die Richterin äußerte sogar Zweifel, ob dies reiche und der Prozess in der kommenden Woche abgeschlossen werden könne. So sollen neben den zahlreichen Zeugen auch die Angehörigen der Opfer ausreichend Gelegenheit erhalten, ihre Gefühle auszudrücken und dem Gericht mitzuteilen.

Frankfurt: Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt

Einen leidvollen Vorgeschmack erhielt man gestern Mittag, als ein Autofahrer vernommen wurde, der den 17-Jährigen Jugendlichen auf dem Beifahrersitz wohl als letzter lebend gesehen hatte. Die Mutter begann zu weinen, die Sitzung wurde unterbrochen, und die beiden sprachen miteinander.

Zu Beginn der Verhandlung kam es wieder zu den Corona-üblichen Schwierigkeiten. Der kleine Gerichtssaal im Frankfurter Justizgebäude war in Anbetracht von elf Nebenklagevertretern, zahllosen Angehörigen und mehreren Pressevertretern proppenvoll, so dass etliche Besucher draußen bleiben mussten. Nächsten Mittwoch soll mit weiteren Zeugenaussagen fortgesetzt werden. Möglicherweise benötigt man sogar noch einen dritten Termin. (Matthias Gerhart)

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