Stadtverordnetenversammlung

Ausbau: Ein Busbahnhof mit Hintertür

Die Stadtverordnetenversammlung hat sich für eine Variante für den Ausbau des Busbahnhofes entschieden. Mit einer kleinen Hintertür...

Nicht allen Stadtverordneten war im Moment der Abstimmung klar, was zur Debatte stand, etwas unübersichtlich und laut war die Situation in der Stadthalle. Denn der Stadtverordnetenvorsteher hatte kurzerhand nicht nur die Beschlussempfehlung des Bauausschusses zur Abstimmung gestellt, sondern auch einen Ergänzungsantrag der Grünen. Und der sieht vor, einen Vorschlag der Linken zum Umbau des Busbahnhofes zur Begutachtung einem Planer vorzulegen. Dabei hatte die ganz große Mehrheit in mehreren Debatten deutlich gemacht, dass sie die Idee des Linken-Fraktionschefs Hausmann ganz bestimmt nicht weiterverfolgen will.

Also kann man gespannt sein, was der Planer sagt, und man kann gespannt sein, ob sich die Stadtverordneten davon noch einmal beeindrucken lassen. Das gilt auch für eine Stellungnahme, die der Fahrgastverband Pro Bahn in Person seines Sprechers Wilfried Staub abgegeben hat. Der bezweifelt nämlich, dass der Busbahnhof überhaupt überlastet ist – selbst im morgendlichen Schülerverkehr seien die acht Bussteigkanten nur zu 40 Prozent ausgelastet, so sein Eindruck. Die Stadt dagegen argumentiert, der Busverkehr nehme zu, die Kapazitäten seien ausgeschöpft, der Busbahnhof müsse leistungsfähiger werden.

Nach Staubs Einschätzung wäre es zunächst damit getan, die vorhandenen Kapazitäten besser auszunutzen – genauso hat auch schon Linken-Chef Bernd Hausmann argumentiert. Denkbar ist für Staub auch ein zusätzlicher Halteplatz am Ambettbrunnen, genau dies wurde auch beschlossen. Mehr soll am Ambettbrunnen aber nicht passieren; darauf besteht der Ortsbeirat und hat damit auch den Großteil der Stadtverordneten überzeugt.

Während Staub aber dafür plädiert, es bei der jetzigen Anordnungen der Bussteige zu belassen, bevorzugen die Stadtverordneten die sogenannte Sägezahnvariante, bei der die Busse in zwei Reihen hintereinander halten, allerdings leicht versetzt, so dass die ohne gegenseitige Behinderung ein- und ausfahren können. Die Mehrheit argumentiert, auf diesem Wege sei leichter eine Barrierefreiheit zu erreichen.

Die Einschätzung, die jetzigen Kapazitäten reichten aus, wird aber auch von der Main-Taunus-Verkehrsgesellschaft bestritten. Die weist in einem Gutachten darauf hin, dass die Bussteige aktuell von mehreren Linien besetzt werden. Zwar werden die Busse so verteilt, dass sie sich nicht gegenseitig behindern, das klappt aber nur, wenn alle pünktlich unterwegs sind. Auch wegen der vielen Baustellen im Kreisgebiet sei dies nicht der Fall, moniert der Gutachter, die Situation am Busbahnhof sei also häufig unbefriedigend. Mindestens ein zusätzlicher Bussteig müsse her, heißt es abschließend, und damit seien keineswegs Reserven für eine künftige Ausweitung des Busbetriebe geschaffen.

Mit dem jetzigen Beschluss wurde der Magistrat auch beauftragt, weitere Details zu klären, etwa notwendige Verbesserungen am Parkdeck am Bahnhof und die Einrichtung von Wartepositionen für Busse im weiteren Verlauf der Alten Bleiche. Außerdem möchten die Stadtverordneten eine Kostenschätzung.

Noch nicht auf der Tagesordnung stehen Überlegungen, wie der Busverkehr abgewickelt werden kann, wenn der Busbahnhof umgebaut wird. Das geringste Problem wäre dies sicher, wenn doch die Variante der Linken realisiert würde. Die sieht vor, an der Kioskinsel einen neuen Bussteig zu schaffen, der Rest könnte nach und nach umgebaut werden. Der Magistrat vertritt die Auffassung, dass es noch zu früh ist, um die Planung des Verkehrs in der Bauphase anzugehen. Pro-Bahn-Sprecher Staub übrigens ist überzeugt, dass bei einem Totalumbau keine Möglichkeit bestände, den jetzigen Busbetrieb in akzeptabler Form abzuwickeln.

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