Ein zufriedener Minister zwischen Computer und Hessen-Fahne: Axel Wintermeyer fühlt sich in seinem Wiesbadener Büro in der Hessischen Staatskanzlei sichtlich wohl. Foto: Matthias Knapp
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Ein zufriedener Minister zwischen Computer und Hessen-Fahne: Axel Wintermeyer fühlt sich in seinem Wiesbadener Büro in der Hessischen Staatskanzlei sichtlich wohl. Foto: Matthias Knapp

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Axel Wintermeyer: Der souveräne Politikmanager

  • vonBarbara Schmidt
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Der Christdemokrat aus Hofheim ist seit zehn Jahren Chef der Hessischen Staatskanzlei in Wiesbaden.

Hofheim/Wiesbaden -Er strahlt viel Souveränität aus. Ein Mann, der weiß, was er kann und der längst nicht mehr beweisen muss, dass er seinen Job im Griff hat. Dass die Hessische Landesregierung weitgehend geräuschlos funktioniert, was insbesondere nach dem Wechsel von einer schwarz-gelben zu einer schwarz-grünen Koalition 2014 nicht jeder so erwartet hätte, daran hat er großen Anteil. Denn bei Axel Wintermeyer laufen alle Fäden der Landespolitik zusammen. Der Hofheimer hat als Chef der Hessischen Staatskanzlei seit heute genau zehn Jahren eine Schlüsselposition in Wiesbaden inne - die allerdings kaum öffentliche Aufmerksamkeit genießt.

Wichtigster Geschäftsbereich ist der mit "M" abgekürzte: Die direkte Zuarbeit für Ministerpräsident Volker Bouffier. Sein Kernteam bestehe nur aus wenigen Leuten, sagt Wintermeyer. Sieben Frauen und Männer gehören dazu. 380 Mitarbeiter hat die Staatskanzlei aktuell insgesamt. Zu den Aufgaben gehören die Koordinierung der Regierungsarbeit, die Vorbereitung von Entscheidungen der Landesregierung, Informations- und Öffentlichkeitsarbeit, Politische Dienste wie Protokollführung aber auch Veranstaltungsplanung, Ordensverleihungen und Ehrenamtsförderung.

Angeschlossen sind der Staatskanzlei die Landeszentrale für Politische Bildung und das Statistische Landesamt, insgesamt komme man so auf "eine hohe dreistellige Zahl" an Beschäftigten, erläutert der Behördenleiter im Ministerrang. Er selbst sieht sich weder als "rechte Hand des Ministerpräsidenten", wie oft gesagt wird, noch als "Strippenzieher". Der mittlerweile 60-jährige Axel Wintermeyer findet, dass "Politikmanager" seine Tätigkeit am besten charakterisiert. Dazu passt, dass er es pro Woche "locker auf 80 Stunden" Arbeitszeit bringt. Die ersten E-Mails liest der Hofheimer morgens beim Tee, den er sich zum Frühstück macht, bevor ein Fahrer ihn zum langen Arbeitstag nach Wiesbaden chauffiert. Eigentlich sitzt der begeisterte Porschefahrer am liebsten selbst am Steuer - aber als Politikmanager muss er die Zeit im rollenden Büro für Telefonschalten oder das erste Aktenstudium nutzen.

Ein Manager-Gehalt, wie es für Vorstandsposten in der freien Wirtschaft vielfach üblich ist, erhält der Christdemokrat nicht. In seiner Besoldungsgruppe B 11 gibt es derzeit brutto 13 559,12 Euro. "Wer in die Politik wegen des Geldes geht, ist falsch", sagt Wintermeyer. Er empfinde sich daher auch nicht als unterbezahlt. Seine Bezüge jedenfalls neide er keinem Vorstandsvorsitzenden. "Aber wenn er am Freitagnachmittag auf den Golfplatz geht, darauf würde ich eher mit Neid gucken."

Freie Zeit - für den Chef der Staatskanzlei ist sie mit den Herausforderungen der Corona-Pandemie noch knapper als gewöhnlich geworden. Schon seine Sonderaufgabe als Beauftragter für die Flüchtlingsfragen hat ihn auf dem Höhepunkt der Krise 2015/16 hoch beansprucht. Zu Ende sei diese Arbeit nicht, sagt Wintermeyer, auch wenn das Thema nicht mehr so im Fokus sei. "Das ist das, was Politik ausmacht: Dass sie sich dabei nicht durch mediale Strömungen, Hypes und Interessen leiten lassen. Sie müssen das Große und Ganze langfristig im Blick behalten." Das gelte auch für die Corona-Krise: "Nur auf das Virus zu gucken und den Rest zu vergessen, ist falsch."

Die Zulassung Wintermeyers als Rechtsanwalt ruht seit dem Tausch der Anwalts- gegen die Staatskanzlei, wie es Vorschrift ist für Minister, die keiner anderen Tätigkeit nachgehen dürfen. Jurist zu sein, helfe bei seiner jetzigen Arbeit "ungemein", sagt Wintermeyer. "Als Jurist lernt man zu abstrahieren, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und darauf Antworten zu finden." Und das Lesen von Gesetzen, für den Chef der Staatskanzlei ein Stück "täglich Brot", fällt eben auch leichter.

Gestalten zu können, macht für Wintermeyer den Reiz an der Politik aus. Sein Ministeramt bringt ihm genau das in hohem Maß. Kraft und Motivation dafür nimmt der evangelische Christ nicht zuletzt aus seinem Glauben. Ihm liege an einer Gesellschaft, die die Gemeinschaft im Blick habe, bekennt der Hofheimer.

Keine Frage, dass es für den Main-Taunus-Kreis kein Schaden ist, seit nun zehn Jahren einen Minister in solcher Schlüsselstellung in Wiesbaden zu haben. Sein Rat wird vor allem von Parteifreunden gern gesucht. Kreistagsmitglied und CDU-Chef ist Wintermeyer im MTK zudem nach wie vor, trotz aller Belastung. Er brauche "es definitiv nicht mehr", gesteht der 60-Jährige. Aber auch hier folgt der Minister, der sich beim Musizieren, Malen und Kochen am besten entspannen kann, der eigenen Maxime: "Ich würde es nicht machen, wenn es mir keine Freude machen würde". Barbara Schmidt

Info: Seit fast vier Jahrzehnten Stadtverordneter

Axel Wintermeyer ist zwar am 1. Januar 1960 in Wiesbaden geboren, aber in Hofheim aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach dem Jura-Studium in Mainz war er als Rechtsanwalt in der Kanzlei Vater in Hofheim tätig. Sein erstes politisches Mandat erhielt der Christdemokrat 1981 als Hofheimer Stadtverordneter. Seit 1997 gehört er dem Kreistag des MTK an, ist seit 1998 CDU-Kreisvorsitzender und wurde 1999 erstmals als Direktkandidat in den Hessischen Landtag gewählt. Seither gelang ihm stets die Verteidigung des Direktmandats. Wintermeyer war rechtspolitischer Sprecher (2003 bis 2005) dann (bis 2010) Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion im Landtag.

Seit 31. August 2010 ist er als Chef der Staatskanzlei Mitglied der Landesregierung unter Ministerpräsident Volker Bouffier. Länger als Axel Wintermeyer hat bislang nur Hermann Bach (SPD) die Hessische Staatskanzlei geleitet. Und bis 2024 läuft die aktuelle Wahlperiode noch. babs

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