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Ein Baum wird mit der Kettensäge gefällt.

Ortsbeirat

120 Bäume wurden in der Innenstadt von Hofheim gefällt

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Kommt die Säge im Stadtgebiet zu oft zum Einsatz? Diesen Eindruck haben die Grünen und fragten deshalb beim Magistrat nach – mit einem erstaunlichen Ergebnis.

3700 Bäume fallen in die Verantwortung der Hofheimer Stadtgärtner. Die Grünen im Ortsbeirat Kernstadt haben allerdings den Eindruck, dass da immer häufiger die Säge angesetzt wird. In ihren Augen eine falsche Politik, denn nicht nur sie messen Stadtgrün in Zeiten des Klimawandels immer größere Bedeutung zu.

Schon im vergangen Mai hatte die Fraktion im Ortsbeirat Kernstadt angefragt, wie viele Bäume in den letzten fünf Jahren im Bereich der Kernstadt gefällt worden seien und wie es mit den Ersatzpflanzungen aussehe. Der Magistrat hatte im Juni darauf verwiesen, für eine Antwort habe die Zeit nicht gereicht, da eine Auswertung des Baumkatasters erforderlich sei. Eine Antwort gebe es in der nächsten Sitzung. Doch die Grünen warteten vergebens und stellten daher jetzt kurzerhand ihre Anfrage ein zweites Mal.

Rußrindenkrankheit befiel 30 Ahornbäume

Die Antwort sorgte für erstauntes Raunen im Ortsbeirat. „Circa 120 Bäume“ seien im Bereich der Innenstadt in den vergangenen fünf Jahren gefällt worden. Hinzu seien 30 Ahornbäume entlang der L 3011 im Bereich der Hangfläche zum Hochfeld gekommen. Sie hätten aufgrund der Rußrindenkrankheit entfernt werden müssen. Die Zahl der Ersatzpflanzungen beziffert der Magistrat auf „circa 70 Bäume“. Für mehr als die Hälfte der gefällten grünen „Stadtbewohner“ wurde also kein Artgenosse mehr nachgesetzt.

Die Stadt führt an, dass dafür die Standorte häufig nicht geeignet seien. Als Beispiel nennt sie die Rossertstraße, wo Rotdorne gefällt wurden. Ihr Pflanzring galt als zu klein. In der Webergasse wurde eine große Platane gefällt, weil eine Anwohnerin ihretwegen verstärkt unter einer Allergie zu leiden hatte. Vor dem Rathaus musste eine Reihe Platanen weichen, um eine dritte Spur auf der Elisabethenstraße einrichten zu können. In manchen Fällen sei der Bestand zu dicht gewesen und habe ausgelichtet werden müssen, heißt es in der Antwort zudem. So wurden 2015 auf dem Parkplatz hinter dem Rathaus neun Platanen gefällt. Damals hieß es, die Bäume würden sich gegenseitig beschatten, das führe zu starker Totholzbildung. Ein Verfahren, das auch im Wald Usus ist, um für die verbleibenden Bäume die Lebensbedingungen zu verbessern.

Mehr Grün pflanzen - so weit es der Standort zulässt

Es sei weiterhin geplant, „Bäume zu ersetzen, so weit es der Standort zulässt“, so der Magistrat. Neubaugebiete sollten „adäquat mit Straßenbäumen ausgestattet werden.“ Bei den grundhaften Erneuerungen von Straßen gibt es ebenfalls die Chance, mehr Grün zu pflanzen. Doch das stößt bei den Anwohnern nicht unbedingt auf Begeisterung, wie das Beispiel Mainzer Straße gezeigt hat. Hier hatte die Stadt mehrere Bäume setzen wollen, die Bürger waren aber unter anderem wegen der befürchteten Mehrarbeit beim Kehren gegen diese Maßnahme. Die grüne Ortsbeirätin Bettina Brestel will die Antwort nun erst noch einmal genau studieren. Eine direkte Antwort ihrer Fraktion blieb daher am Mittwochabend aus.

Die Linke brachte das Thema Stadtgrün mit einer weiteren Anfrage noch einmal aufs Tapet. Ihr geht es um Ersatz für die drei großen Ahorne und die Fichten, die für den Bau von Stadtbücherei, Stadtarchiv und Taunussparkasse gefällt wurden. Vier Bäume würden auf der sogenannten Piazetta zwischen den Gebäude neu gepflanzt, so der Magistrat. Der Raum über der Unterkellerung sei dafür ausreichend, da hier nur niedrige Technik- und Lagerräume geplant seien. Im Kulturgarten an der Bücherei würden zudem „weitere hochwertige Bäume“ gepflanzt, die zudem standortgerechter sein sollen als die gefällten Nadelbäume.

Kein Ersatz für Bäume auf der Piazetta

Der Stadtverordnete Bernd Hausmann sieht die Angaben der Stadt zu den Bäumen auf der Piazetta nicht durch die in der Bürgerversammlung vorgelegte und von der Stadtverordnetenversammlung gebilligte Planung für den Neubau gedeckt. Denn entgegen der Angaben des Magistrats sei die Tiefgarage sehr wohl unter einem Teil der Piazetta, die Bäume fänden sich in den neuen Plänen fürs Erdgeschoss nicht mehr, wie Hausmann anhand dieser Pläne auch verdeutlicht. Dass alles, was auf dem kleinen Platz überhaupt gepflanzt werden könne, kein Ersatz für die drei großkronigen Bäume sein können, sei ohnehin klar.

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