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Dr. Barbara Grassel erläutert Kreisblatt-Reporterin Barbara Schmidt, warum sie bei der Bürgermeisterwahl in Hofheim kandidiert.

Politik

Barbara Grassel: Sie will Alternativen aufzeigen

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Gisela Stang hat angekündigt, nicht mehr für das Bürgermeisteramt zu kandidieren. Das Interesse, ihr Nachfolger zu werden ist groß. Wir stellen die Kandidaten vor. Heute Dr. Barbara Grassel, die für „Die Linke“ ins Rennen geht.

Für die Zeitung fotografiert zu werden, macht Dr. Barbara Grassel auf eine sympathische Art nervös. Dabei ist sie schon seit Jahrzehnten in der Kommunalpolitik. Smart, wie das heute so schön heißt, ist sie dabei nicht geworden. Sie hat sich nicht rundschleifen lassen, ist auch mal gegen den Strom geschwommen und hat sich immer die Freiheit genommen, selbst zu denken; zum Beispiel als es um die Geschäfte rund um das Hotel am Rosenberg ging. „Gefährlich“ sei das, sagt sie mit einer warnenden Handbewegung und einen ganz leicht sarkastischen Lächeln.

Sie hat es am eigenen Leib erfahren, wie das ist, nicht mehr wohlgelitten zu sein, weil sie nicht schweigen wollte, wo ihr etwas nicht richtig vorkam. Die politische Heimat, die sie seit ihrer Jugend in der SPD hatte, hat sie darüber verloren. Nach 43 Jahren. Heute sagt sie: „Ich fühle mich immer noch als Sozialdemokratin, nur gibt’s davon scheint’s nicht mehr so viele.“

Nicht verloren hat sie die Lust an der Politik. „Weil es noch so viel aufzuklären gibt“, sagt Grassel. Deshalb sitzt die promovierte Juristin nach wie vor in der Stadtverordnetenversammlung, nur jetzt als Parteilose für die Fraktion der Linken. Deshalb tritt sie nun als Bürgermeister-Kandidatin dieser Partei an.

„Willy wählen“, so lautete die Bewegung im Bundestagswahljahr 1972, die auch Barbara Grassel und ihren späteren Ehemann Bernd Hausmann im badischen Rastatt begeisterte und sie zu Sozialdemokraten hat werden lassen. 16 Jahre alt war die in Karlsruhe geborene Kaufmannstochter da, die erste in der Familie, die das Abitur anstrebte. Nachdem sie es in der Tasche hatte, hätte sie gern auch Mathe und Physik auf Lehramt studiert. Doch die Berufsaussichten waren damals gerade mal wieder schlecht. „Einige frühere Klassenkameraden durften mit 40 endlich in der Schule anfangen“, macht Barbara Grassel deutlich, warum sie sich von vornherein anders entschieden hat.

Auf Jura fiel ihre Wahl und auf Frankfurt zudem als Studienort, denn dort fand auch Bernd Hausmann nach seinem Abschluss als Stadtentwicklungsplaner die gesuchte Stelle. Das Paar zog ins Ostend und heiratete 1975 in Frankfurt. Hausmann-Grassel hieß die junge Ehefrau damals fortschrittlich. Den eigenen Namen zu behalten, „das ging damals noch nicht“, erläutert die Juristin. Sie ist erst später dazu zurückgekehrt. „Das ewige ,Frau Hausmann‘ ging mir auf die Nerven.“

Die Suche nach mehr Wohnraum brachte das Paar 1983 nach Lorsbach. 1995 kam Sohn Felix zur Welt. Die eigene kleine Anwaltskanzlei für, wie sie selbst sagt, „Feld- Wald- und Wiesenangelegenheiten“, hat sie im Haus. Das zu kaufen sei damals billiger gewesen, als eine größere Wohnung in Frankfurt zu mieten, sagt Grassel.

Schon 1985 wurde sie, wie auch ihr Mann, in Lorsbach in den Ortsbeirat gewählt, 1989 erhielt sie Sitz und Stimme im Stadtparlament. Dass sie und ihr Mann heute darin vielen als Störenfriede gelten, ficht die Kommunalpolitikerin, die lange auch für die SPD im Kreistag saß, nicht an.

Als Bürgermeisterkandidatin will sie vor allem eines: „Alternativen aufzeigen und Themen setzen.“ Den Politikstil zu ändern nennt sie – möglicherweise für viele überraschend – dabei gleich an erster Stelle. „Mehr Ehrlichkeit und weniger Geheimniskrämerei und Gemauschel“ fordert die Juristin, die zudem „korrekte Antworten“ vom Magistrat „nicht erst bei der dritten Nachfrage“ will.

Die Benachteiligung der Ortsteile will Grassel zudem thematisieren. Die schönste Stadtbücherei nutze nichts, wenn man nicht hinkomme, denkt sie dabei als Lorsbacherin zuerst an den von der Stadt selbst gekippten barrierefreien Ausbau des Bahnhofs im Stadtteil.

Auch die Nahversorgung fehle. „Wir haben hier keine Bank mehr und keinen Laden – und da redet man von Ökologie . . .“, für Grassel eine der vielen Merkwürdigkeiten, in denen sie noch viel Arbeit für die Politik erkennt. Dabei setzt sie „immer noch auf das persönliche Gespräch“, weigert sich hartnäckig, ein Smartphone zu kaufen und bei Facebook, Twitter und Co dabei zu sein. „Ich hatte bis jetzt nicht das Gefühl, etwas zu verpassen“, sagt sie und glaubt auch nicht, dass diese Art Medien am Ende entscheidend sein werden für die Frage, wer Bürgermeister in Hofheim wird. Barbara Grassel wird es nicht sein, so realistisch ist sie.

Aber für sie gehört es dazu, in einer Demokratie Alternativen zu bieten. Zum Zeitpunkt ihrer Kandidatur habe es so ausgesehen, als würden lauter Männer antreten. Für sie sei da klar gewesen: „Das kann nicht sein, also machst Du’s.“

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