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Viele Hunde, viele Frauchen und Herrchen. Ein Blick in den Empfangsbereich der neuen Tierklinik.

Deutschlandweit bekannter Tierarzt

Zu Besuch in der Hofheimer Edel-Tierklinik

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Die renommierte Hofheimer Tierklinik ist jetzt deutlich größer, die Mitarbeiter müssen aber nicht mehr so weite Wege zurücklegen. Eins ihrer nächsten Ziele: ein Katzen-Zertifikat.

„Schick!“ Das ist der erste Eindruck beim Betreten der neuen Tierklinik an der Katharina-Kemmler-Straße. Menschen sitzen in bequem wirkenden Sesseln neben niedrigen, quaderförmigen Holztischen in einem „Wartezimmer“, das eher Lounge-Charakter hat. Dass sie auch mal problemlos mit ihrem Hund nach draußen gehen können, ohne drinnen etwas zu verpassen, dafür sorgt ein elektronisches Aufrufsystem. Das zugehörige Gerät erhält jeder bei der Anmeldung an dem großen Tresen, hinter dem mehrere Mitarbeiter in hellblauen Einheits-T-Shirts der Hofheimer Tierklinik die Patienten und ihre Herrchen oder Frauchen empfangen.

„Für Katzen haben wir jetzt einen separaten Wartebereich“, erläutert Dr. Katharina Kessler. Die Tierärztin, die für die Öffentlichkeitsarbeit der Klinik zuständig ist, weiß, dass das für weniger Stress vor allem für die Katzen sorgt. Zudem achten auf solche Kriterien auch diejenigen, die das Zertifikat „cat-friendly“, also katzenfreundliche Klinik, zu vergeben haben. Dieses würde die Hofheimer Einrichtung nach dem Einzug in ihr neues Domizil gerne bewerben.

Seit gut einer Woche ist das rund 130-köpfige Klinik-Team am neuen Standort dabei, mit den nun deutlich besseren Gegebenheiten vertraut zu werden. „Wir fahren aber immer noch Halblast“, sagt Kessler. In Zeiträume, für die sonst zwei Termine vergeben werden, ist derzeit nur einer gelegt. Das ist der Tatsache geschuldet, dass in der nun deutlich größeren Klinik einiges anders ist und neue Routinen erst noch erworben werden müssen. Gab es Im Langgewann nur 1400 Quadratmeter für ein veterinärmedizinisches Spitzenangebot und musste dort ständig mit beengten Verhältnissen gekämpft werden, konnte die nun 3700 Quadratmeter große Klinik schon in der Planung so konzipiert werden, dass ein deutlich effizienteres Arbeiten möglich ist.

„Obwohl wir insgesamt mehr Platz haben, müssen wir deutlich weniger laufen als vorher“, sagt Dr. Martin Kessler, der zu den Gründern der Tierklinik gehört. Er selbst ist gerade auf dem Weg ins Labor, das besonders zentral liegt, weil es besonders häufig Anlaufstelle ist. In die Tierklinik kommen schließlich, wie in ein Krankenhaus, Patienten, bei denen der Tierarzt den Gang zum Spezialisten empfiehlt. Eine Krebserkrankung, ein neues Hüftgelenk, eine Zahn-OP oder auch eine Viruserkrankung, die eine Quarantäne erfordert – all das sind Gründe, warum Menschen aus ganz Deutschland (und darüber hinaus) in der Hofheimer Klinik vorstellig werden.

Entsprechend ist deren Ausrüstung, die nun in allem noch ein ganzes Stück besser geworden ist. Komfortablere, weil größere, Käfige für intensivmedizinisch behandelte Tiere kann Katharina Kessler genauso zeigen, wie den nun mit einer roten Linie sehr anschaulich vom Vorbereitungsraum abgetrennten OP-Bereich, wo an acht Tischen gleichzeitig unter absolut sterilen Bedingungen gearbeitet werden kann.

Die Medizin-Technik ist nun auf dem neuesten Stand. Ein Hochfeld-MRT-Gerät sorgt zum Beispiel für noch detailliertere Bilder höchster Qualität und ermöglicht, mehr Patienten pro Tag so zu untersuchen. Mit dem Linearbeschleuniger, mit dem gezielt Tumore bestrahlt werden, sei man sogar Vorreiter in Deutschland, erklärt Tierärztin Kessler. Vergleichbar moderne Geräte gebe es nur zwei in den USA.

Auf die neuen Arbeitsbedingungen haben sich alle anderen Mitarbeiter schon in den Monaten vor dem Umzug intensiv vorbereitet. „Change-Management nennt man das“, sagt Dr. Hans-Ulrich Kosfeld, der ebenfalls zu den drei Gründern der Einrichtung gehört. Stellvertretend für die mittlerweile acht Mitglieder der Klinikleitung hat er, zusätzlich zur normalen Arbeit, die Aufgabe der Baubetreuung übernommen. Gerade in den Monaten vor dem Einzug sei das schon „sehr anstrengend“ gewesen, räumt Kosfeld ein. Das Ergebnis mache ihn aber hochzufrieden.

Noch ist nicht alles fertig, Handwerker begegnen einem immer wieder in allen Bereichen und an mancher Tür hängen Zettel, auf denen notiert ist, was im betreffenden Raum noch vermisst wird. Kosfeld hält dennoch fest: „Das große Ganze funktioniert. Und das nach nur 15 Monaten Bauzeit. „In dieser Kürze war das schon sportlich“, sagt der Tierarzt, dessen Frau Barbara Meyer-Kosfeld ihre Erfahrung als Innenarchitektin eingebracht hat.

Die Klinik trage schon deutlich ihre Handschrift, meint Katharina Kessler. Meyer-Kosfeld, die sonst vor allem Hotel-Einrichtungen plane, wisse dadurch sehr genau, wie man Aufenthaltsqualität erzeuge. Die gibt es jetzt auch für die Mitarbeiter, die nicht nur eine größere Küche und einen schönen Sozialraum, sondern auch eine Dachterrasse für erholsame Pausen nutzen können. Auch für die Wäscherei und die Umkleiden ist jetzt einfach mehr Raum da. Eigene Arbeitsplätze für Assistenz- und Oberärzte und auch für die Klinikleitung finden sich ebenfalls im Obergeschoss, wo auch die Technik viele Quadratmeter braucht. Denn die Klinik hat ein aufwendiges Klima- und Lüftungssystem erhalten.

Weil die Tierklinik Praktikanten von Universitätskliniken in ganz Deutschland ausbildet, gibt es sogar einen kleinen Wohnbereich für diese. „Das ist schon besonders“, meint Katharina Kessler. Was die Bauherren in den Neubau investiert haben, dazu gibt es keine Angaben. Ein millionenschweres Projekt ist es aber in jedem Fall – und für Hofheim ganz klar eine Vorzeige-Einrichtung.

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