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Marian Stein-Steinfeld mit der Biografie, die sie über ihre Großmutter Hanna Bekker vom Rath geschrieben hat.

Biografie

Marian Stein-Steinfeld hat ein Buch über das Leben ihrer Großmutter Hanna Bekker vom Rath geschrieben

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Über die Sammlerin und Kunstmäzenin Hanna Bekker vom Rath, die im Blauen Haus berühmte und von den Nazis verfemte Künstler beherbergte, gibt es ein neues Werk, das zum Teil ein Bilderbuch sein musste, wie die Autorin findet.

Das Stadtmuseum ist freundlicher Gastgeber für ein Gespräch mit Marian Stein-Steinfeld. Ein Ort, dem sie sich sehr verbunden fühle, sagt sie. Eine Heimat in Hofheim hat sie nicht mehr. „Bis zum Verkauf habe ich mit meinen Kindern noch im Blauen Haus gewohnt“, sagt die Enkelin der 1983 verstorbenen Hanna Bekker vom Rath. Heute ist sie Frankfurterin. Im September ist ihre Biografie über die außergewöhnliche Frau erschienen, die für Marian Stein-Steinfeld vor allem und zuerst ihre Großmutter war.

Ein wunderbares Buch ist es geworden. „Ein Zwei-Jahres-Projekt“, habe sie gedacht, als sie 2010 anfing, verrät sie mit einem Lächeln. Viel mehr Stoff als zunächst gedacht, war zu bewältigen. „Je mehr man findet, desto mehr muss man dann auch in die Tiefe gehen“, sagt Stein-Steinfeld. Entsprechend umfangreich ist die Biografie geworden. Sauber trennt die 64-Jährige darin, was sie aus eigenem Erleben noch erzählen kann, von dem, was ihre jahrelangen Recherchen ergaben. Das Kapitel „Aus persönlichem Blickwinkel“ ist der eigentlichen Biografie vorangestellt – und es führt doch gleich mitten hinein in dieses besondere Leben im Blauen Haus, das Marian Stein-Steinfeld als Kind gar nicht so besonders erschien. Sie habe ja nichts anderes gekannt, sagt sie. Ein Kunstgeschichtsstudium, wie sie es später wählte, vermittle eine andere Art von Zugang, als sie dank ihrer Großmutter von kleinauf erfahren hat. „Für mich ist Kunst lebendig“, erläutert Marian Stein-Steinfeld, denn sie sei ihr ja „ganz anders begegnet, als es die meisten Menschen tun.“ Sie habe die Künstler, die im Blauen Haus oft für längere Zeit zu Gast waren, direkt erlebt, „und zwar als ganz normale Menschen.“

Bis heute sei ihr wichtig, ein Kunstwerk nicht isoliert zu betrachten, sondern auch etwas über den Künstler zu wissen. Zehn Jahre hat Stein-Steinfeld im Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath gearbeitet, seitdem ist sie freischaffend tätig. Wo immer Hanna Bekker, ihre Sammlung, ihre Arbeit als Künstlerin, Mäzenin und Galeristin und die Künstlerkolonie am Kapellenberg aufleuchten – Marian Stein-Steinfeld ist gefragt. Auch für das Hofheimer Stadtmuseum war sie von Anfang an wertvollste Ansprechpartnerin, was diesen Themenschwerpunkt angeht. Schon die Ausstellung zur Eröffnung des Museums und gleichzeitig zum 100. Geburtstag Hanna Bekkers hat sie kuratiert.

Ein Film, der über das Blaue Haus gedreht wurde, läuft gerade wieder anlässlich der aktuellen Jubiläums-Ausstellung im Museum. Den Ton hat eine Mitarbeiterin leiser gedreht, im Gespräch fällt der Blick aber ab und an unwillkürlich auf die Bilder. „Schauen Sie, da bin ich in jungen Jahren“, zeigt Marian Stein-Steinfeld. Die Räume voller hochkarätiger Kunst, die da festgehalten sind, gibt es so nicht mehr.

„Wir haben vieles versucht“, sagt sie. Aber das Haus selbst sei in keinem guten Zustand, die Sammlung dem Testament ihrer Großmutter entsprechend zu einem Teil verkauft gewesen. „Man kann nun einmal nicht alles erhalten“, sagt die Enkelin nüchtern. Irgendwann habe die Familie entscheiden müssen. Das Blaue Haus, wie es zu Hanna Bekkers Lebzeiten war, „ist in mir drin“, sagt Stein-Steinfeld. „Da kann’s mir niemand wegnehmen.“

Von ihren leiblichen Eltern, Hanna Bekkers ältester Tochter Barbara und ihrem Mann Jury Stein, war sie nach ihrer Geburt aus den USA nach Deutschland gegeben worden zu Hanna Bekkers jüngster Tochter Maximiliane Kraft und ihrem Mann Kurt, die sie als „Wahltochter“ aufzogen. So war sie als einzige Enkelin im Blauen Haus aufgewachsen. Unter den Kunstwerken, die ihr hier begegneten, erwähnt sie in der Biografie gleich mehrfach eine der drei Skulpturen, die, auf schwarzen Sockeln stehend, das Rote Zimmer, den Salon, beherrschten. Wuzhiqi, der chinesische Flussgeist, in dem Hanna Bekker eine Art Hausgeist sah, hatte es schon dem Kind besonders angetan. „Wann immer er irgendwo ausgestellt ist, besuche ich ihn“, sagt Stein-Steinfeld und erzählt schmunzelnd, dass sie dabei sogar schon mal Museumspersonal aufgefallen sei, weil sich dieses nicht erklären konnte, wieso sie angesichts so viel anderer ausgezeichneter Kunst ausgerechnet auf diese Figur zugestürzt sei.

Erst als sie älter wurde, hat Marian Stein-Steinfeld allmählich begriffen, dass ihre Großmutter „für Außenstehende eine besondere Persönlichkeit sein musste“, ist in ihrem Buch nachzulesen. Bewusst hat sie in die Biografie viele Zitate Hanna Bekkers einfließen lassen. „Ich wollte, dass sie so ein bisschen greifbar wird.“ Nicht zuletzt ihre ironische Ader komme da zum tragen. „Es musste zum Teil auch ein Bilder-Buch sein“, war Hanna Bekkers Enkelin zudem klar. „Über sie zu sprechen ohne Bilder – das wäre nicht gegangen.“

An Reaktionen merke sie, dass einige Museen bereits mit der Biografie arbeiteten, freut das die Autorin besonders. Und sie hofft, dass diese Anstoß sein kann zu weiteren Forschungen über das Leben und Wirken Hanna Bekkers. „Das ist ja das Entscheidende – dass es weiter geht.“

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