Ausschüsse segnen Umplanung ab

Breite Mehrheit für Bücherei-Bau

  • schließen

Der Neubaukomplex für Stadtbücherei, Stadtarchiv und Taunus-Sparkasse am Kellereiplatz ist durch. Drei Fachausschüsse stimmten in einer Sondersitzung zu. Die Entscheidung des Stadtverordnetenversammlung in der kommenden Woche gilt daher nur noch als Formsache.

„So nah wie heute waren wir noch nie dran an einer neuen Bücherei.“ Was der Grüne Daniel Philipp am Mittwochabend aussprach, werden sicher auch die Mitarbeiter der Stadtbücherei, die schon so lange auf bessere Verhältnisse hoffen, so sehen. Erst recht nach dem klaren Votum, das alle drei Ausschüsse der Stadtverordnetenversammlung am Ende der knapp zweistündigen Sondersitzung für die überarbeitete Planung abgaben. Nur die Linke ist nach wie vor gegen das Projekt. Allerdings nicht der Bücherei und des Stadtarchivs wegen, das, wie berichtet, nun doch in dem Neubau Platz finden soll. Linken-Sprecher Bernd Hausmann nannte vielmehr drei Gründe für die unveränderte Ablehnung, von denen der dritte neu sei. Das Grundstück am nördlichen Kellereiplatz-Rand sei „viel zu sehr zugeklotzt“, die Architektur passe sich nicht der Altstadt, sondern dem Chinon-Center an, und die Finanzierung arbeite mit „Taschenspielertricks“ zulasten der Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft (HWB). Die 100-prozentige Tochter der Stadt ist Bauherrin des Projekts. Hausmann kritisiert die Senkung des Erbpachtzinses seitens der Stadt, die zwar zu einer geringeren Miete für Bücherei und Archiv führe, die HWB aber belaste, weil ihr Eigenkapitalanteil steige. HWB-Geschäftsführer Josef Mayr bezifferte ihn auf 2,4 Millionen Euro. Dieses Geld fehle möglicherweise demnächst für den so dringend benötigten Bau von Sozialwohnungen in Hofheim, so Hausmann.

Emotionen kochen hoch

Äußerungen, die einmal mehr die Emotionen hoch gehen ließen. Und das diesmal nicht nur bei den Stadtverordneten und den Magistratsvertretern. Bürgermeisterin und HWB-Aufsichtsratschefin Gisela Stang (SPD) nannte Hausmanns Argumentation „unredlich“, er spiele hier Sozialmieter gegen die Nutzer einer Bücherei aus, eine Bildungseinrichtung, die Teilhabe für alle ermögliche. Die nun zur Abstimmung stehende Planung sei „Ergebnis eines intensiv geführten Beteiligungsprozesses“, an diese Stelle der Innenstadt könne man nicht „Parkanlagen bauen, die hier gar nicht hinpassen“, wies sie zudem die Kritik am fehlenden Grün zurück.

Christdemokrat Michael Henninger erregte vor allem Hausmanns Kritik an der computeranimierten Darstellung des kleinen Platzes zwischen den geplanten drei Gebäuden. Den Platz so sonnig erscheinen zu lassen, passe zu den „Finanzierungstricks“, hatte Hausmann erklärt. „Das ist ja schäbig“, so Henningers Zwischenruf. Architekt Joachim Gottstein ging Hausmanns Kritik nicht nur in diesem Punkt an die Berufsehre. Alles, was man geplant habe, habe Gründe und sei nicht eindimensional gedacht, wies er die Äußerungen des Linken als „Mist“ zurück. Wer sich derart äußere, zeige nur, dass er keine Ahnung von Architektur habe. Christian Vogt (CDU) sah dann für die Sitzungsleitung den Punkt gekommen, wo es gelte „verbal abzurüsten.“

Miete wird festgeschrieben

Neu erfuhren die nur wenigen interessierten Zuhörer, dass das Gebäude für die Taunus-Sparkasse so flexibel gebaut werden soll, dass für den Fall, dass die Bank den Mietvertrag irgendwann nicht mehr verlängert, auch eine andere Nutzung möglich ist. Neu war zudem die Information durch HWB-Geschäftsführer Mayr, dass die Bank ihr Gebäude doch nicht komplett benötige. Im Zweiten Obergeschoss sollen 177 Quadratmeter zur Pfarrgasse hin anderweitig vermietet werden.

Auf die Anforderungen der Barrierefreiheit wies Irene Alberti vom Behindertenbeirat hin, der mit dem Architekten darüber das Gespräch suchen wolle. Aus dem ebenfalls zur Sondersitzung geladenen Ortsbeirat Kernstadt kam die Aufforderung von Bettina Brestel (Grüne), die Verkehrssituation in der Pfarrgasse noch einmal zu bedenken und auch eine Lösung für das Bewohnerparken zu suchen, denn viele Altstadtbürger nutzten derzeit abends und am Wochenende den künftigen Baugrund, der ja noch Parkplatz ist, zu diesem Zweck.

Alle drei Ausschüsse – Haupt- und Finanz, sowie Bau- und Sozialausschuss – stimmten der neuen Planung zu. Dabei gab es eine wichtige Ergänzung. Auf Anregung des Grünen Daniel Philipp wurde beschlossen, der Mietzins, den die stadteigene HWB für Bücherei und Archiv erhebe, solle für zehn Jahre bei 10,70 Euro festgeschrieben werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare