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Christian Boecker (links) fachsimpelte auch mit dem Ersten Vorsitzenden Heinz-Peter Wilke über seine Briefmarkensammlung.

Fachsimpeln über Marken

Briefmarken- und Münzsammler trafen sich beim Großtauschtag in Hofheim

Der Philatelisten-Verein Hofheim feierte ein Jubiläum. Zum 100. Mal veranstaltete man den Großtauschtag in der Hofheimer Stadthalle. Briefmarken- und Münzsammler griffen zur Lupe, fachsimpelten und feilschten.

Auch wenn die Gemeinde der Liebhaber von Briefmarken und Münzen altersmäßig eher gesetzt ist, Erfahrung macht gerade im Hobby der Philatelisten und Numismatiker, wie man Briefmarken- und Münzsammler im Fachjargon nennt, viel aus. „Über die Jahre spezialisiert man sich in eine bestimmte Richtung und kennt sich immer besser aus“, sagt Steffen Köhler, der zweite Vorsitzende des Hofheimer Vereins. Gespräche mit anderen Sammlern, ausgiebige Recherchen und das Lesen von Fachliteratur brachten beispielsweise Steffen Köhler profunde Kenntnisse.

Heinz-Peter Wilke ist seit ungefähr sechs Jahren Erster Vorsitzender der Philatelisten Hofheims und fachsimpelt gerne mit anderen über Marken und Münzen. Als Kind entdeckte er sein Interesse an Briefmarken. „Dann habe ich eine Pause gemacht und vor ungefähr acht Jahren wieder angefangen“, sagt er. Die Sammlung aus Kinderzeiten besitzt er heute noch. „Ich freue mich, auf Tauschtagen immer wieder Neues zu entdecken.“ Auch wenn er und Kollege Köhler hauptsächlich die Organisation der im Mai und Oktober stattfindenden Tauschtage übernehmen, haben sie dennoch immer „ein paar Marken im Gepäck.“

„Jeder Sammler hat irgendwann Doubletten, die er gerne loswird“, sagt Heinz-Peter Wilke. Doubletten, sind Marken, die man mehrmals im Bestand hat. Auf der Jagd nach Doubletten mit besonderen Motiven in der Stadthalle ist Christian Boecker. Er macht auch bei Heinz-Peter Wilke und Steffen Köhler halt und durchforstet Kästen, Kartons und Alben der beiden. „Ich sammle bevorzugt Bus- oder Eisenbahnmotive, aber auch Marken der Bundesrepublik oder aus Russland“, so Boecker. Einige Raritäten legt er zur Seite und gibt sich im Hinblick auf die Preisverhandlung zuversichtlich.

„Große Reichtümer kann man hier nicht erwarten. Der Preis für Marken sinkt seit Jahren“, erläutert ein Passant. Das Hobby sei unter jungen Menschen nicht im Trend. Alte Sammler gäbe es immer weniger. „Schauen sie sich um, viele sind ja schon bald 90.“ Seine Theorie: „Wenige Sammler und viele Marken verderben den Preis.“ Junge Menschen wollten die Erbbestände der Väter und Großväter einfach nur schnell loswerden, was sich ebenso negativ auf die Wertentwicklung auswirke. Wie viel man für welche Marken bekommt und ob gestempelte weniger wert sind als ungestempelte Marken, kann man bei Wilke und Köhler erfahren. „Wertsteigerungen können auf Tauschtagen nicht erwartet werden, aber wir geben gerne Gutachten und Beurteilungen ab“, sagen sie.

Rund 13 professionelle Anbieter kommen zu den zweimal im Jahr stattfindenden Hofheimer Tauschtagen. Hinzu kommen bis zu 400 Privatpersonen, die ihre Schätze an Tischen ausbreiten und in der Stadthalle auf regen Handel hoffen.

Ein Sammler aus Bad Soden bietet Marken und Münzen zum Tausch oder Kauf an. „Ich bevorzuge Silber- und Goldmünzen, denn die sind wertbeständig“, sagt er. Diese Einstellung teilen auch andere Numismatiker, die sich an seinem Stand umsehen. „Habe ich eine Fünf-Euro-Münze, ist das ein offizielles Zahlungsmittel, das auch an der Supermarktkasse seinen Wert hat“, so sein Argument.

Ein Hofheimer Sammler, der regelmäßig die Tauschtage besucht, freut sich, dass es die Philatelisten immer wieder schaffen, solche Treffen zu organisieren. „Auch wenn ich noch nicht viel tauschen konnte, freue ich mich immer mit anderen über die gemeinsame Leidenschaft zu reden.“ Fachsimpeln unter Kollegen sehe er als wichtigen Bestandteil zur

Pflege der Leidenschaft

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