Bürgerinitiative

Die Bürger wehren sich gegen Marxheim II

In Marxheim bildet sich wegen des geplanten Baugebietes eine neue Bürgerinitiative. Anlieger fürchten den Verkehr und beklagen den Flächenverbrauch.

So ganz in allen Einzelheiten ist sich die neue Bürgerinitiative (BI) über ihre Ziele noch nicht klar geworden. Eine faire, offene Diskussion mit der Stadt sei nötig, sagen die einen. Auf jeden Fall dürfe das Baugebiet nicht so groß ausfallen wie geplant, betonen andere. Noch andere sehen eher die Dichte des geplanten Stadtviertels als Problem an. Das eine oder andere Argument läuft aber auch darauf hinaus, am besten gar nichts mehr zu bauen.

Eine solche Klärungsphase ist, wenn man als Bürgerinitiative am Beginn der Arbeit steht, ganz normal. Zumal auch die Überlegungen im Rathaus in einem sehr frühen Stadium sind, es steht nach offizieller Aussage überhaupt noch nicht fest, was wo wann gebaut wird, wer investiert, in welcher Form die Grundeigentümer eingebunden werden. Wobei zum Beispiel Gabriele Wilhelm, die in der Bürgerinitiative mitmacht, fest daran glaubt, dass die Planungen in der Stadtverwaltung schon viel weiter gediehen sind, als öffentlich gesagt wird.

Und überhaupt traut man der Stadt in der ganzen Angelegenheit nicht recht über den Weg. Die Anfang August durchgeführte Informationsveranstaltung sei nicht neutral gelaufen, sondern gesteuert gewesen, schimpft Beate Brüggemeier, die in der Eddersheimer Straße wohnt. Die Kritiker seien dabei gar nicht richtig zu Wort gekommen. Auf viele Fragen habe es keine Antworten gegeben.

Freilich kann derzeit noch längst nicht alles beantwortet werden. Fest steht, dass jetzt ein Rahmenplan für das gesamte Gebiet erarbeitet wird, das sich vom Ortseingang bis zur Kleingartenanlage zieht. Der Plan legt fest, wo Häuser, wo Straßen, wo Grünanlagen, wo öffentliche Einrichtungen entstehen. Alle Einzelheiten werden dann in Bebauungsplänen für einzelne Abschnitte festgelegt. Diese sollen nach und nach realisiert werden – insgesamt sollen auf 28 Hektar Wohnungen für 3000 Menschen entstehen.

Eine der Hauptsorgen der Bürgerinitiative ist die zusätzliche Verkehrsbelastung. Die Kritiker glauben nicht, dass ein nennenswerter Teil des Verkehrs mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln abgewickelt werden kann. Schon jetzt sei das gesamte Verkehrssystem überlastet, sagt Gabriele Neumann und weist auf die Staus auf der Autobahn A 66 hin. Aber auch in Hofheim sei es schwierig, so lange es keine zweite Straßenverbindung über die Bahn gebe. Ein von der Stadt beauftragtes Gutachten hat zwar ergeben, dass die Probleme in den Griff zu bekommen wäre – vor allem durch den Umbau der Einmündung der Ahornstraße auf die Rheingaustraße, wo auch eine neue Erschließungsstraße ankommen soll, und den Bau einer Ampel an der Einmündung der Frankfurter Straße auf die Landesstraße 3011 unterhalb des Kreishauses. Aber die Bürgerinitiative glaubt nicht, dass diese Maßnahmen ausreichen werden.

Den BI-Aktivisten geht es aber auch um den Erhalt des Gebietes in seiner jetzigen Form. „Einmal zerstörte Böden sind für immer weg“, so etwa Andrea Ohlenschläger. Die Bürgerinitiative weist auf die besondere Qualität der Marxheimer Böden hin und sorgt sich sogar um die Existenz der Krifteler Obstbauern. Eberhard Wilhelm jedenfalls glaubt, dass die 3000 neuen Bewohner in den benachbarten Feldern so viel Obst stehlen, dass sich das Geschäft für die Landwirte nicht mehr lohnt.

Natürlich hat sich herumgesprochen, dass Wohnungen knapp und die Mieten hoch sind. Aber die Bürgerinitiative hat Zweifel, ob wirklich bezahlbare Wohnungen entstehen können. Wenn, dann müsse ordentlich in die Höhe gebaut werden – das aber passe ganz sicher nicht an diese Stelle.

Wie geht es nun weiter? Auch dazu laufen die Überlegungen erst an. Flyer verteilen, eine Versammlung im Bürgerhaus, eine Internetseite ans Netz gehen lassen, den Ortsbeirat einschalten, Banner auf dem Feld aufstellen – eine ganze Reihe von Ideen stehen auf einem großen Zettel. Aber ob das reicht? Die BI wird sich anstrengen müssen, wenn sie etwas erreichen will. In den politischen Gremien ist bislang nämlich kein großer Widerspruch zu diesen Plänen laut geworden.

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