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Bernhard Köppler, Kajo Schmidt und Christian Vogt (von links) auf der Bühne des Showspielhauses.

Bürgerforum

Die Bürgermeisterkandidaten Vogt (CDU) und Köppler (SPD) kritisieren Rosenberg-Deal und wollen mehr Transparenz

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Beide Bürgermeisterkandidaten wollen nach einem Wahlsieg im Rathaus einiges anders machen und für eine neue Offenheit sorgen.

Viel Rücksicht auf die zu ihren Parteien gehörenden hauptamtlichen Kräfte im Hofheimer Rathaus haben die beiden Bürgermeisterkandidaten Christian Vogt (CDU) und Bernhard Köppler (SPD) beim Bürgerforum des Kreisblatts am Dienstagabend nicht genommen. „Keine Meisterleistung“ sei der Verkauf des Hotelgrundstücks am Rosenberg an den langjährigen Betreiber gewesen, erklärte Köppler. Und für Vogt ist klar, „dass so etwas nie wieder passieren“ dürfe. Das war eine Kehrtwende in der öffentlichen Beurteilung des umstrittenen Rosenberg-Deals durch die zwei führenden Vertreter von CDU und SPD. Auch für mehr Transparenz treten Vogt und Köppler ein.

Tatsächlich hatte auch ein Akteneinsichtsausschuss nicht klären können, warum die Stadt das Rosenberg-Grundstück zum Schnäppchenpreis hergegeben und später auf eine fällige Nachzahlung in Höhe von einer Million Euro verzichtet hatte. Magistrat und Parlamentsmehrheit hatten aber bisher immer erklärt, an der Sache gebe es nichts zu beanstanden.

Rund 200 Besucher waren zwölf Tage vor der alles entscheidenden Stichwahl am 7. April zum Bürgerforum ins Showspielhaus gekommen. HK-Redaktionsleiter Kajo Schmidt moderierte, die beiden Showspielhaus-Geschäftsführer Hans-Jürgen Mock und Bernhard Westenberger sorgten für den unterhaltsamen Teil.

Ein Thema waren die Stadtteile und die Ortsbeiräte, die sich, so Schmidt, in den vergangenen Jahren vernachlässigt und nicht ernst genommen gefühlt haben. Auch in diesem Punkt übten Vogt und Köppler indirekte Kritik an der Linie der Rathausführung. Es sei in den Stadtteilen zwar investiert worden, aber es gebe ein verständliches Gefühl, nicht auf Augenhöhe zu sein, sagte Köppler. „Das werde ich verändern“, versprach der SPD-Mann. Auch Vogt will, dass sich stets der Bürgermeister oder einer der hauptamtlichen Stadträte in den Ortsbeiräten blicken lässt. Dies war geändert worden, nachdem die zweite hauptamtliche Stadtratsstelle nicht wieder besetzt wurde. „Das Gefühl der Wertschätzung für die Stadtteile muss wieder besser werden“, sagte Vogt, der den Ortsbeiräten auch wieder ein eigenes Budget verschaffen möchte.

Baugebiet Marxheim II: Bürgerinitiative könnte einbezogen werden

In einem Punkt könnten die beiden Spitzenvertreter der Rathauskoalition womöglich schnell etwas erreichen, unabhängig von der Bürgermeisterwahl. Gar nicht gut ist in Hofheim nämlich angekommen, dass es jetzt Expertenrunden zum Baugebiet Marxheim II unter Ausschluss der Öffentlichkeit geben soll. Aus ihrer Sicht könnte beispielsweise die Bürgerinitiative einbezogen werden, erklärten beide Kandidaten übereinstimmend, was wiederum nicht auf dem Kurs des Magistrats liegt, an dessen Spitze Bürgermeisterin Gisela Stang (SPD) und Erster Stadtrat Wolfgang Exner (CDU) Verantwortung tragen.

Eine bessere Vermarktung der Stadt, Wirtschaftsförderung als Chefsache, weniger Bürokratie für Vereine, noch mehr Serviceorientierung der Mitarbeiter (Vogt), mehr Aufmerksamkeit darauf, dass jeder nach seinen Fähigkeiten eingesetzt wird (Köppler) – beide Kandidaten wollen allerlei ändern im Rathaus mit seinen 380 Mitarbeitern. Vieles ist bei beiden ähnlich – einen klaren Schlussstrich unter die Pläne für die umstrittene B 519 neu etwa möchten Vogt und Köppler noch nicht ziehen. Aber es gibt auch Unterschiede. Zum Beispiel in weiteren Fragen der Verkehrspolitik. Vogt möchte ein umfassendes Mobilitätkonzept und dieses auch umsetzen. Mehr Parkplätze und eine autofreie Zone sollen dazu gehören. Köppler möchte auch weniger Verkehr in der Altstadt, ansonsten aber eher auf Sicht fahren, also nacheinander verschiedene Maßnahmen ausprobieren und dann je nach den gemachten Erfahrungen nachsteuern.

Noch deutlicher ist der Unterschied in der Frage der Abschaffung der Anliegerbeiträge im Straßenbau. Vogt favorisiert wiederkehrende Straßenbeiträge, also kleinere, regelmäßige Zahlungen durch alle Hauseigentümer, mit denen die Stadt Rücklagen für den Straßenbau schaffen kann. Köppler fordert, dass das Land diese Kosten übernimmt, um die Kommunen zu entlasten. nterschiedlich sind auch die Vorstellungen darüber, was am Südrand des Kellereiplatzes passiert, wenn die Stadtbücherei umgezogen ist. Klar ist nur, dass die Fläche neu bebaut werden soll. Vogt möchte versuchen, dort ein Hotel anzusiedeln: „Wir sind Kreisstadt mit 40 000 Einwohnern und haben kein Hotel in der Innenstadt, wo gibt es denn so was?“ Köppler kann sich dort trotz der Nähe zum Festplatz eher Seniorenwohnungen oder gemeinschaftliches Wohnen vorstellen.

Jenseits der Elisabethenstraße befindet sich der Chinonplatz, dessen Zustand vielen Bürgern ein Dorn im Auge ist. Zu viel Müll liege dort, und das Publikum im Durchgang zum Rathausparkplatz gefällt auch nicht allen. „Es kann nicht sein, dass vor dem Rathaus einer Kreisstadt Müllberge entstehen“, schimpft Vogt. Er möchte prüfen, auf dem Gelände eine Security-Firma einzusetzen. Köppler sieht im Chinonplatz mit Blick auf das Publikum eine Aufgabe für die aufsuchende Jugendarbeit. Was den Müll angeht, so wollen beide die Betreiber der Fastfood-Lokale ansprechen. Köppler würde gerne dafür sorgen, dass für Wegwerfen von Abfall Bußgelder verhängt werden. Auf die Frage von Kajo Schmidt, ob es nicht mal sinnvoll wäre, „in den Sommermonaten nach Leuten zu fahnden, die die Stadt vermüllen, statt Temposünder zu blitzen“, antworteten bei Kandidaten kurz und knapp mit: „Ja.“

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