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Was soll im Wahlkampf-Flyer stehen? Mitglieder der Partei Die Linke diskutierten in der Nassauer Schweiz in Lorsbach mit ihrer parteilosen Kandidatin Dr. Barbara Grassel (Mitte).

Barbara Grassel

Bürgermeisterkandidatin der Linken hat kein Geld für einen aufwendigen Wahlkampf

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Ein Flyer, ein Plakat, ein Standort für einen Info-Stand – der Kandidatin der Linken, Barbara Grassel, fehlen Geld und Personal für einen aufwendigen Wahlkampf.

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Dr. Barbara Grassel war die Dritte, die im vergangenen Jahr ihren Hut in den Ring warf, als klar war, dass der Chefsessel im Hofheimer Rathaus frei wird. Das politische Geschäft in der Kreisstadt kennt sie so gut wie kein anderer der insgesamt sechs Kandidaten, denn bereits seit 1989, also fast 30 Jahre, ist sie Stadtverordnete. Die parteilose Lorsbacherin, eigentlich ein SPD-Urgestein, tritt für die Linke an, deren Fraktion sie im Stadtparlament mittlerweile auch angehört. Mit der Partei, deren bekanntestes Gesicht in Hofheim eigentlich Grassels Ehemann Bernd Hausmann ist, hat sie erst vor wenigen Tagen beraten, wie ihr Wahlkampf aussehen soll. „Vorrangig haben wir an dem Punkt gebastelt, was in den Flyer soll“, verrät Grassel. Das will deshalb gut bedacht sein, weil das Budget für den Wettstreit ums Bürgermeisteramt bei der Linken sehr schmal ist. Ein Flyer, ein Plakat – dass müsse reichen, sagt die 62-Jährige. Zwei Info-Stände im März sind noch geplant – nach der Fastnacht.

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Sehen lassen hat sich auch Barbara Grassel bereits in den vergangenen Monaten noch ein wenig mehr als sonst ohnehin von ihr gewohnt. So war sie bei vielen Ortsbeiratssitzungen dabei. „Nur nach Wallau und Marxheim habe ich es bisher nicht geschafft, die tagen meist parallel zum HFBA“, dem Haupt- Finanz- und Beteiligungsausschuss des Stadtparlaments, an dem teilzunehmen der Stadtverordneten dann doch bislang immer wichtiger war.

Rundgänge durch die Stadtteile, wie sie einige Kontrahenten schon absolviert haben, hat Grassel nicht vor. Das mache werktags nach 16 Uhr im Winter einfach keinen Sinn, findet die Pragmatikerin. Auch die Info-Stände sollen nur am Untertor in der Kernstadt aufgebaut werden. „Für alles andere fehlen uns die Leut’“, verweist die Kandidatin auf die dünne Personaldecke der Partei, für die sie antritt.

Drängende Themen

Ob es noch eine Wahlveranstaltung der Linken gibt, sei noch offen, sagt Grassel. Termine, zu denen sie eingeladen wird, wird sie nach Möglichkeit zusagen. Der Marxheimer Carneval Verein hat sie schon in seiner Sitzung gebeten, „zum Krebbelkaffee der KG 1900 müssten wir eigentlich auch gehen, schließlich haben wir denen den Zuschuss gerettet“, merkt die Lorsbacherin noch an.

Eine Materialschlacht wird Barbara Grassels Wahlkampf also auf keinen Fall. Sie will vor allem „weiter das machen, was ich die ganze Zeit mache: Kommunalpolitik.“ Über die drängenden Themen sei sie auch so ständig mit Bürgern im Gespräch. „Früher ging das in Lorsbach beim Einkaufen, aber jetzt haben wir ja hier keinen Laden mehr“, weist sie gleich hin auf ein Thema, das sie nach vorn bringen möchte: Die Nahversorgung. Alles was mit Bauland und mit der städtischen Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft zu tun habe, finde sie zudem wichtig. „Und auch der Busbahnhof bleibt ein Thema, wie überhaupt der ÖPNV.“ Dem Wildsächser nutze der Ausbau von Radwegen wenig, er werde kaum mit dem Rad nach Hofheim zum Einkaufen oder zum Arzt fahren, sieht die Juristin hier auch enge Verknüpfungen zwischen den Themen Mobilität und Nahversorgung.

Grassel will mögliche Wähler mit Argumenten überzeugen. „Populismus ist mein Ding nit“. Ihre Standpunkte will sie aber nicht im Netz verbreiten. „Ich twittere nicht, gehe nicht auf Instagram und werde kein Facebook-Mitglied wegen des Wahlkampfs – beileibe nicht!“, sagt Grassel und ist auch eher skeptisch, was diese Art Wahlwerbung angeht. „Ich weiß nicht, wer es liest“. Dieses Terrain überlässt sie jedenfalls gern den anderen Kandidaten, möglicherweise werde die Linke aber auf ihrer Internetseite die Kandidatin vorstellen, das überlasse sie dem Co-Vorsitzenden, der von diesen Dingen mehr Ahnung habe. Doch auch wenn Grassel die eigenen Chancen, auch nur die Stichwahl zu erreichen, realistisch sieht – für verschwendet hält sie den Wahlkampf-Einsatz in den nächsten Wochen nicht. „Mein Ziel und das der Linken ist, unsere Themen ins Gespräch zu bringen, zu diskutieren, auf uns aufmerksam zu machen – schon mit Blick auf die Kommunalwahl.“

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