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Bürgermeisterwahl in Hofheim 2019

Alles auf einen Blick

Bürgermeisterwahl in Hofheim 2019: Termine, Kandidaten und ihre Programme

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  • Friedrich Reinhardt
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Bei der Hofheimer Bürgermeisterwahl 2019 bewerben sich sieben Kandidatinnen und Kandidaten um den Chefsessel im Rathaus und damit um die Nachfolge von Amtsinhaberin Gisela Stang (SPD). Bis zum Wahltag am 24. März sind es nur noch ein paar Tage. Alles über Kandidatinnen und Kandidaten und ihre Programme haben wir hier zusammengetragen.

Im ersten Teil finden Sie einen Überblick über Termine und die sieben Kandidaten. Darunter stellen wir die politischen Positionen der Kandidaten anhand von Fragen rund um Hofheim dar. 


Hofheim - Seit 2001 steht Bürgermeisterin Gisela Stang (SPD) an der Spitze des Hofheimer Rathauses. Für eine weitere Wahlperiode steht sie nun nicht mehr bereit. Bei der Hessenwahl im vergangenen Oktober wollte Stang, die auch stellvertretende Landesvorsitzende der SPD ist, in den Landtag einziehen und kündigte daher an, nicht noch einmal als Hofheims Bürgermeisterin zu kandidieren und auch einen Rücktritt vom Rücktritt schloss sie aus. 

Die Termine der Bürgermeisterwahl

So wird die Bürgermeisterwahl in Hofheim in diesem Jahr besonders spannend. Zum ersten Wahlgang werden die Wähler am Sonntag, 24. März, an die Wahlurne gerufen. Erhält keiner der sieben Kandidaten mehr als die Hälfte der abgegebenen Stimmen - was sehr wahrscheinlich ist - kommt es am Sonntag, 7. April, zur Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten, die im ersten Wahlgang die meisten Stimmen geholt haben. 

Briefwahl ist möglich

Die Wähler können auch per Briefwahl abstimmen. Dafür können sie seit dem 11. Februar die entsprechenden Wahlunterlagen im Bürgerbüro im Hofheimer Rathaus am Chinonplatz 2 beantragen. 

Seit Montag, 4. März, kann man seinen Stimmzettel auch im Briefwahlbüro abholen oder direkt ausfüllen und abgeben. Dafür müssen die Wähler nur ihre Wahlbenachrichtigung vorlegen. Das Briefwahlbüro im Rathaus ist Montag bis Freitag von 9 Uhr bis 14 Uhr geöffnet.

Die Kandidaten der Bürgermeisterwahl 

Sieben Kandidaten bewerben sich um das Amt des Bürgermeisters - so viele wie noch nie im Main-Taunus-Kreis. Wir stellen sie in der Reihe nach vor.

Christian Vogt (CDU)

Die Hofheimer CDU schickt ihren Parteivorsitzenden Christian Vogt ins Rennen. Vogt ist Referent im hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und nebenberuflich Lehrbeauftragter an der Hochschule für Polizei und Verwaltung. In der Hofheimer Stadtpolitik ist der heute 38-Jährige schon lange aktiv. Mit 24 Jahren übernahm er den Vorsitz des CDU-Ortsverbands in Wallau.  

Bürgermeisterkandidat Christian Vogt (CDU) kündigte als erster seine Kandidatur an.

Bernhard Köppler (SPD)

Im April 2018 wählte die Hofheimer SPD ihren Vorsitzenden Bernhard Köppler zum Bürgermeisterkandidaten. Köppler ist gelernter Architekt, berät für die Nassauische Heimstätte Kommunen und setzte sich mit 34 zu 31 Stimmen gegen seinen Parteikollegen und das  langjährige Magistratsmitglied Wulf Baltruschat durch

Bürgermeisterkandidat Bernhard Köppler (SPD) will 2019 zu Hofheims Bürgermeister gewählt werden.

Bianca Strauss (Grüne)

Zwei Monate später machten auch die Grünen ihre Vorsitzende Bianca Strauss zu ihrer Kandidatin - mit 100 Prozent der Stimmen. Dass sie überhaupt antritt, war eine Überraschung, da die Journalistin zwar seit 15 Jahren in Hofheim lebt, aber erst seit knapp zwei Jahren bei den Grünen und bisher in der Stadt kaum bekannt ist.

Die Hofheimer Bürgermeisterkandidatin Bianca Strauss tritt für die Grünen an.

Barbara Grassel (parteilos für die LINKE)

Für die Linke tritt Barbara Grassel an. Die promovierte Juristin mit einer eigenen Kanzlei und ehemalige SPD-Frau ist schon seit den 80er-Jahren in der Hofheimer Stadtpolitik aktiv. 1985 wurde sie in den Lorsbacher Ortsbeirat gewählt und seit 1989 sitzt sie im Stadtparlament.  

Bürgermeisterkandidatin Barbara Grassel möchte 2019 zu Hofheims Bürgermeisterin gewählt werden.

Andreas Nickel (FWG)

Als Bürgermeisterkandidat tritt für die Freien Wähler Andreas Nickel an. Nickel ist 52 Jahre alt, Kriminalhauptkommissar und Leiter eines Kommissariats bei der Kripo Hofheim. Im Stadtparlament führt er außerdem die Fraktion der FWG. Seit 2009 engagiert er sich für die Freien Wähler. 

Bürgermeisterkandidat Andreas Nickel (FWG) will 2019 Hofheims Bürgermeister werden.

Wilhelm Schultze (unabhängig)

Am ersten Januar gab überraschend Wilhelm Schultze mit einem Video im Internet bekannt, dass auch er für das höchste Amt im Hofheimer Rathaus kandidiert. Der 23-jährige Student hat gerade seine Bachelorarbeit in Kommunikationsmanagment geschrieben. Bisher war er vor allem in den Sozialen Medien bekannt - durch einen kleinen Werbefilm, den er für seine Heimat Lorsbach gedreht hatte. 

Bei der Bürgermeisterwahl in Hofheim 2019 tritt Wilhelm Schultze an.

Friederike Röhr (unabhängig)

Als siebte und letzte Kandidatin warf Friederike Röhr ihren Hut in den Ring. Die 54-Jährige leitet in Diedenbergen eine private Ergänzungsschule für Darstellende Kunst, Tanz und Gymnastik und ist seit einigen Jahren Vorsitzende des Deutschen Gymnastik-Bunds. 

Bürgermeisterkandidatin Friederike Röhr möchte 2019 Hofheims Bürgermeisterin werden.

Die Programme, Ideen und Sichtweisen der Kandidaten

Zu den wichtigsten Themen der Hofheimer Stadtpolitik hat unser Reporter Manfred Becht die Kandidatinnen und Kandidaten befragt. Welche Ideen sie in das Bürgermeisteramt mitbringen würden und was ihre Ziele sind, wird hier nach und nach veröffentlicht.  

1. Kommen die Stadtteile zu kurz?

Diedenbergen, Langenhain, Lorsbach, Marxheim, Wallau und Wildsachsen; in den Stadtteilen haben manche das Gefühl die Stadtpolitik interessiere sich in erster Linie für die Kernstadt. Wie stehen die Kandidaten dazu?

Christian Vogt (CDU) aus Diedenbergen: 

Christian Vogt hält sich eher heraus aus der Debatte, ob es eine Benachteiligung der Stadtteile in den letzten Jahren gegeben hat. Er will aber seinen Slogan, dass Hofheim mehr Potenzial habe, ausdrücklich auch auf die Stadtteile angewendet sehen. Diese möchte er mehr in die Stadt integrieren, im Sinne eines gesamtstädtischen Wir-Gefühls. Gleichzeitig ist er dafür, die Stärken der Stadtteile besser herauszustellen, auch damit diese mehr eine eigene Identität entwickeln. Das ist für Vogt kein Widerspruch. Unter allen konkreten Projekten für die Stadtteile stellt er den Haltepunkt an der geplanten Wallauer Spange heraus; die Stadt solle dabei selbstbewusst in die Gespräche mit der Bahn gehen. Wildsachsen sieht er mit aktuell drei Vorhaben als gut bedacht an, für Langenhain und Wildsachsen gehe es darum, sich gegen Windräder und die Hochspannungstrasse Ultranet zu wehren. Über die Zukunft des ehemaligen Feuerwehrhauses in Diedenbergen sollten vor allem die Diedenbergener selbst entscheiden.

Bernhard Köppler (SPD) aus der Kernstadt:

Der Eindruck sei verständlich, dass die Stadtteile benachteiligt werden, räumt SPD-Kandidat Bernhard Köppler ein. Das liege auch daran, dass über die Innenstadtprojekte generell mehr öffentlich diskutiert werde. Köppler zitierte Bürgermeisterin Gisela Stang, die vorgerechnet hatte, dass die Stadt in den letzten Jahren 37 Millionen Euro in die Kernstadt, aber 40 Millionen Euro in die Stadtteile investiert habe. Jede Menge habe die Stadt etwa in die Feuerwehren und die Kinderbetreuung gesteckt. Dabei sei noch zu bedenken, dass viele Innenstadt-Investitionen gerade den Bürgern in den Stadtteilen zugute kämen, so auch der anstehende Umbau des Busbahnhofes. „Ich glaube, dass es falsch ist“, sagt Köppler zu dem nach seien Worten „diffusen Gefühl“ der Benachteiligung. Köppler will als Bürgermeister die Ortsbeiräte stärken. Diese haben nach verbreiteter Auffassung in letzter Zeit an Gewicht verloren. Der SPDMann möchte auch versuchen, mehr Leute zu motivieren, sich in den Ortsbeiräten zu engagieren.

Bianca Strauss (Grüne) aus Wallau:

Das Gefühl der Benachteiligung in den Stadtteilen hat Bianca Strauss auch wahrgenommen. „Ich bin mir aber nicht sicher, ob es stimmt“, räumt sie ein. Dass das eine oder andere Projekt auf die lange Bank geschoben worden sei, habe den Eindruck sicher noch verstärkt. Strauss setzt darauf, dem durch verstärkten Austausch zwischen den Stadtteilen und der Stadt entgegenzuwirken. Dass man sich in Wallau inzwischen nicht mehr benachteiligt fühlen dürfe, sieht sie auch, aber sie weist darauf hin, dass es ein langer Kampf war, bis die Ländcheshalle endlich gebaut wurde. Für die Kandidatin der Grünen wäre es auch ganz wichtig, mehr Verbindlichkeit in die Kommunikation mit den Stadtteilen zu bekommen. Sie werde sich als Bürgermeisterin sicher häufig in den Ortsbeiräten blicken lassen – bekanntlich kommt der hauptamtliche Magistrat derzeit gar nicht. Manchmal mache sich das Gefühl der Benachteiligung eher an kleinen Themen fest – ein Beispiel sei die Seniorenweihnachtsfeier, die es wieder in jedem Stadtteil geben müsse.

Die Einfahrt nach Wallau im November 2018.

Barbara Grassel (parteilos für Die Linke) aus Lorsbach:

Für Barbara Grassel ist es überhaupt keine Frage, dass es ein Ungleichgewicht gibt zulasten der Stadtteile und zugunsten der Kernstadt, wenn es um die Investition gehe. Sie lässt die Berechnung von Gisela Stang nicht gelten, dass mehr in die Stadtteile investiert wurde. Denn berücksichtigen müsse man schon, dass der größere Teil der Hofheimer in den Stadtteilen wohne, und wenn man dies berücksichtige, sehe das Verhältnis wieder anders aus. Sie würde sofort die Prioritäten neu setzen, kündigt sie an. Die Stadt müsse sich um die Grundversorgung in den Stadtteilen kümmern, dazu gehörten auch Bank und Postdienstleistungen. Es sei zu wenig zu erklären, die Verwaltung habe da keine Handlungsmöglichkeiten. Intensiver müsse man darüber nachdenken, wie Lebensmittelversorgung, Außenstellen der Verwaltung, Bank- und Postdienstleistungen sinnvoll miteinander verknüpft werden könnten. „Anderswo gibt es auch Dorfläden“, ist Grassel überzeugt, dass etwas für die Stadtteile erreicht werden könnte.

Andreas Nickel (FWG) aus Lorsbach:

Eine Weile habe man durchaus den Eindruck gewinnen können, dass die Stadtteile benachteiligt würden, sagt FWG-Kandidat Andreas Nickel. Bei genauerem Hinsehen sei der jetzt aber nicht haltbar. Er erinnert daran, dass in Wallau (Ländcheshalle, Kunstrasenplatz, Feuerwehrhaus) und Wildsachsen (Wildsachsenhalle, Kunstrasenplatz, Dorfgemeinschaftsplatz) je drei Projekte in Arbeit seien. Nickel erinnert daran, dass dies ja nicht nur mit erheblichen Investitionen verbunden ist, sondern auch mit viel Arbeit für die Rathausmitarbeiter. „Lorsbach ist jetzt aber mal dran“, sieht er eine gewisse Bringschuld zugunsten seines Heimatstadtteils. Das bezieht er vor allem auf den barrierefreien Umbau des Bahnhofs, den ja die Stadt selbst vor Jahren verschoben hat. Mit der Erweiterung der Kindertagesstätte ist eine weitere Investition fest beschlossene Sache. Nicht wieder vergessen solle man die Frage, wie das ehemalige Feuerwehrhaus in Diedenbergen künftig genutzt werden solle. Da seien auch Ideen aus Diedenbergen gefragt.


Wilhelm Schultze (parteilos) aus Lorsbach:

Es werde schon etwas dran sein, fürchtet Wilhelm Schultze, dass die Stadtteile nicht ausreichend Gewicht haben gegenüber der Kernstadt. Chinoncenter, Kellereiplatz, Bücherei, Busbahnhof – er sieht schon eine gewisse Häufung von Großprojekten in der Kernstadt. Konkrete Projekte für die einzelnen Stadtteile hat er nicht im Auge. „Da muss man schauen, was aus den einzelnen Orten kommt“, sagt Schultze. Er selbst würde als Bürgermeister auch mehr in die Stadtteile gehen, um mit den Bürgern zu sprechen und ihre Bedürfnisse zu erfahren. Die Ortsbeiräte reichen nach seiner Einschätzung nicht aus, um alles in Erfahrung zu bringen, was die Bürger in den Stadtteilen bewegt. Dabei sind für ihn selbst die Mobilität und die Nahversorgung die beiden wichtigste Dinge, um die man sich in den Stadtteilen kümmern muss. Da ist er als Lorsbacher gebranntes Kind – der einzige Lebensmittelladen hat geschlossen, der Bahnhof ist nicht barrierefrei. Gerade bei der Lebensmittelversorgung ist die Situation in anderen Stadtteilen nicht besser.

Friederike Röhr (parteilos) aus Diedenbergen:

Schwer ist es für Friederike Röhr zu beurteilen, ob die Stadtteile benachteiligt werden. Projekte in der Stadtmitte würden öffentlich ganz anders wahrgenommen, hat sie festgestellt. Für sie wäre es aber wichtig, die Stadtteile anders, das heißt besser in die Politik einzubinden. Ein Anfang wäre, die Bürger zu fragen, was sie sich für ihre Stadtteile vorstellen können. Für Friederike Röhr steht fest, dass es ganz viele Ecken gerade auch in den Stadtteilen gibt, die ansprechender gestaltet werden könnten. Die eine oder andere Ortseinfahrt zum Beispiel hat sie da im Auge. Sie wünscht sich, dass mehr Gemeinschaftsaktionen der Bürger für ihren Stadtteil angestoßen werden, aber dass auch alle mehr wahrnehmen, was in den anderen Stadtteilen los sei. Dafür müsse es eine Plattform geben, in der alle Veranstaltungen in allen Stadtteilen eingetragen würden, hat sie einen ganz praktischen Vorschlag. Das würde das Wir-Gefühl stärken, und wenn dieses ausreichend ausgeprägt sei, erledigten sich Diskussionen um die Benachteiligung einzelner Stadtteile.

2. Was tun gegen steigende Mieten und Wohnungsnot?

Wer auch immer gewinnt, wird Rathauschef in einer Stadt, in der die Mieten steigen und die Wohnungen knapp sind. Mit dem Baugebiet Marxheim II, das Platz für bis zu 3000 Einwohner bieten soll, verbinden sich große Hoffnungen. Alle Kandidaten wollen es. Aber wie viele Sozialwohnungen sollen es sein?

Bernhard Köppler (SPD):

Bernhard Köppler hat schon Vorstellungen, wer in das geplante Baugebiet Marxheim II ziehen soll. Die Hälfte aller Wohnungen, in welcher Art von Häusern auch immer, sollten Eigentümer bekommen, die dort auch wohnen, sagt der SPD-Mann. Er denkt an Käufer mit mittlerem Einkommen, die zu einem spürbaren Teil aus Hofheim kommen sollen. Gerne würde Köppler auch Modelle wie Baugenossenschaften zum Zuge kommen lassen. Die andere Hälfte aller Wohnungen soll vermietet werden, jede zweite dieser Wohnungen wiederum sollte eine Sozialwohnung sein. Ein stabiles Quartier wünscht sich Köppler, also ein sozial durchmischtes, nach den hochpreisigen Projekten Rosenberg und Vorderheide. Wichtig sei ihm auch, dass die Grundeigentümer zum Zuge kämen, sofern sie dies wünschten. Köppler möchte, dass bald mit den Eigentümern gesprochen wird, um herauszufinden, in welcher Form diese sich eine Beteiligung vorstellen können. Unter den Grundeigentümern gibt es erhebliche Vorbehalte gegen das Baugebiet.

Christian Vogt (CDU):

CDU-Kandidat Christian Vogt will sich auf einen konkreten Anteil von Sozialwohnungen nicht festlegen. Aber derart geförderte Wohnungen gehören aus seiner Sicht zu dem Baugebiet schon dazu. Realisieren soll diese die Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft (HWB), und zwar auf Flächen, die der Stadt bei der Baulandumlegung zufallen. Bei dem üblichen Verfahren gelangen immer Flächen in städtische Hand, über die bestehenden Feldwege hinaus. Die HWB habe gezeigt, dass sie Projekte mit dem richtigen Anteil an Sozialwohnungen realisieren könne, so Vogt. Genau so könne es in Marxheim auch laufen. Wie viele Wohnungen insgesamt gebaut werden könnten, lasse sich derzeit kaum sagen, denn die Planungen seien noch nicht sehr weit fortgeschritten. Für Vogt geht es aber auch darum, Wohnungen für alle anzubieten, die nicht mieten, sondern kaufen wollen. Es komme im weiteren Verlauf des Planungsprozesses darauf an, die richtige Mischung zu finden. Auch die Eigentümer müssten im weiteren Verfahren einbezogen werden.

Hofheim mit dem Stadtteil Marxheim.

Bianca Strauss (Grüne):

Bianca Strauss (Grüne) kommt mit konkreten Zahlen daher – ein Drittel Sozialwohnungen stellt sie sich für Marxheim II vor, ein weiteres Drittel bezahlbare Wohnungen für Leute, die für eine Sozialwohnung zu viel verdienen, und ein Drittel frei finanzierte Wohnungen. Dies solle verbindlich vorgegeben werden. Dabei gelte es, die Kritiker von dem Wohngebiet zu überzeugen, und den Landwirten Perspektiven aufzuzeigen. Außerdem möchte die Grünen-Politikerin, dass klimafreundlich gebaut wird, ein mögliches Vorbild könnte die Öko-Siedlung in Friedrichsdorf sein, die gerade im Bau ist. In der Debatte um das Baugebiet will Strauss darauf hinweisen, dass es auch Vorteile für die Hofheimer verspricht, die schon in Marxheim wohnen. Das beginnt bei einer verbesserten Mobilität, etwa wenn zur Erschließung des Gebiets eine Fuß- und Radwegebrücke in die Brühlwiesen gebaut wird, das kann zu einer besseren Nahversorgung durch neue Geschäfte führen, und das kann auch neue Begegnungsräume bringen.

Andreas Nickel (FWG):

Einen konkreten Prozentsatz zum Anteil der Sozialwohnungen lässt sich FWG-Kandidat Andreas Nickel nicht entlocken, auch wenn er schon welche bauen möchte. Er spricht von einem durchmischten Quartier, und das bezieht sich nicht nur auf die Sozialstruktur, sondern auf die Bauweise, die sich daraus ergibt. Das gesamte Spektrum von Reihenhäusern bis zu Häusern mit acht Wohnungen kann er sich vorstellen – sechsgeschossige Hochhäuser freilich nicht. Solche waren eingezeichnet in einer Skizze, die die Stadt vor Monaten einmal herausgegeben hatte und die bei einigen Marxheimern für helle Aufregung sorgte. Überhaupt, nach Nickels Wahrnehmung gibt es einen breit aufgestellten Widerstand gegen das Baugebiet, und den solle man auch ernst nehmen. Enteignungen und Rechtsstreitigkeiten seien nicht die richtigen Mittel im Umgang damit, sondern man müsse schauen, welcher Kompromiss möglich sei. Ein vollständiger Verzicht auf das Baugebiet kommt für ihn aber auch nicht in Frage.

Barbara Grassel (parteilos für Die Linke):

Aus Sicht der Linken-Kandidatin Barbara Grassel wurde mit Blick auf das Baugebiet Marxheim II schon viel zu viel Zeit vertan. Angesichts der Wohnungsknappheit hätte dieses Projekt viel früher in Angriff genommen werden müssen. Teurer als notwendig werde es wohl auch. Der Schwerpunkt soll aber klar auf der Zielgruppe der sozial Schwächsten gelegt werden – anders kann die Forderung nach einer Sozialwohnungsquote von 40 Prozent nicht gemeint sein. Dazu müssten viele Wohnungen kommen, die sich auch Bezieher von Durchschnittseinkommen leisten könnten. Dass die Stadt dort nicht viele Grundstücke besitzt, sieht Grassel als Problem an, denn der Kaufpreis für das Bauland wird, so sei zu befürchten, die Preise in die Höhe treiben. Wenn überhaupt, dann könne nur die Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft ein solches Konzept umsetzen. Möglichkeiten, wegen des Widerstandes aus Marxheim besser an anderer Stelle zu bauen, sieht Grassel nicht. „Wir sollten nicht alles zubetonieren“, lautet eine weitere Forderung zur Baupolitik.

Baugebiet Marxheim II

Wilhelm Schultze (parteilos):

Auch Wilhelm Schultze will am Baugebiet Marxheim II nicht rütteln. Dieses habe Priorität, auch um den Preisauftrieb bei den Wohnungen etwas zu dämpfen. Er kann sich vorstellen, dass der Anteil der Sozialwohnungen bei etwa 20 Prozent liegen soll. Aber er formuliert einige Rahmenbedingungen. So sei die Infrastruktur rechtzeitig mit einzuplanen – von den Kinderbetreuungseinrichtungen bis zu den Einkaufsmöglichkeiten. Tatsächlich sind so manche neuen Stadtviertel, beispielsweise auch in Frankfurt, geplant worden, ohne an diese Themen zu denken, und das rächt sich gelegentlich. Auch müssten die Bürger noch besser eingebunden werden; der bislang eingeschlagene Weg mit Informationsveranstaltungen reicht dem Kandidaten aus Lorsbach nicht aus. Allen Bewerbern sei offensichtlich nicht entgangen, dass es in Marxheim auch Kritiker gibt. Schultze kann sich daher vorstellen, dass das neue Wohngebiet nicht ganz so groß ausfällt wie bisher gedacht, immerhin ist von bis zu 3000 Wohnungen die Rede.

Friederike Röhr (parteilos):

Für Friederike Röhr ist eine Zielgruppe beim Baugebiet Marxheim II ganz wichtig – die der jungen Erwachsenen, die aus dem Elternhaus ausziehen und erstmals eine eigene Bleibe haben möchten. Sie gehören zu den Gruppen, die bei steigenden Mieten in Hofheim schlechte Chancen haben. Nicht jeder möchte zum Studium in die Großstadt ziehen, gibt Röhr zu bedenken. „Wir müssen etwas anbieten für die, die dableiben wollen.“ Über ältere Menschen werde viel gesprochen, über junge Familien auch, auch bei Neubaugebieten, aber an die jungen Erwachsenen werde kaum gedacht. Gerade weil junge Leute mobiler seien, sieht Röhr dieses Baugebiet als besonders attraktiv für diese Zielgruppe an. Bezahlbar müssten die Wohnungen aber sein, etwa für Auszubildende. Wichtig ist Röhr auch, dass sich das Neubaugebiet gut in die Umgebung einpasst. Und es müsse bedacht werden, dass die Rheingaustraße schon bisher mit Autoverkehr überlastet sei – es müsse also überlegt werden, wie man die Situation verbessern könne.

3. Auto, Bus oder Fahrrad? Welche Ideen haben die Kandidaten für den Hofheimer Straßenverkehr?

Mit der wachsenden Bevölkerung wird es auch auf den Straßen enger. Wie wollen die Kandidaten dem begegnen? Was sind ihre wichtigsten verkehrspolitischen Projekte?


Christian Vogt (CDU):

 Für Christian Vogt steht die „Wallauer Spange“ im Mittelpunkt des Interesses in der Verkehrspolitik. Die geplante Schienenverbindung zwischen den beiden Ästen der ICEStrecke von Köln nach Frankfurt bietet die Chance, dass Wallau einen Bahnhof bekommt, an dem der geplante Hessen-Express hält, der Wiesbaden, den Flughafen und Darmstadt verbinden soll. „Das nützt auch der Kernstadt, nicht nur Wallau“, sagt Vogt. Denn am Wallauer Haltepunkt soll eine sinnvolle Verbindung mit andern Verkehrsmitteln organisiert werden, in Form eines P & R-Platzes und eines Radweges. Auch aus Hofheim und Marxheim könne man dann schneller in Wiesbaden und am Flughafen sein. Die Wallauer Spange ist kein Projekt, das von der Stadt Hofheim vorangetrieben wird. Es gehe aber darum, so Vogt, auf den Stellenwert der Kreisstadt hinzuweisen mit dem Ziel, dass der Haltepunkt tatsächlich Realität werden kann. Es gelte dabei, mit interessierten Nachbarkommunen, vor allem Hochheim und Wiesbaden, zusammenzuarbeiten.

Bernhard Köppler (SPD):

Bernhard Köppler will eine Brücke bauen; eine Brücke, über die Radfahrer und Fußgänger vom Hochfeld über die Bahn und die Landesstraße hinweg in die Brühlwiesen gelangen können. Die Rheingaustraße mit der Brücke über die Bahn gilt in Hofheim schon lange als ungeeignet und gefährlich für die Radler. Mit dem geplanten Baugebiet Marxheim II kommt auf der Südseite der Bahn ein wichtiger neuer Grund hinzu; man möchte erreichen, dass die Bewohner, aber nicht nur die, mit dem Rad sicher in die Innenstadt kommen. Der Radweg müsse so gebaut werden, dass er angenommen werde, fordert Köppler, also breit genug und mit einer erträglichen Steigung. Der genaue Trassenverlauf sei noch zu klären. „Wird die Infrastruktur ausgebaut, wird sie auch genutzt“, ist er überzeugt. Im Laufe von zwei Jahren müsse die Planung stehen und auch die Finanzierung, lautet seine Vorgabe. Dabei erwartet er sich einen erheblichen Finanzbeitrag des Landes. Der Bau sei in der zweiten Hälfte der Wahlperiode möglich.

Die erste Fahrradstraße in Hofheim wurde erst 2017 in Lorsbach auf der Talstraße eingeweiht. Nur leider endet sie im Wald.

Andreas Nickel (FWG):

Auch Andreas Nickel will die Brücke vom Hochfeld über die Bahn. „Es liegt schon viel zu viel Patina auf dem Thema“, deutet er an, dass man aus seiner Sicht mit diesem Projekt schon viel weiter sein müsste. Allerdings stellt er sich schon eine Querung auch für den Autoverkehr vor, um wirklich eine Entlastung der Rheingaustraße zu erreichen. „Es geht nicht um die B519 neu, davon müssen wir uns definitiv verabschieden, die kommt nicht“, sagt der FWG-Politiker. Sinnvoll sein könne die Realisierung des Vorhabens einer neuen Brücke in Zusammenhang mit dem geplanten Wohngebiet Marxheim II, denn bei womöglich bis zu 3000 Einwohnern sei es schon ein Thema, wo der Autoverkehr fließen soll, der damit verbunden ist. Nickel weiß, dass früher einmal angestellte Untersuchungen von Varianten nicht einfach übernommen werden können, aber anschauen sollte man sie sich aus seiner Perspektive schon. Und in zwei Jahren könne man sicher noch keine Straßenbrücke bauen. Aber eine Entscheidung zu erzwingen, das sei schon drin.

Bianca Strauss (Grüne):

Für Bianca Strauss hat der Ausbau der Fuß- und Radwege Priorität in der Verkehrspolitik. „In dem Punkt kann man durchaus auch recht schnell etwas erreichen“, ist sie überzeugt. Da könne nach zwei Jahren etwas sichtbar sein. Man müsse das Thema aber konsequent weiterverfolgen und nicht nachlassen, wenn sich Hindernisse in den Weg stellten. Dass sich Vorhaben wie der Radweg zwischen Hofheim und Lorsbach derzeit dem Einfluss der Stadt etwas entziehen, weiß sie. Aber mehr Engagement in das Thema stecken, das ist aus ihrer Sicht schon drin. Zum Beispiel auch für den Radweg weiter Richtung Eppstein. Der Ausbau des Radwegenetzes ist für Strauss ein Schritt weg von der autogerechten Stadt hin zu einer menschen- und umweltgerechten Mobilität. Zu diesem Ziel gehörten neben Radwegen auch bessere Busverbindungen und Sharing-Projekte, also die gemeinsame Nutzung beispielsweise von Autos. Dies führe für viele zu einem Gewinn an Lebensqualität. Diese Umorientierung müsse Chefsache werden, kündigt sie an.

Parkplätze sind in Hofheimer Innenstadt knapp.

Barbara Grassel (parteilos für Die Linke):

Der barrierefreie Umbau des Lorsbacher Bahnhofes ist für die Lorsbacher Linken-Politikerin Barbara Grassel das verkehrspolitische Projekt mit der höchsten Priorität. Denn manch anderes Projekt, etwa der barrierefreie Umbau der Bushaltestellen, laufe ja bereits. Lorsbach hat, nachdem die Stadt vor einigen Jahren den Umbau aus Kostengründen abgesagt hat, mit Blick auf den Bahnhof zwar wieder etwas Hoffnung geschöpft. Denn die Bahn hat sich bereiterklärt, selbst Bauherr zu werden beim Umbau des Bahnhofs. Aus Hofheimer Sicht ist das zwar eine Selbstverständlichkeit, aber diese Einschätzung hilft nichts, wenn die Bahn das nicht auch so sieht. Aus Grassels Sicht geht es jetzt darum, eine neue Chance, wenn sie sich bietet, auch zu nutzen. Wie weit man dabei in zwei Jahren kommen kann, das hänge davon ab, was die Stadt inzwischen mit der Bahn besprochen hat. Nachdem es realisierbare Pläne bereits gebe, sollte es aber möglich sein, in zwei Jahren zu einer Vereinbarung mit der Bahn und einem Zeitplan zu kommen.

Wilhelm Schultze (parteilos):

Der parteilose Kandidat Wilhelm Schultze hat ebenfalls den Lorsbacher Bahnhof zu seinem wichtigsten verkehrspolitischen Projekt gemacht. „In Lorsbach stirbt langsam alles aus“, weist er darauf hin, dass es immer weniger Läden und Dienstleister im Ort gibt. Je weniger man aber im Ort erreichen könne, je wichtiger sei es, diesen verlassen zu können – und das gelte gerade für mobilitätseingeschränkte Personen. Schultze glaubt, dass man als Bürgermeister nicht zu viel und nicht zu wenig Druck machen muss, um mit dem Projekt voran zu kommen. Auch bei der Finanzierung spricht er sich für den Mittelweg einer Mischfinanzierung aus, Stadt und Bahn sollen sich die Kosten teilen, selbstverständlich unter Nutzung aller Zuschussmöglichkeiten. Die Stadt hatte bei der Absage des Umbaus argumentiert, es sei nicht vertretbar, dass sie die Hauptlast der Finanzierung trage. Für Schultze gehört der Umbau des Lorsbacher Bahnhofs zu dem übergeordneten Ziel, die Verkehrsverbindungen der Hofheimer Stadtteile untereinander zu verbessern.

Ein Ticketautomat am Hofheimer Bahnhof.

Friederike Röhr (parteilos):

Die Verbesserung der öffentlichen Verkehrsmittel zwischen den Stadtteilen hat sich die parteilose Kandidatin Friederike Röhr aus Diedenbergen auf die Fahnen geschrieben. Es gehe nicht an, sagt sie, dass Jugendliche ohne eigenes Auto den umständlichen und zeitraubenden Umweg über Hofheim nehmen müssen, um mit dem Bus von Diedenbergen nach Langenhain zu kommen. Das ist aber nur ein Beispiel von mehreren. Das Fahrrad sei wegen des schlechten Zustands vieler Straßen nicht immer eine Alternative. Röhr glaubt, dass es nützlich ist, als kommunalpolitisch unverbrauchte Politikerin die Dinge einmal quer zu denken, um zu Lösungen zu kommen. Dabei hält sie nicht so viel davon, sich auf sichtbare Erfolge im Laufe zweier Jahre zu konzentrieren. Sie sei zwar dafür, gesteckte Ziele konsequent weiterzuverfolgen. Aber manchmal erwische man den falschen Zeitpunkt, und so kann es aus ihrer Sicht sinnvoll sein, lieber noch ein Jahr zu warten, um dann die bessere Lösung zu erreichen – auch in der Verkehrspolitik.

4. Was planen die Kandidaten für die Hofheimer Kultur?

Vereine, Kunst und Ehrenamt: Umso vielfältiger das kulturelle Leben ist, desto mehr Menschen fühlen sich wohl in Hofheim und können am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Doch dafür muss die Stadt die richtigen Rahmenbedingungen setzten. Was schwebt da den Kandidaten vor? 


Christian Vogt (CDU)

Kulturelle Aktivitäten müssten aus der Bürgerschaft kommen, und die Stadt müsse diese fördern, sagt Christian Vogt. Er freut sich, dass es eine intakte Vereinsstruktur in Hofheim gibt, denn dort nehmen viele kulturelle Aktivitäten ihren Anfang. Das ehrenamtliche Engagement sieht er als den Kitt der Gesellschaft an. Deshalb müsse es im Rathaus einen Ehrenamts- und Vereinskoordinator geben. Dieser soll Ansprechpartner der Vereine in allen Angelegenheiten sein, damit diese nicht bei jedem Projekt die unterschiedlichsten Stellen kontaktieren müssen, sondern den Rücken freihaben für ihre eigentlichen Aktivitäten. Dazu gehöre auch, die Bürokratie zu verringern, die die Vereine in ihrer Arbeit behindere. Über die Vereine hinaus sieht Vogt die Künstler, die mit dem Blauen Haus verbunden sind, als Pfund, mit dem die Stadt mehr wuchern sollte. Und es dürfe keinesfalls noch einmal passieren, dass der Museumsbetrieb dadurch in Frage gestellt werde, dass diskutiert werde, dort auch andere Einrichtungen unterzubringen.

Bernhard Köppler (SPD)

Hofheim stellt sein kulturelles Licht zu sehr unter den Scheffel, sagt SPD-Kandidat Bernhard Köppler. Er erinnert an das Blaue Haus, in dem Hanna Bekker vom Rath gelebt hat, und an die Marta-Hoepffner-Gesellschaft, die das Erbe der Fotografin pflegt. Um diese beiden Namen herum müsse Hofheim sein Image als Kulturstadt schärfen. Dabei biete sich eine Zusammenarbeit mit Frankfurter Museen an. Bei den eigenen Kultureinrichtungen komme es darauf an, mit den richtigen Leuten zu kooperieren, ebenfalls um diese Schärfung des kulturellen Profils zu erreichen. Sich nicht auf Lorbeeren ausruhen, sondern das Bestehende ausbauen, das ist für ihn die Devise. Warum sollte nicht aus der Scheune des ehemaligen Jugendzentrums eine Kulturscheune werden, fragt Köppler. „Wenn Räume da sind, werden sie auch genutzt“, ist er überzeugt, dass Angebote gemacht werden müssen. Kultur müsse erreichbar sein, auch ohne finanzielle Schranken. Deshalb wäre anzustreben, dass Stadtmuseum und Bücherei kostenlos zugänglich werden.

Bianca Strauss (Grüne)

Vielfalt ist für Bianca Strauss das wichtigste Wort, wenn es um ihre Kulturpolitik geht. Hofheim sei da schon sehr weit, habe etwa mit dem interkeltischen Folkfestival Veranstaltungen mit internationalem Charakter. Der Vielfalt wegen ist für sie eine freie Kulturszene, die auch kritische Impulse setze und neue Formen ausprobiere, sehr wichtig. Wenn dabei Defizite bemerkt würden, müsse die Stadt auch einmal von sich aus aktiv werden. Es müsse Raum geben auch für mutige und eher schräge Initiativen, die Stadt müsse dabei für gute Rahmenbedingungen sorgen. Es gebe bereits ein regelmäßiges Treffen der Kulturschaffenden, weiß sie, aber es gelte, durch konkrete Themen die Arbeit dort effektiver zu machen. Den Kulturschaffenden selbst solle deutlicher gemacht werden, auf welches Ziel diese Treffen hinarbeiten. Auch für Bianca Strauss muss es darum gehen, mehr daraus zu machen, dass die Kunstsammlerin Hanna Bekker vom Rath in Hofheim lebte. Dieses Potenzial sei zu wenig genutzt.

Andreas Nickel (FWG)

Für Andreas Nickel hat die Kultur einen örtlichen Schwerpunkt in der Kernstadt – Stadtmuseum, Bücherei, Wasserschloss und Stadtarchiv sieht er als Kultur-Viereck, dessen Potenziale längst noch nicht ausgereizt sind. Alles gruppiert sich um den Kellereiplatz, der Neubau für Bücherei und Stadtarchiv ist bekanntlich in Vorbereitung. „Das Stadtarchiv kann mehr“, sagt er beispielsweise über das „Gedächtnis der Stadt“, das nur wenige von innen kennen. Auch die neue Stadtbücherei kann aus seiner Sicht noch deutlich mehr als bisher zum kulturellen Akteur werden. Schließlich sei auch der Kellereiplatz selbst zu nennen, mit dem Kellereigebäude daneben, das vor allem für die Vereine wichtig ist. Die städtische Kulturagentur ist für ihn ebenfalls nicht am Ende ihrer Möglichkeiten angekommen. Zur Kultur gehören für Nickel auch die Städtepartnerschaften. Manches, was die Stadt machen könne, gehe nur zentral, fasst er zusammen. Aber auch die kulturellen Angebote in den Stadtteilen dürfe man nicht aus den Augen verlieren.

Entwurf der Hofheim Stadtbücherei am Kellereiplatz.

Barbara Grassel (parteilos für Die Linke)

Kultur braucht Räume, sagt Barbara Grassel. Wichtig sei, um nicht von vornherein Schranken einzuziehen, dass diese Räume kostenlos oder wenigstens preiswert sind. Es könne nicht sein, dass die Vereine als Nutzer der Stadthalle nicht gerne gesehen seien, kritisiert sie. Es fehlten nicht nur Veranstaltungsorte, sondern etwa auch Proberäume für die Vereine; sie erinnert an den anstehenden Wegfall des Löwen-Saals in ihrem Heimatort Lorsbach. Ein Defizit sieht sie dabei nicht nur in den Stadtteilen, sondern auch in der Innenstadt selbst. Dabei gehe das Eine nicht ohne das Andere, das Raumangebot insgesamt müsse dezentral sein. Und es sei auch nicht die richtige Methode, solche Dinge vom Rathaus aus zu planen, sondern es müsse auf das reagiert werden, was als Bedarf angemeldet werde. Sind die Rahmenbedingungen richtig gesetzt, sei es weder notwendig noch angemessen, wenn die Stadt viele kulturelle Angebote selbst initiiere. Auch bei dem, was als Hochkultur bezeichnet wird, sieht sie die Stadt nicht in einer besonderen Pflicht.

Friederike Röhr (parteilos)

Friederike Röhr findet, dass die Vereine mehr Unterstützung brauchen, sorgen sie doch für einen gewichtigen Teil des kulturellen Angebots. Röhr würde gerne einen Platz schaffen, wo Vereine feiern können, ohne dass mit viel Aufwand vom Stromkasten bis zu Regenschutz alles immer wieder aufgebaut werden muss. Der Parkplatz hinter dem Rathaus wäre aus ihrer Sicht womöglich ein geeignetes Gelände. Die Idee ist auch eine Reaktion darauf, dass die Bedingungen für Vereine immer schwieriger werden. „Man braucht heute für alles eine Erlaubnis“, sagt sie. Auch die Kosten, die für die Stadthalle und andere Räume anfallen, sind aus ihrer Sicht zu hoch. Dass die Vereine allerdings den Kulturbereich nicht alleine abdecken können, sieht sie ebenfalls. Die Stadt solle sich da engagieren, wo Vereine und andere Veranstalter Lücken lassen. Die Vereine kümmern sich eher um traditionelle Sachen, in städtischer Regie werden auch mal neue Dinge angestoßen, so stellt sie sich das vor. Auf die Mischung komme es an.

Wilhelm Schultze (parteilos)

Wilhelm Schultze verlangt ein wenig mehr Sorgfalt im Umgang mit denen, die sich ehrenamtlich für Kultur in Hofheim engagieren. Fragwürdig sei es gewesen, den Wäldchestag auf den Termin der Marxheimer Kerb zu verschieben. Tatsächlich hatte dies damals einige Diskussionen ausgelöst. Und dann gab es ein Street-Food-Festival gleichzeitig mit dem Langenhainer Weihnachtsmarkt. Da könnte man sich gegenseitig Besucher abspenstig gemacht haben. So etwas sollte nicht wieder passieren, findet Schultze. Die Stadt sollte die Vereine mehr bei ihren Aktivitäten unterstützen, statt Konkurrenzangebote zu organisieren. Aktiv werden sollte die Verwaltung aber im Sinne kultureller Dinge, die es so in der Stadt noch nicht gibt. „Street Art“ ist dabei ein Beispiel – warum wird nicht ein größeres Fest organisiert, bei dem die Betonwand an der Südseite des Kellereiplatzes künstlerisch gestaltet wird, fragt er sich. Als positives Beispiel hebt er die Bemalung von Stromkästen hervor, die vor einigen Jahren schon im Hofheimer Ostend organisiert wurde.

5. Was wollen die Kandidaten für Senioren tun?

Oma, Opa und die lieben Urgroßeltern: Wenn unsere Senioren im Alter vielleicht nicht mehr so gut zu Fuß sind, dann muss ihnen die Stadtgesellschaft eben einen Schritt entgegen kommen. Weniger verschwurbelt ausgedrückt: Wie soll die Stadt ihren Senioren gerecht werden? Was sind die Ideen der Kandidaten? 


Christian Vogt (CDU)

 Die Grundversorgung ist für Christian Vogt das, was mit Blick auf die Senioren sichergestellt und ausgebaut werden muss. Da viele Angebote und Dienstleistungen über das Internet genutzt werden können, ist der Ausbau der Datenautobahn für ihn ein Gebot der Politik für Senioren. „Neue Techniken können helfen, länger autonom zu Hause zu leben“, sagt er. Vogt stellt sich auch eine engere Zusammenarbeit mit dem Main-Taunus-Kreis im Sinne der Senioren vor. Und mit dem Blick auf die nächsthöheren politischen Ebenen ist für ihn noch nicht Schluss. Er sei überzeugt, dass sich Hofheim auch in der Seniorenarbeit mehr Unterstützung holen könne, dass es Fördertöpfe auf Bundesebene oder bei der Europäischen Union gebe, die man bisher noch nicht so nutze, wie es möglich sei. Außerdem möchte Vogt neue Konzepte für seniorengerechtes Wohnen entwickeln – an Standorten, die möglichst nahe im Zentrum liegen. Die HWB könne dabei immer ein wichtiger Akteur sein, wenn es keine privaten Interessenten gebe.

Bernhard Köppler (SPD)

Den Hofheimern zu ermöglichen, möglichst selbstbestimmt alt zu werden, das ist für Bernhard Köppler die seniorenpolitische Leitlinie. Was dafür gebraucht wird – diese Frage müssten vor allem die Senioren selbst beantworten. Aber davon abgesehen, stellt auch der SPD-Kandidat das Einkaufen als besonderes Problem für die ältere Generation heraus. Sogar in Marxheim sei das schwierig, sagt er, denn die beiden Supermärkte liegen am Ortsrand. Darüber hinaus gehe es ihm um eine soziale Infrastruktur, die Kontakte und Kommunikation ermögliche, auch um der Vereinsamung vorzubeugen. Wohin könnten alleinstehende Senioren sonntags oder an Weihnachten gehen – diese Frage müsse schon gestellt werden. Es müsse um wohnortnahe Treffpunkte gehen, dabei um kleine Einrichtungen, nicht um große Hallen. „Wir brauchen etwas mitten im Quartier“, sagt er; der Stadtteiltreff in der Homburger Straße hat für ihn dabei Vorbildcharakter. Solche Begegnungsorte könnten auch genutzt werden, um weitere Hilfe zu organisieren, wo sie notwendig werde.

Bianca Strauss (Grüne)

Seniorenpolitik, das ist für Bianca Strauss unbedingt eine Politik der kurzen Wege. Eine gute Vernetzung, das ist für sie das Mittel sowohl gegen Vereinsamung im Alter als auch zur Aufrechterhaltung der Grundversorgung. Und wegen der kurzen Wege müsse diese Vernetzung im Quartier stattfinden. Senioren dort, wo sie leben, sich treffen und einkaufen können. Dass es nicht in jedem Quartier einen Supermarkt geben könne, weiß Bianca Strauss. Schon deshalb müsse die Mobilität von Senioren gefördert werden. Die Grünen-Politikerin freut sich, dass es viele Ehrenamtliche gibt, die sich für die Senioren engagieren. Erster Schritt müsse sein, alle zu fragen, die sich engagieren, was in der Seniorenarbeit gebraucht werde. Das könnten Räume sein als Treffpunkte, aber auch ganz andere Dinge. Viele Angebote müsse die Stadt nicht zwingend selbst organisieren, sondern oft reiche es aus, zu vermitteln und Kontakte herzustellen. Immer wieder gebe es den Willen zum Engagement, so dass oft nur ein kleiner Anstoß notwendig wäre.

Barbara Grassel (parteilos für Die Linke)

 Auch für Barbara Grassel hat die Sicherung der Nahversorgung oberste Priorität in der Politik für die Senioren. Dabei käme es zumindest darauf an, das zu erhalten, was es noch gibt – das scheint ja nicht in allen Fällen sicher. Am Beispiel Lorsbach erläutert sie, dass ein Einkaufsladen im Ort auch die Funktion eines Treffpunktes habe – der in ihrem Stadtteil jetzt fehlt. Und Treffpunkte müssten her, in den einzelnen Quartieren und Stadtteilen. Denn Senioren fahren nicht gerne weit, um sich zu treffen. Cafés und andere Treffpunkte dieser Art gebe es kaum noch. Im übrigen sei die Stadtverwaltung keineswegs machtlos, wenn es um den Erhalt der Infrastruktur gehe. In Lorsbach habe der Rückgang damit begonnen, dass die Stadt die Außenstelle schloss. Man könne nicht darauf zu setzen, dass immer mehr über das Internet erledigt wird – denn Gemeinschaft fördere dies nicht. Und noch ein wichtiges Defizit gelte es zu bekämpfen: Es fehlen öffentliche Toiletten. Für Senioren sei dies ein ernsthafteres Problem als für die Jüngeren.

Andreas Nickel (FWG)

Andreas Nickel hält überhaupt nichts davon festzulegen, was für Senioren wichtig sein könnte – er möchte sie lieber selbst befragen. Die Beteiligung müsse dabei über den Seniorenbeirat hinausgehen und dürfe andere Altersgruppen nicht ausblenden – auch die Jüngeren kommen irgendwann ins Seniorenalter und haben durchaus ihre Vorstellungen, was ihnen dann wichtig sein könnte. „Wir müssen da einen ansprechenden Prozess daraus machen“, ist es ihm wichtig, dies so zu gestalten, dass die Form der Beteiligung nicht abschreckt, sondern motiviert. Einbezogen werden müssen alle Akteure, die jetzt schon Seniorenarbeit machen. Ideen für neue Angebote und Projekte hätte er schon – Nickel kann sich beispielsweise vorstellen, dass es ein Interesse am gemeinsamen Musizieren gibt, das aber organisatorische Hilfestellungen braucht. Und warum sollte es nicht unter Beteiligung verschiedener Generationen, also inklusive der Senioren, ein „Stadt-Hofheim-Radio“ geben, wenn die Jugendarbeit schon die technische Ausrüstung dafür hat?

Wilhelm Schultze (parteilos)

Wilhelm Schultze ist überzeugt, dass viele Senioren gegen ihren Willen eher isoliert leben, sich aber nicht überwinden können, von sich aus neue Kontakte aufzubauen. Es gelte daher, Konzepte zu entwickeln, auf diese Menschen zuzugehen. Ein möglicher Akteur wäre dabei die Senioren-Nachbarschaftshilfe, die dies aber sicher alleine nicht in Angriff nehmen könne, sondern Unterstützung brauche. Ein Mittel zur Überwindung der Isolation seien Mehrgenerationenhäuser, ausdrücklich findet er daher das Projekt der HWB am Klingenborn vorbildlich. Politik für die Senioren in Hofheim hat für ihn aber noch mehr Dimensionen. Schultze weist ebenfalls auf die Notwendigkeit hin, sich um wohnortnahe Versorgungsmöglichkeiten zu kümmern. Zu überlegen wäre, ob die Stadt etwas unternehmen kann, um dem Mangel an Pflegekräften zu begegnen. Geprüft werden solle außerdem, ob in Hofheim ein stationäres Hospiz gebraucht wird – zur Zeit gibt es bekanntlich den ambulant tätige Hospizverein.

Friederike Röhr (parteilos)

Friederike Röhr geht nicht davon aus, dass der freie Markt alleine dafür sorgt, dass es ausreichend wohnortnahe Einkaufsmöglichkeiten gibt. Für Senioren müssten ehrenamtliche Lösungen gefunden werden, eventuell in Zusammenarbeit mit den bestehenden Lebensmittelmärkten. Wobei sie auch den Widerspruch benennt, dass viele den Abbau von Infrastruktur beklagen, selbst aber das nicht nutzen, was es gibt. Gut dran sind Senioren, die in der Nähe der Innenstadt wohnen. Denn dort ist auch die Nahversorgung zumeist gut gesichert, zumindest in der Hofheimer Kernstadt. Dort seniorengerechte Wohnungen zu bauen, das wäre ihr ein Anliegen. Eher klein sollten diese sein, barrierefrei und bezahlbar. Dabei würde sie eine Vermischung verschiedener Altersgruppen bevorzugen, auch junge Leute brauchen kleine und bezahlbare Wohnungen. Und es müsse auch nicht nur um große Einrichtungen mit vielen Wohnungen gehen. Auch für Friederike Röhr ist die Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft dabei ein geeigneter Akteur.






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