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Bürgervereinigung möchte Fusion – Vorstand will nicht

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Von: Manfred Becht

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Der Hofheimer Geschichts- und Altertumsverein soll aufgelöst werden. Die Bürgervereinigung Hofheimer Altstadt will das aber verhindern.

Es ist schon ein beachtliches Programm, das der Geschichts- und Altertumsverein sich für das laufende Jahr vorgenommen hatte. Eine mehrtägige Studienreise nach Augsburg gehörte dazu, Tagesexkursionen nach Karlsruhe, Mannheim und Gießen, schließlich anspruchsvolle Vorträge zu Themen wie „Reformation und Kirchenmusik“ oder „Franz von Assisi und Albert Schweitzer – Brüder im Geiste“. Ähnlich ambitioniert ist der Verein seit vielen Jahren unterwegs.

Aber das soll bald der Vergangenheit angehören. Für den 22. November hat der Vorstand zu einer Mitgliederversammlung eingeladen, bei der die Auflösung des Vereins beschlossen werden soll. Im Verein sei darüber schon 2015 gesprochen worden, so die Vorsitzende Ulrike Ostmann. Durch die Bürgervereinigung Hofheimer Altstadt ist dies nun öffentlich geworden.

Der Bürgervereinigung nämlich gefallen die Pläne des Geschichtsvereins nicht. „Für uns ist nicht vorstellbar, dass die Kernstadt Hofheim keinen Verein mehr haben sollte, der sich mit der Erforschung und Pflege der Stadtgeschichte und deren Vorgeschichte beschäftigt“, heißt es in einem Schreiben des Vorstandes. Die Bürgervereinigung appelliert ausdrücklich an die Mitglieder des Geschichts- und Altertumsvereins, am 22. November gegen die Auflösung zu stimmen.

Es ist nicht überraschend, wie die Vorsitzende des Geschichtsvereins den Vorschlag zur Auflösung begründet. Der Vorstand des Vereins sei überaltert, das Gremium sehe sich immer weniger in der Lage, ein so anspruchsvolles Programm zu organisieren. Bereits vor zwei Jahren habe sie das Thema angesprochen und jüngere Mitglieder aufgefordert, sich für Vorstandsarbeit zur Verfügung zu stellen – ohne nennenswerte Resonanz.

Dem Vorschlag der Bürgervereinigung, über eine Zusammenlegung oder Zusammenarbeit der Vereine zu sprechen, kann Ostmann nicht viel abgewinnen. Die Bürgervereinigung konzentriere sich auf die Altstadt und kümmere sich auch ein wenig um die örtliche Geschichte; der Geschichtsverein sei sich dagegen einig, auch über den Tellerrand der Stadt hinausblicken zu wollen. „Die Schnittmenge ist sehr klein“, sagt sie.

Das war nicht immer so. In den 60er und 70er Jahren gab der Verein mehrere Veröffentlichungen zu Hofheimer Themen heraus. Heimatforscher wie Rolf Kubon, Günter Rühl und Hermann Jughenn waren dort organisiert. Der frühere Bürgermeister Werner Schichtenberg war lange Vorsitzender des Vereins. Nach Ansicht der Bürgervereinigung könnte der Geschichtsverein an diese Zeiten wieder anknüpfen. Gerichtsprotokolle und Stockbücher warten auf ihre Auswertung, die Schulgeschichte sollte ebenfalls erforscht werden.

Die Bürgervereinigung könne dies doch tun und brauche dazu den Geschichtsverein nicht, so Ostmann. Trotzdem möchten die Vorstandsmitglieder der Bürgervereinigung, die auch Mitglieder im Geschichtsverein sind, bei der Versammlung am 22. November für eine Zusammenarbeit oder Fusion werben. Wie das ausgeht, lässt sich schwer vorhersagen – zur Auflösung kommt es nur, wenn drei Viertel der Mitglieder dafür stimmen.

Ulrike Ostmann geht davon aus, dass sie die Mitglieder auch durch Vorschläge zur Verwendung des Vereinsvermögens überzeugen kann. Nach ihren Worten sollen bestimmte Projekte, auch für Jugendliche, des Stadtmuseums, des Stadtarchivs und der Stadtbücherei damit unterstützt werden.

Die Chemie zwischen den beiden Vereinen – besser wohl gesagt zwischen den Vorständen – scheine aber auch nicht zu stimmen. Die Bürgervereinigung wirft dem Vorstand des Geschichtsvereins vor, ein Gesprächsangebot vom Jahresanfang ausgeschlagen zu haben und die Auflösung ohne Einbeziehung der Mitglieder vorzubereiten. Ostmann auf der anderen Seite lässt durchblicken, dass sie nicht an ein Interesse der Bürgervereinigung am Geschichtsverein glaubt – zwei Vorstandsmitglieder seien eingetreten, ohne sich je im Verein blicken gelassen zu haben. Der 22. November wird kein einfacher Abend.

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