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Ziel der Verordnung: Die Pflegekräfte sollen genügend Zeit haben, um sich um die Patienten zu kümmern.

Kliniken des Main-Taunus-Kreises

Ab Januar gilt die neue "Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung"

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Insgesamt ist die Personalsituation an den Kliniken des Main-Taunus-Kreises in Ordnung, so dass die neuen Anforderungen des Bundesgesundheitsministeriums erfüllt werden können.

Um den Patienten in deutschen Krankenhäusern Mindeststandards bei der Pflege zu garantieren, gilt ab Januar eine „Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung“, kurz PpUGV. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat sie im Oktober erlassen, weil Kliniken und Krankenkassen in der Verhandlung darüber zu keinem Ergebnis gekommen waren. Nun schlagen sich die Krankenhäuser mit der Umsetzung herum.

Auch in den Kliniken des Main-Taunus-Kreises muss in den kommenden Wochen geschaut werden, wie die verlangten Untergrenzen eingehalten werden können. Betroffen sind – zunächst – vier „pflegesensible“ Bereiche: Die Intensivstationen, die Geriatrie, die Kardiologie und die Unfallchirurgie. „Alle vier haben wir bei uns“, sagt Stefan Schad, der in der Geschäftsführung der Kliniken Frankfurt Main-Taunus seit kurzem für die Krankenhäuser in Hofheim und Bad Soden zuständig ist. Wie Pflegedienstdirektor Karsten Preissler ist er froh, dass die Verordnung den Krankenhäusern eine Übergangsfrist von drei Monaten einräumt, denn einiger Aufwand ist mit der Umsetzung auch für Kliniken verbunden, die personell nicht chronisch unterbesetzt sind. Das betreffe nur etwa 10 Prozent der Krankenhäuser bundesweit, erläutert Preissler. „Von der Gesamtanstellung ist der Personaleinsatz bei uns in Ordnung.“ Die Verordnung spricht hier von einem „Ganzhausansatz“, der stimmen muss. Das soll sicherstellen, dass nicht einfach nur Personal in die nun mit Mindestanforderungen versehenen Bereiche „verschoben“ wird, um der Verordnung Genüge zu tun, es dann aber anderswo brennt.

Paradigmenwechsel

Im Intensivbereich brauche man allerdings noch zusätzliches Personal, sagt Preissler. Es zu finden, sei grundsätzlich schon schwierig, die neue Verordnung sorge nun dafür, dass der Wettbewerb um examinierte Pflegekräfte weiter angeheizt werde. Denn die Verordnung schreibt nicht nur fest, wie viel Pflegepersonal für eine bestimmte Zahl von Patienten im Einsatz sein muss, sie begrenzt auch den Einsatz von nichtexaminierten Kräften wie Pflegehelfern. „Das ist schon ein

Paradigmenwechsel

“, erinnert Claudia Planz, die Sprecherin der Kliniken, dass lange propagiert worden sei, es brauche für viele Arbeiten im Krankenhaus gar kein examiniertes Personal. Nun dürfen etwa in der Unfallchirurgie tagsüber nur noch 10 Prozent der Pflegekräfte ohne Examen eingesetzt werden, nachts sind es 15 Prozent.

Klar, dass da jetzt ganz genau hingeschaut werden muss, wo wer mit welcher Qualifikation Dienst tut und wie den Anforderungen der Verordnung entsprochen werden kann. Für Preissler heißt das, in den nächsten Wochen viele Gespräche zu führen, um „Mitarbeiter punktgenau einzusetzen“, wie er formuliert.

Für die Kliniken-Verwaltung bedeutet die Verordnung einen deutlichen Mehraufwand, vor allem im Controlling, wie Stefan Schad deutlich macht. „Bürokratisch ist es ein Monstrum“, sagt der Geschäftsführer. Die Besetzung der Stationen und Schichten muss ermittelt und für jeden Monat ein Durchschnittswert weitergemeldet werden. Konnte ein „pflegesensibler“ Bereich nicht ausreichend mit Pflegekräften besetzt werden, muss das Krankenhaus „Vergütungsabschläge“ hinnehmen, sprich, seine Arbeit wird nicht in voller Höhe bezahlt. Ausnahmen lässt die Verordnung nur zu bei „kurzfristigen krankheitsbedingten Ausfällen, die im Ausmaß über das übliche Maß hinausgehen“ und bei „Epidemien“ und „Großschadensereignissen“. Wie das in der Praxis aussieht und wann diese Ausnahmebedingungen erfüllt sind, ist eine der offenen Fragen, die Stefan Schad benennt. Mit heißer Nadel und auf der Grundlage sehr weniger Daten sei die Verordnung gestrickt, sagt Schad, Preissler nennt sie vom Gedanken grundsätzlich richtig, aber methodisch nicht zu Ende gedacht.

„Springer-Pool“

Dass die Kliniken des MTK bereits über einen

„Springer-Pool“

verfügen, mit dessen Hilfe Lücken auf unterschiedlichsten Stationen geschlossen werden, sei nun „ein echtes Pfund“, sagt Stefan Schad. Wichtig sei zudem, weiter viele Pflegekräfte selbst auszubilden. Im Verbund mit Höchst soll die Zahl der Ausbildungsplätze in den nächsten Jahren von 225 auf 300 steigen.

Ob die Patienten etwas spüren werden von den Folgen der neuen Verordnung? Schließlich ist ja deren Ziel laut Minister Spahn ein „Zugewinn an Versorgungssicherheit“. Pflegedirektor Karsten Preissler sagt für die eigenen Kliniken: „Das glaube ich nicht.“

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