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Auch in Hofheim werden Bushaltestellen umgebaut, damit Rollstuhlfahrer wie Bodelschwingh-Schüler Konstantin, selbständig einsteigen können.

Wichtig für Rollstuhlfahrer

620 Bushaltestellen im Kreis sollen bis zum Jahr 2022 barrierefrei werden

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Busfahren ist für Menschen mit körperlichem Handicap ohnehin eine Herausforderung. Das fängt schon beim Einsteigen an. Deshalb nimmt die Main-Taunus-Verkehrsgesellschaft ein großes Projekt in Angriff.

Mehr als 620 Bushaltestellen gibt es im Main-Taunus-Kreis, und alle sollen, so will es der Gesetzgeber, bis zum Jahre 2022 barrierefrei ausgebaut sein. Wenn das irgendwo überflüssig oder nicht möglich ist, muss das im Nahverkehrsplan dokumentiert und begründet werden. Nach aktuellem Stand der Dinge aber wird man damit wohl nicht viel Arbeit haben. Bislang nämlich sei der Zeitplan eingehalten worden, berichtet Birgit Hartmann, Prokuristin der Main-Taunus-Verkehrsgesellschaft (MTV). Die MTV koordiniert den Umbau unter den Kommunen und kümmert sich um die Zuschüsse, die es vom Land Hessen dafür gibt.

Als „Riesenschritt auf dem Weg zu inklusiven Stadt“ bezeichnete Hofheims Bürgermeisterin Gisela Stang gestern das Programm, das auch in Hofheim umgesetzt wird. An der Bushaltestelle vor der Bodelschwinghschule hatten sich Vertreter von Stadt, MTV und der Hessischen Landesbahn (HLB) getroffen, um eine fertig umgebaute Bushaltestelle zu besichtigen.

An der dortigen Schule werden auch Kinder unterrichtet, die mit dem Rollstuhl unterwegs sind, insofern handelt es sich um eine Haltestelle, bei der der Umbau besonders wichtig ist. Der Praxistest eines Schülers zeigte es: Wenn der Bus zur Seite geneigt und die Auffahrt herausgeklappt wird, ist es für Rollstuhlfahrer kein Problem, alleine in den Bus zu kommen oder das Fahrzeug zu verlassen. Die

Leitstreifen

auf dem Bürgersteig erleichtern auch Sehbehinderten die Fahrt mit dem Bus, wie Professor Kurt Jacobs, Vorsitzender des Behindertenbeirates, feststellen konnte. Freilich klappt das nur einwandfrei, wenn der Bus auch ganz dicht an die Bordsteinkante heranfährt.

Er sei etwas verspätet, begründete der Fahrer eines ankommenden Linienbusses, weil dass er einen eigentlich zu großen Abstand eingehalten hatte. Es kommt also auch noch darauf an, dass die Fahrer mitmachen. Verspätungen dürfen da eigentlich keine Ausrede sein – auch wenn die Fahrer angehalten sind, die Fahrpläne einzuhalten.

Nur wenn das System nämlich funktioniert, sind die Investitionen gerechtfertigt. Die Kosten für den Umbau aller Haltestelle im Kreisgebiet wurden anfänglich auf 18,5 Millionen Euro geschätzt; dieser Kostenrahmen wird aber voraussichtlich nicht einzuhalten sein. Denn die Tiefbauunternehmen sind derzeit so stark ausgelastet, dass die Aufträge nur zu erhöhten Preisen vergeben werden können. Die Stadt Hofheim beispielsweise rechnet mit Kostensteigerungen von rund 30 Prozent. Alleine die im ersten Abschnitt umgebauten 37 Haltestellen kosten 1,3 Millionen Euro, davon gibt es vom Land einen Zuschuss von 600 000 Euro.

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