1. Startseite
  2. Region
  3. Main-Taunus
  4. Hofheim

Caritas zeigt sich weltoffen und bunt

Erstellt:

Von: Juliane Schneider

Kommentare

Torsten Gunnemann, Geschäftsführer des Caritasverbandes Main-Taunus, und Ulrike Goretzka vor einer Plakatwand der großangelegten Werbekampagne des katholischen Sozialverbandes.
Torsten Gunnemann, Geschäftsführer des Caritasverbandes Main-Taunus, und Ulrike Goretzka vor einer Plakatwand der großangelegten Werbekampagne des katholischen Sozialverbandes. © juwi

Katholischer Sozialverband wirbt um Helfer auch aus anderen Religionen und Kulturkreisen

Hofheim -Wenn Ulrike Goretzka zu ihrer Arbeitsstelle im Hofheimer Vincenzhaus geht, lächelt ihr auf einer großen Plakatwand ihr eigenes Gesicht entgegen. Auch auf Bussen und öffentlichen Plakatwänden war sie in den letzten Wochen zu sehen. „Wo ich herkomme? Aus der Demenzberatung!“, steht in großen Buchstaben neben dem Kopf, der aus dem Dunklen leuchtet, weiter unten das „Caritas-Symbol“ und ein Verweis auf die Internetseite www.caritas.work, unter der sich Interessierte um eine der vielen offenen Stellen bewerben können.

Ulrike ist eine von acht Models, die im Bistum Limburg und damit hessenweit plus einem Teil Rheinland-Pfalz durch die großangelegte Werbekampagne einen Monat lang Gesicht gezeigt haben, mitsamt der Botschaft wie bunt und weltoffen der katholische Sozialverband inzwischen ist. Bedient habe man sich an einer Idee, die in Osnabrück entstanden sei. Weiterentwickelt dadurch, dass nicht nur die Models echte Mitarbeitende, sondern auch die abgedruckten Zitate O-Töne sind, eingefangen bei dem großen, zweitägigen Fotoshooting in Limburg.

So hat Ulrike Raum bekommen zu sagen, dass sie es als Alltagsrassismus empfindet, wenn sie immer wieder gefragt wird, woher sie denn eigentlich komme, nur weil ihre Hautfarbe dunkler ist. „Ich sage dann - aus Fulda“, erzählt sie. Denn dort hatte die 56-Jährige als Tochter eines US-Amerikaners das Licht der Welt erblickt. Aufgewachsen war sie in Wiesbaden. Nach der Geburt ihrer Kinder hatte sie noch das Abitur gemacht, dann Pädagogik mit dem Schwerpunkt „Demenz“ in Frankfurt studiert. Seit zwei Jahren ist sie in der Fachabteilung der Caritas aktiv, die seit 17 Jahren - finanziert vom Main-Taunus-Kreis - Angehörige von Demenzkranken berät, aber auch die Öffentlichkeit für das Thema sensibilisieren will, wie jüngst durch den Demenzparcours im Hofheimer Museum. Angehörigen rät die Fachfrau, sich möglichst früh Hilfe zu suchen und sich beraten zu lassen. „Die meisten kommen, wenn alles ganz schnell gehen muss.“

Fachfrau in Fragen rund um Demenz

Auch Jüngeren rät sie, sich möglichst früh um Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht zu kümmern. Wenn die Diagnose „Demenz“ gestellt sei, dann werde häufig eine amtliche Betreuung hinzugezogen, um Entscheidungen zu treffen. Da sei es für den Ehepartner oft noch nicht einmal mehr möglich, das gemeinsame Haus zu veräußern, um die Pflegeeinrichtung zu bezahlen.

Für all diese Dinge finden Ratsuchende bei Trägern wie der Caritas Hilfe. Leider werde der Pool, aus dem die Träger Mitarbeiter schöpfen können, immer kleiner, so der Geschäftsführer des Main-Taunus-Verbands, Torsten Gunnemann. Bürokratie mache ihnen dabei zusätzlich zu schaffen. So sei die Hürde der Anerkennung ausländischer Abschlüsse viel zu hoch. Auch Ulrike Goretzka kennte einen ausgebildeten Mediziner, der sogar mehrere Bücher veröffentlicht hat, dessen Studium noch nicht einmal für eine Tätigkeit als Pfleger ausgereicht hatte, der stattdessen als Koch in der Flüchtlingsunterkunft arbeitete.

Aufräumen möchte die Caritas durch ihre Aktion mit dem Vorurteil, dass Mitarbeitende des katholischen Sozialwerks eine bestimmte Religion und Lebensstil mitbringen müssen. Auch Muslime, gleichgeschlechtlich Lebende und Geschiedene sind willkommen.

Models der Aktion teilen gemeinsame Werte

Vereinend sollen jetzt gemeinsame Werte wirken. Die Models der Aktion, die in Jugend- und Altenhilfe, in Kindergarten, Suchtberatung und Wohnungslosenhilfe tätig sind, stehen dafür stellvertretend und geben in ihrem Statement kund, wie wohl sie sich bei ihrem Arbeitgeber fühlen, Sozialleistungen und Flexibilität inbegriffen.

Auch Ulrike ist in ihrem Job angekommen. Bewusst hat sie sich für die Arbeit mit älteren Menschen entschieden. Denen müsse man nämlich genauso viel Zuwendung wie Kindern schenken, findet sie. Zu wenig allerdings werde die Demenzberatung leider noch von Angehörigen anderer Kulturkreise in Anspruch genommen, bedauert sie. Zum einen gehe man sicher anders mit den älteren Menschen in der Familie um, vorbei seien aber die Zeiten, in denen Senioren zurück in die Heimat wie etwa die Türkei gegangen seien, so ihre Erfahrung. „Die bleiben jetzt hier.“

Und so möchte sie mit ihrem Gesicht und ihrem Statement auch dazu beitragen, dass sich jeder traut, bei der oft belastenden Betreuung dementer Angehöriger die Hilfe der Caritas in Anspruch zu nehmen.

Auch interessant

Kommentare