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Begeisterten die Zuhörer mit ihrer gelungenen Interpretation der Johannespassion: Der Chor von St. Peter und Paul unter der Leitung von Matthias Braun sowie das Rhein-Main Barockorchester.

Bachs Johannespassion

Chor von St. Peter und Paul: Musikalischer Oster-Auftakt

Es ist eines der schwierigste Werke von Johann Sebastian Bach: Der Chor von St. Peter und Paul wagte sich unter der Leitung von Matthias Braun an die Johannespassion. Und bekam Unterstützung eines besonderes Ensembles.

Es mag für viele heute unglaublich erscheinen, aber als Johann Sebastian Bach 1723 die Stelle als Thomaskantor in Leipzig antrat, galt er bei den Stadtvätern keinesfalls als Wunschkandidat, erst nachdem Georg Philipp Telemann und Christoph Graupner die Stelle ausschlugen einigte man sich auf den gebürtigen Eisenacher. Eng damit zusammen hängt auch, dass Bachs Musiksprache bei seinen Zeitgenossen nur verhaltenen Anklang fand. Seine Vertonungen der Leidensgeschichte Christi sind hierfür das beste Beispiel.

Obwohl für den liturgischen Gebrauch geschaffen, hat Bach die Handlung mit seiner Musik in einem Maße dramatisch verstärkt, dass sich die Zuhörer an eine Oper erinnert fühlten – was zu Bachs Zeiten freilich kein Kompliment darstellte. Aber gerade die intensive Ausdeutung des Textes fasziniert das Publikum heute und trägt mit dazu bei, dass die Aufführung einer Bach-Passion eine hohe Besucherzahl garantiert.

Die Aufführung der Johannes-Passion am Sonntagnachmittag in St. Peter und Paul bildet hier keine Ausnahme, zumal der Chor der Gemeinde unter der Leitung von Matthias Braun für dieses Konzert mit dem Rhein-Main Barockorchester ein besonderes Ensemble verpflichten konnte.

Dennoch, ein solches Werk ist stets eine Hypothek, denn abgesehen von den technischen und musikalischen Herausforderungen, die auf allen Ebenen zu bewältigen sind, gehört die Johannes-Passion zu den wohl am meisten gespielten Werken in der Kirchenmusik – die Vergleichsmöglichkeiten zwischen guten und hervorragenden Interpretationen sind also äußerst groß. Wer da herausstechen möchte, muss einiges auffahren. Aber Matthias Braun und der Chor von St. Peter und Paul zeigten sich gut gewappnet.

So wurde auf die Gestaltung der Chöre große Sorgfalt gelegt, wovon bereits der mitreißend-dynamische Eingangschor „Herr, unser Herrscher“, trotz anfänglicher Ungenauigkeiten im Zusammenspiel zwischen Chor und Orchester zeugte. Auch die Verkörperung der erregten Volksmassen, wie in den bedrohlichen „Kreuzige“-Rufen oder auch der beharrenden Fuge „Wir haben ein Gesetz“ gelang sehr gut. Dies gilt auch für die eingestreuten Choräle, hier wurde der Inhalt der Choralstrophen gut nachempfunden, ohne dabei in die Falle einer plakativen Ausdrucksstärke zu tappen.

In den beiden Bass-Arien „Eilt, ihr angefochtnen Seelen“ und „Mein teurer Heiland“ fügten sich die Sängerinnen und Sänger des Chores als begleitendes Element wunderbar in den Orchestersatz ein. Überhaupt zeigte sich das Ensemble des Rhein-Main Barockorchesters von einer guten Seite und präsentierte einen eleganten Gesamtklang, der stets schlank daherkam, aber die musikalische Dramatik nie vernachlässigte.

Vervollständigt wurde das Ensemble durch eine gute Solistenriege. In den bereits erwähnten Bass-Arien brillierte Hans-Georg Dechange, dessen ausdrucksstarkem und souveränem Vortrag anzumerken war, wie gut er dieses Werk, das er selbst mehrfach dirigierte, kennt.

Ebenso positiv sind aber auch die anderen Solisten zu erwähnen, vorab Daniel Sans, der einen schlanken, klaren und schnörkellosen Evangelisten gab und Thomas Peter mit seiner klangvollen Jesus-Partie. Nicht zu vergessen Rahel Maas mit ihrem technisch versierten und mit viel Feingefühl eingesetzten Sopran (etwa in der Arie „Ich folge dir gleichfalls mit freudigen Schritten“) ebenso zu überzeugen verstand, wie die Altistin Marie Seidler, die mit der Todesarie „Es ist vollbracht“ einen der Höhepunkte der Passion bestreiten durfte.

Am Ende stand eine hörenswerte Gesamtleistung, die mit minutenlangem Beifall und Standing Ovations bedacht wurde. Schön, wenn solches Engagement dann am Ende auch belohnt wird. Ein gelungener Einstieg in die Kar- und Ostertage.

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