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Das Team von Showspielhaus und Posthofkeller: Bernhard Westenberger, Janosch Westenberger und Hans-Jürgen Mock (v. l.).

Finanziell am Ende

Kultur leidet unter Corona und Teil-Lockdown: „Hier wird eine ganze Branche geopfert“

  • Ulrike Kleinekoenen
    vonUlrike Kleinekoenen
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So geht die Kultur vor die Hunde: Showspielhaus-Chef Bernhard Westenberger kritisiert die wiederholten Corona-Einschränkungen heftig.

  • Wegen drastisch steigenden Corona-Infektionszahlen wird ab Montag (02.11.2020) in Deutschland ein Teil-Lockdown verhängt.
  • Die Gastronomie- sowie Kulturbranche leiden massiv unter den strengen Einschränkungen.
  • Bernhard Westenberger, Chef des Showspielhauses in Hofheim, kritisiert die Beschlüsse der Bundesregierung.

Hofheim/Kriftel – Die Redaktion erreichte Bernhard Westenberger, einer der beiden Geschäftsführer des Showspielhauses, als er im Fernsehen die Regierungserklärung von Bundeskanzlerin Angela Merkel schaute, die im Bundestag die neuesten Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie erklärte. Den Worten lausche er mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch, gestand Westenberger, der allerdings gleich hinzufügte, dass er Verständnis dafür habe, dass das Virus eingedämmt werden muss. Jedoch ist der Comedian überhaupt nicht einverstanden mit den am Mittwoch (28.10.2020) getroffenen Maßnahmen. Denn hier werde „eine ganze Branche geopfert“, nur um zu zeigen, dass man was tut.

Kultur in der Corona-Krise: Branche investiert viel, um sicher zu arbeiten

Keine Branche wie Theater und Gastronomie hätten so viel investiert, um nach dem ersten Corona-Lockdown wieder arbeiten zu können, sagt Westenberger. In seinem Showspielhaus hat er mit seinem Geschäftspartner Hans-Jürgen Mock eine moderne Klima- und Filteranlage eingebaut, zwischen den Reihen wurden Plexiglas-Abtrennungen angebracht und Einlass haben nach dem dreiseitigen Hygienekonzept nur noch 100 statt 200 Besucher. Rund 70.000 Euro haben diese Nachrüstungen zur Sicherheit der Besucher gekostet. „Wir haben in die Zukunft investiert“, sagt Westenberger bitter.

Für ihn ist das Konzept schlüssig, denn nachweislich seien nicht die Theater die Hot-Spots, in denen sich das Coronavirus verbreitet. Das seien vielmehr private Feiern. Seiner Meinung nach hat die Bundesregierung verpasst, einige Maßnahmen besser zu erklären. Die anfängliche Diskussion, ob Masken sinnvoll sind oder nicht, habe viele verunsichert. „Wenn alle eine Maske tragen und Abstand halten, dann hätten wir einen wichtigen Teil gut gemacht im Kampf gegen das Virus“.

Hofheim: Showspielhaus-Geschäftsführer ist wegen Corona finanziell am Ende

Dass der Finanzminister verspricht, dass Kleinunternehmen 75 Prozent der Umsätze aus dem November 2019 erhalten sollen, findet Westenberger einen „guten Ansatz“, wenn das Geld denn kommt. Im Frühjahr hatte das Showspielhaus bereits 30.000 Euro als Überbrückungshilfe erhalten, der zweite Zuschuss wurde auf 21 000 Euro reduziert wegen der Einnahmen durch einen Biergarten, den das Theater-Team im Hattersheimer Posthof errichtet hatte. Obwohl – das Freiluftlokal habe sich finanziell überhaupt nicht gelohnt, sagt Westenberger, aber so habe er wenigstens seine beiden Köche beschäftigen können.

Finanziell sei er am Ende, gibt der Geschäftsführer offen zu. Die Corona-Ausfälle seit das Showspielhaus am 12. März zum ersten Mal geschlossen hatte, hätten sich auf über 400.000 Euro summiert. Dafür habe er einen Kredit, für den der Bund bürgt, bei der kfw-Bank in Anspruch genommen und sich mit 250.000 Euro verschuldet. Dass die Bank angesichts der derzeitigen Niedrigzinsphase drei Prozent Zinsen verlange, ist für Westenberger schlicht „Wegelagerei“.

Kulturbranche leidet in der Corona-Pandemie stark: „Wir stecken den Kopf nicht in den Sand“

Seit dem Neustart im September waren im Showspielhaus von den 100 erlaubten Plätzen durchschnittlich nur die Hälfte besetzt. „Das reichte gerade, um die Fixkosten zu decken“, sagt der Geschäftsführer, der damit rechnet, dass er noch lange Zeit sein Theater nicht voll besetzen darf. Von Januar bis Juni 2021 besteht das Programm ausschließlich aus Vorstellungen, die in diesem Jahr wegen Corona ausgefallen sind und dann nachgeholt werden sollen. Vorstellungen, für die die Tickets schon bezahlt sind.

Doch Westenberger verspricht: „Wir stecken den Kopf nicht in den Sand“. Im nächsten Jahr feiert das Showspielhaus sein zehnjähriges Bestehen in der ehemaligen Halle der Papierfabrik Wagner. Zehn Jahre, in denen das Theater eigenständig war. Doch angesichts der Corona-Pandemie mit ihren weitreichenden Auswirkungen fürchtet Westenberger, dass es nicht ohne Subvention weitergehen wird: „Ich weiß nicht, wie wir es sonst wirtschaftlich auf die Reihe bekommen sollen“. Jetzt habe er ja viel Zeit, seine Gedanken in ein konkretes Konzept zu fassen – denn ab Montag (02.11.2020) ist das Showspielhaus zu. (ulk)

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