Lebensmittelretter Darius Gevelhoff fährt fast täglich mit dem Lastenfahrrad seine Runde, um Lebensmittel vor der Tonne zu bewahren.
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Lebensmittelretter Darius Gevelhoff fährt fast täglich mit dem Lastenfahrrad seine Runde, um Lebensmittel vor der Tonne zu bewahren.

Lebensmittelverschwendung

Der Lebensmittel-Retter kommt mit dem Rad

  • VonManfred Becht
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Trotz der Tafeln müssen Supermärkte immer noch viele Nahrungsmittel wegwerfen

Main-Taunus -Welche Supermärkte und anderen Geschäfte die Lebensmittel-Retter regelmäßig besuchen, das verrät Darius Gevelhoff nicht. Die Ladenbetreiber sehen das nämlich nicht gerne, mit Blick auf ihre Kunden. Dem einen oder anderen könnte die Bereitschaft abhanden kommen, für Nahrungsmittel etwas zu bezahlen, wenn die Lebensmittel-Retter Gemüse, Backwaren und anderes später kostenlos verteilen.

Was ist die Idee? Zwölf Millionen Tonnen noch genießbarer Lebensmittel werden in Deutschland jährlich weggeworfen, hat die Welthungerhilfe festgestellt. Manchmal ist das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen, was überhaupt nicht heißt, dass die Dinge nicht mehr verzehrbar sind. Oft wird von den Läden auch einfach zu viel frische Ware bestellt. Und oft geht es um Früchte, die nicht ganz makellos aussehen und deshalb nicht gekauft werden.

In Frankreich dürfen die Supermärkte solche Lebensmittel nicht mehr wegwerfen, in Deutschland schon. Es ist sogar verboten, diese Dinge aus den Containern zu holen. Das sehen die Lebensmittel-Retter so nicht ein. Es gehe darum, wertvolle Lebensmittel vor der Mülltonne zu bewahren, sagt Gevelhoff. Das Ziel, bedürftige Menschen mit Lebensmitteln zu versorgen, stehe im Vordergrund.

Die Tafeln sind an erster Stelle

Deshalb kämen auch immer zuerst die Tafeln an die Reihe. Um Lebensmittel, die von diesen verteilt werden, braucht sich kein Lebensmittel-Retter mehr zu kümmern. "Die nehmen aber längst nicht alles", weiß Gevelhoff. Was übrig bleibt, holen die Retter. Das funktioniert ganz nach Absprache unterschiedlich mit den einzelnen Märkten, manchmal regelmäßig, manchmal auf Zuruf. "Die wissen oft genau, wann sie was wegwerfen müssen", so Gevelhoff.

Er selbst fährt fast täglich bei einer Bäckerei vorbei, und meistens kann er auch etwas mitnehmen. "Die freuen sich, weil sie dadurch viel Müll vermeiden", berichtet er. Gevelhoff freut sich natürlich auch. Über Monate hat er Lebensmittel-Rettung mit einem Lastenfahrrad betrieben, das funktioniert. Positiver Nebeneffekt für ihn selbst, neben dem Einsatz für die gute Sache und der sportlichen Ertüchtigung: Einkaufen geht er nur noch selten.

Aber wie werden die Lebensmittel überhaupt verteilt? In Flörsheim hat eine Mitstreiterin einen öffentlichen Kühlschrank aufgestellt, einen sogenannten Fairteiler. Dort kommen so viele Interessenten, dass immer alles abgeholt wird. Aber so ein Kühlschrank ist eine aufwendige Sache, er muss immer wieder gereinigt werden, und eine Menge behördliche Auflagen sind zu erfüllen. Daran hat eine neue Lebensmittel-Retterin nicht gedacht, die in ihrer Begeisterung einfach einen Kühlschrank auf der Terrasse aufgestellt hat. Das geht nicht. Der musste deshalb wieder verschwinden.

In Hattersheim wird die Verteilung über eine Whatsapp-Gruppe organisiert. Wer etwas gerettet hat, teilt der Gruppe mit, was, wann und wo abgeholt werden kann. Wobei auch nicht immer alles einfach unter die Leute zu bringen ist. In einem Markt seien einmal zwei Paletten Radieschen angeboten worden, berichtet Gevelhoff. Auffälligerweise bleibe oft zu einem Zeitpunkt bei allen Märkten das gleiche übrig.

Noch keine feste Struktur

Eine feste Struktur haben die Lebensmittel-Retter im Kreisgebiet noch nicht. Neben Gevelhoff sind es Andrea Mohr aus Eschborn und Pia Würzburger aus Flörsheim, die die 70 bis 80 Aktiven koordinieren. Mittelfristig soll das Ganze die organisatorische Form eines Vereins bekommen, aber das steht nicht im Mittelpunkt. Mehr Lebensmittel-Retter werden gebraucht, denn es wird immer noch viel weggeworfen.

"Jeder entscheidet selbst, wie viel und wie oft er rettet", stellt Gevelhoff klar. Verpflichtungen, die man nicht einhalten kann, geht man also nicht ein. Aber wenn man will, kann es um große Mengen gehen. Nach eigener Schätzung hat Gevelhoff in den beiden vergangenen Jahren rund drei bis vier Tonnen Lebensmittel vor der Mülltonne bewahrt.

Kontakt

Die Lebensmittel-Retter sind per E-Mail unter der Adresse main.taunus@foodsharing.network zu erreichen.

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