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Die ehrenamtliche Arbeit im Magistrat macht dem Christdemokraten Wolfgang Sittig auch nach einem halben Jahrhundert noch viel Spaß.

Kommunalpolitik

Wolfgang Sittig ist seit 50 Jahren ehrenamtlicher Stadtrat

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Das gab’s noch nie in Hessen: Auf runde 50 Jahre im Magistrat kann Stadtrat Wolfgang Sittig am 15. Januar zurückblicken.

Kreisblatt-Redakteur Hans Konanz hat es 1969 im Bild festgehalten, wie der erst 28 Jahre alte Wolfgang Sittig die Hand zum Schwur hob. Ehrenbeamte sind die ehrenamtlichen Mitglieder der Verwaltungsspitze, die auf die Verfassung des Landes Hessen vereidigt werden. Ein halbes Jahrhundert ohne Unterbrechung übt Sittig sein Amt nun schon aus. Das ist einsamer Rekord in Hessen. Den hätte die eigene christdemokratische Partei beinah vereitelt. Denn sie hatte den Maschinenbau-Ingenieur mit durchaus eigenem Kopf (Sittig: „Ich bin ja nicht einfach zu händeln“) schon 2006 erstmals per hinterem Listenplatz vor der Kommunalwahl zum „alten Eisen“ sortiert. Allein – die Wähler wollten es stets anders und hievten den „CDU-Sittig“ wieder weit genug nach vorn für weitere Amtsperioden.

Großes Pflichtgefühl

Dass er schon im Magistrat saß, als Bürgermeisterin Gisela Stang (SPD) noch gar nicht geboren war, wie Sittig selbst einmal festgestellt hat, macht ein wenig die Dimensionen dieser ungewöhnlichen Ausdauer im Ehrenamt deutlich. Selbst wenn es hinter seinem Rücken schon mal heißt: „Der kann nicht loslassen“, ficht das Wolfgang Sittig nicht an. „Ein ziemlich großes Pflichtgefühl“ sei ihm „von Kindesbeinen an eingeimpft“ worden, sagt er. Er versuche noch immer, „ein bisschen was zu bewegen“. Vieles gelinge nicht, räumt er allerdings ein. „Da können Sie noch so viel rechthaben, wie Sie wollen, in der Demokratie brauchen Sie eine Mehrheit. Und wenn Sie die nicht kriegen – das ist manchmal herb“, sagt der Jubilar zum Kreisblatt.

Dass gerade im Magistrat Erfahrung ein großes Pfund ist, genauso wie über die nötige Zeit und Sorgfalt zu verfügen, die vielen Unterlagen auch zu lesen, kann er sich ebenfalls zugute halten. Deshalb sagt er auf die Frage, ob das goldene Jubiläum für ihn Anlass ist, über einen Rückzug nachzudenken, auch eher wenig überraschend: „Ich würd’ schon noch ein bisschen weitermachen.“

Die Wahlperiode dauert ja auch noch bis 2021. Und Wolfgang Sittig fühlt sich fit genug, nach Werner Schwichtenberg, Friedrich Flaccus, Rolf Felix und Gisela Stang auch noch einen fünften Bürgermeister im Magistrat zu erleben. Geht es darum, die Stadt Hofheim zu repräsentieren, ist der 78-Jährige noch immer einer ihrer fleißigsten Vertreter. Für gleich drei der sieben Ortsbeiräte hat er die Rolle des Ansprechpartners übernommen. Zu den Sitzungen in Marxheim und Wallau kommt er mit dem Rad, das nach wie vor kein E-Bike ist. Auch mit Ehefrau Birgit ist der Vater von drei Söhnen und zehnfache Großvater nahezu täglich sportlich unterwegs, per Tandem. Die tadellose Figur lässt aber auch auf einen schließen, der maßhalten kann. „Ich hab’ ja eine Waage“, bestätigt Wolfgang Sittig die entsprechende Vermutung mit dem für ihn typischen trockenen Humor.

Fit im Kopf scheint die ständige Beschäftigung mit immer neuen Themen der Verwaltung zudem zu halten. Der Magistrat ist aber längst nicht das Einzige, was Wolfgang Sittigs Tage füllt. „Papa, was ist denn dein nächstes Projekt?“, hat ihn einer seiner Söhne erst gerade wieder gefragt. Nicht selten ist es ein Engagement für den Lions-Club. „Ich brauch’ immer was“, sagt Sittig von sich selbst.

Im Rückblick auf ein halbes Jahrhundert in der Verwaltungsspitze sieht Sittig zwei besonders große Veränderungen – die Einführung der Direktwahl von Bürgermeistern und die Änderung der Haushaltsführung von der Kameralistik auf die Doppik. Beides hat in seinen Augen auch eine Menge Nachteile gebracht. Um eine Verwaltung gut zu führen, müsse man kein „Gasse-Glänzer“ sein – doch solche seien bei einer Direktwahl klar im Vorteil. Und was die Doppik angeht, sei es für Nicht-Fachleute schwieriger geworden, städtische Haushalte zu lesen, „auch für mich“ – trotz jahrzehntelanger Beschäftigung mit dem Thema Etat.

Kritischer Geist

Als kritischen Geist stört Wolfgang Sittig, dass vieles schon in einer Verwaltung „hängenbleibt“, von dem die ehrenamtlichen Magistratsmitglieder dann in den Vorlagen gar nichts mehr erführen. Nachzufragen stoße nicht immer auf Begeisterung. Doch Sittig wäre nicht Sittig, wenn er sich davon beeindrucken ließe. „Ein Dezernent sieht manches vielleicht anders, aber der ist ja auch kein Ingenieur“, sagt er mit feinem Lächeln. Selbst denken, nachbohren, eigene Ideen vorbringen, das will der gebürtige Frankfurter jedenfalls auch künftig unverdrossen. „Wir müssen als Bürger den Staat ein bisschen mittragen“, lautet sein Credo. Die Demokratie sei schließlich kein Selbstläufer. „Für mich ist das jedenfalls ein Motiv, dabei zu bleiben“, sagt Sittig selbstbewusst.

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