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Wer wird CDU-Vorsitzender? Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz, Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer und Gesundheitsminister Jens Spahn (von links) bei der ersten CDU-Regionalkonferenz in Lübeck.

Kandidaten stellen sich vor

Dreikampf der CDU: Das sagt die Hofheimer Basis

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Die Kandidaten, die Angela Merkel auf dem Chefsessel der CDU nachfolgen möchten, stellen sich gerade bei Regionalkonferenzen der Basis vor. Wen würden Mitglieder aus der Kreisstadt wählen, wenn sie die Chance hätten, als Delegierte Anfang Dezember beim Parteitag in Hamburg dabei zu sein? 

Der neue Stadtverordnetenvorsteher Andreas Hegeler hat bereits seinen Wunsch-Kandidaten ausgeguckt. „Ich sehe Friedrich Merz in der Favoritenrolle“, sagt Hegeler. „Er ist klar ein Wirtschaftsmann“, begründet der Diedenberger, selbst Bankkaufmann, was ihn für Merz einnimmt. Hegeler traut dem Sauerländer, der für einen konservativeren Kurs steht, zudem zu, der AfD Stimmen abzunehmen. „Das wäre wichtig.“ Gut gefällt dem Christdemokraten, dass nicht nur ein Kandidat zur Wahl steht. „Das ist zutiefst demokratisch.“ Gern hätte Hegeler eine Regionalkonferenz besucht, doch weil die Veranstaltung, die am morgigen Dienstag in Mainz stattfinden sollte, kurzfristig nach Idar-Oberstein verlegt wurde, ist das für ihn kein Thema mehr.

Das geht auch Wolfgang Exner nicht anders. Der Erste Stadtrat sagt: „Das ist zeitlich einfach nicht drin.“ Die hessischen Parteimitglieder seien sogar am Mittwoch nach Seebach in Thüringen eingeladen. Er verfolge aber die Berichterstattung derzeit sehr genau, sagt Exner, immerhin sei es „nicht ganz unwichtig für die Basis und die Motivation“, wer die Parteispitze übernehme. Eine Entscheidung, wer ihm persönlich am liebsten wäre, hat der Wallauer noch nicht getroffen. „Ich würde mir wünschen, dass es eine Mischung zwischen Merz und Kramp-Karrenbauer gäbe“, macht er deutlich, wo sein Problem liegt. Konservative Grundsätze zu haben sei grundsätzlich gut, „wir dürfen aber nicht aus der Mitte wegrücken“, ist Exner sicher.

Dagmar Siegemund gibt offen zu, dass sie es wirklich bedauert, in diesem Jahr nicht mehr zu den Parteitags-Delegierten zu zählen. Die langjährige Vorsitzende der Frauenunion im Main-Taunus, die sich aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen hat, verfolgt akribisch alle Pressekonferenzen der Kandidaten am Fernsehschirm. Schon als Friedrich Merz damals aufgehört habe, „habe ich gesagt; Der kommt wieder’“, erinnert sie sich noch gut. Dass Gesundheitsminister Jens Spahn neuer Parteichef wird, glaubt Siegemund nicht. Sie traut es eher Annegret Kramp-Karrenbauer zu, die sie im Landtagswahlkampf in Hofheim erlebt hat. „Sehr gut“ habe sich „AKK“ hier präsentiert. „Sie sagt, was sie denkt und es hat wirklich Hand und Fuß.“ Dagegen sei ihr Friedrich Merz zuletzt etwas arrogant vorgekommen. „Das sollten wir nicht mehr haben“, meint die Hofheimerin. Auch sie hätte aber am liebsten eine Mischung zwischen beiden. Für Siegemund besonders gut: „Dass wir diese Vielfalt haben. Das soll uns erst einmal einer nachmachen.“

Elli Wagner, Ortsvorsteherin der Hofheimer Kernstadt, sagt, ihr sei „nicht wichtig, ob es eine Frau oder ein Mann wird, mir geht es um die Ziele.“ Zuerst habe sie Merz für die beste Wahl gehalten, doch mittlerweile habe sie festgestellt, dass auch Kramp-Karrenbauer „es sehr gut macht.“ So sei sie aktuell eher „hin- und hergerissen“. Wagner würde Kramp-Karrenbauer, Merz und Spahn am liebsten allesamt künftig in Spitzenämtern sehen, „Jeder hat so seine Schwerpunkte und wir bräuchten eigentlich alles.“

Bernhard Racky, langjähriger CDU-Schatzmeister in Hofheim, hat sich dagegen entschieden: „Wenn ich zu wählen hätt’, ich würde Frau Kramp-Karrenbauer wählen.“ Sie komme für ihn „am klarsten rüber, hat sich aus kleinen Verhältnissen hochgearbeitet, hat viel Erfahrung und ist ein Familienmensch.“ Nach der 17-jährigen Ära Merkel erneut eine Frau an der Parteispitze zu haben, würde Racky überhaupt nicht stören. „Mann oder Frau, das ist doch nicht wichtig.“

Armin Thaler, Stadtverordneter und Banker, würde dagegen für Merz votieren. Kramp-Karrenbauer liege „sehr auf der Linie Merkel“, glaubt Thaler, der an Merz schätzt, dass er „mal raus aus der Politik“ gewesen sei und nun mit frischem Blick von außen komme.

Dr. Kristin Seitz, Fraktionschefin der CDU im Marxheimer Ortsbeirat, ist mit ihrer Meinungsbildung noch nicht fertig. Auch sie verfolge das Rennen sehr gespannt, informiere sich gründlich durch Zeitungsartikel, „aber festlegen kann ich mich noch nicht“, sagt die Juristin und zweifache Mutter. Grundsätzlich hätte sie besser gefunden, wenn langfristig jemand als Nachfolgerin oder Nachfolger aufgebaut worden wäre, sagt Seitz. Was ihr die Festlegung schwer macht: Es gehe bei der Wahl längst nicht nur um die Person, „da stehen weitreichende Erwägungen dahinter, und es ist schwer vorauszusehen, was es jeweils bedeuten könnte.“ Von CDU-Chef Christian Vogt gab’s gestern keine Antwort. Er ist im Urlaub.

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