Jörn Dillenberger (parteilos) ist seit Anfang der Woche der neue Ortsvorsteher in Wildsachsen. Der 45-Jährige engagiert sich in zahlreichen Vereinen und ist Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr.
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Jörn Dillenberger (parteilos) ist seit Anfang der Woche der neue Ortsvorsteher in Wildsachsen. Der 45-Jährige engagiert sich in zahlreichen Vereinen und ist Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr.

Politik

Ein Vereinsmensch aus Leidenschaft

  • VonManfred Becht
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Wildsachsens neuer Ortsvorsteher Jörn Dillenberger: Wir wollen die Bürger noch besser erreichen.

Wildsachsen -Jörn Dillenberger ist Single und hat keine Kinder. Aber braucht man eine Familie, wenn man aktiver Feuerwehrmann ist, seit 20 Jahren bei der SG Wildsachsen Volleyball spielt, sich beim Theaterverein als Schauspieler auf die Bühne stellt, bei der Fastnacht im Männerballett mitmacht, sich in der Kirchengemeinde beim Männerkochen engagiert? Vielleicht ist diese Frage falsch gestellt, vielleicht müsste sie eher lauten, ob man für eine Familie noch Zeit hätte?

Jörn Dillenberger hat sich aber eine andere Frage gestellt, nämlich die, ob neben dem ganzen Engagement in der Wildsächser Vereinswelt Raum bleibt für den Posten des Ortsvorstehers. Die Frage hat der 45-Jährige mit "Ja" beantwortet. Und vier Mitglieder des Ortsbeirates waren der Meinung, dass er der richtige Mann für diesen ehrenamtlichen Job sei. Das ist die Mehrheit in dem sieben Personen kleinen Gremium, und so ist Dillenberger, wie berichtet, seit Montag auch Ortsvorsteher.

Wobei er weiß, worauf er sich einlässt. Dillenberger gehörte dem Ortsbeirat in der vorletzten Wahlperiode an. Damals wie jetzt kandidierte er für die SPD, gehört der Partei aber nicht an - auf örtlicher Ebene ist das nicht außergewöhnlich. Zur Ortspolitik ist er über den heutigen SPD-Stadtrat Bernhard Köppler gekommen, der ihn angesprochen habe, berichtet Dillenberger. Die beiden kennen sich lange - in den neunziger Jahren sei Köppler einmal Betreuer bei den Ferienspielen gewesen, er selbst Teilnehmer.

Zu dem Zeitpunkt war Dillenberger schon in der Feuerwehr. Er ist mit zwölf Jahren eingetreten, sein Vater war schon ein Feuerwehrmann, sein Großvater auch. Er selbst verstärkt nicht nur die Einsatzabteilung, sondern arbeitet auch im Vorstand des Feuerwehrvereins mit; die Kinderfeuerwehr hat er gegründet. Die Freiwillige Feuerwehr, das ist ihm der wichtigste seiner Vereine.

Das Vereinswesen wurde ihm in die Wiege gelegt. Mit seiner Familie kam er 1982 im Alter von sechs Jahren aus Diedenbergen nach Wildsachsen, die Mutter war dann die Hausmeisterin des Vereinshauses. "Ich hatte gar keine andere Chance", sagt er über seinen Weg zum Vereinsmenschen. Natürlich sei viel zu tun, und er hat ja seinen Hauptberuf als Steuerfachangestellter. "Das ist positiver Stress", stellt er klar.

Die große Gemeinschaft im Ort und in den Vereinen, das sei das, was ihm so gut gefalle. Natürlich sind nicht alle Wildsächser dabei - letztlich bestreite eine Gruppe von 100 bis 120 Personen das öffentliche Leben im Taunusdorf. Die sehen sich bei allen Gelegenheiten, auch andere Mitglieder des Ortsbeirates sind dort aktiv - die meisten gut vernetzt.

Aber es gibt ja noch die anderen - die, die man nicht bei jedem Fest sieht. "Wir wollen die Bevölkerung besser erreichen", sagt Dillenberger mit Blick auch auf diese Gruppe. Es ist kein Zufall, dass er auf die Frage, was er sich für das neue Amt vorgenommen hat, mit dem antwortet, was der Ortsbeirat insgesamt plant. Man legt auf Gemeinsamkeiten Wert, hat gleich für die erste Sitzung eine Reihe von Anträgen und Anfragen gemeinsam eingebracht. "Wir wollen als Team auftreten", so Dillenberger. Wie man noch mehr Menschen ins Ortsgeschehen besser einbinden kann, auch wie die Politik mit mehr Wildsächsern ins Gespräch kommen kann, darüber möchte man sich unterhalten.

Themen gibt es genug, über die in der Ortspolitik und mit den Leuten gesprochen werden kann. Der Durchgangsverkehr ist Dauerthema Nummer eins, die Erschließung des Baugebietes Junghainzehecken noch nicht abgeschlossen, das Thema Ultranet erst recht noch nicht erledigt.

In den nächsten Monaten wird auf die Wildsächser die Frage zukommen, was aus dem Gelände des Busdepots in der Ortsmitte wird. Die Stadt hat angekündigt, eine breite Bürgerbeteiligung organisieren zu wollen. Dillenberger weist darauf hin, dass kleinere Mietwohnungen fehlen im Ort - das wäre eine mögliche Vorstellung. Aber viele unterschiedliche Ideen sind vorstellbar - und deshalb ist es spannend, ob es eine gemeinsame Linie der Ortsbeiratsparteien geben wird.

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