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Gäste willkommen! Blick in die moderne Bücherei in Wetzlar: Hier gibt es auch Platz zum Malen oder Basteln und eine gemütliche Leseecke.

Bauprojekt

In der neuen Hofheimer Bücherei soll man sich wohlfühlen

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Die neue Hofheimer Stadtbücherei wird im Gebäudekomplex am Kellereiplatz untergebracht. Sie wird nicht nur größer, sondern auch attraktiver.

Noch ist nicht einmal die Baugrube ausgehoben. Doch die Überlegungen, wie sie einmal werden soll, Hofheims neue Stadtbücherei, sie sind längst im vollen Gange. Immerhin soll aus dem, was lange Traum war, ja nun doch vom nächsten Jahr an Stein auf Stein Wirklichkeit werden. Und damit das Gebäude gut auf seine Nutzung abgestimmt wird, macht es Sinn, vorher klar zu sagen, was bei Bau und Inneneinrichtung berücksichtigt werden muss. Bücherei-Leiterin Nicole Dietzel und ihr Team haben sich bereits einige Anregungen in anderen neuen Bibliotheken geholt. „Wir waren in Wetzlar, Bad Vilbel, Bad Homburg und Ingelheim und wollen noch nach Weiterstadt“, zählt Dietzel auf. Sehr interessant sei das gewesen, „wir haben viel gelernt.“

Mehr als nur Ausleihe

Wichtig für eine moderne Bücherei (oder Mediathek) sind attraktive Aufenthaltsflächen. Denn die Nutzer sollen hierher nicht nur zur klassischen Ausleihe kommen. Leseförderung, die Vermittlung von Kompetenzen im Umgang mit Medien, Teilhabe an Bildung ohne Konsumzwang – das alles gehört zum Auftrag öffentlicher Bibliotheken. Deshalb freut sich Nicole Dietzel, im neuen Haus mehr Platz zu haben, als es am jetzigen Standort der Fall ist. Das soll vor allem den jüngsten Nutzern zugute kommen. Ihr Ort wird das Obergeschoss des Neubaus sein. Hier wird es nicht nur Kinderbücher und Spiele geben, sondern auch Raum, um kreativ zu werden.

Info: Das freundliche Personal bleibt

Büchereien sind die öffentlichen Kultureinrichtungen mit den höchsten Besucherzahlen, weiß Nicole Dietzel. 2200 Personen haben ihr zufolge aktuell einen aktivierten Leseausweis für die Hofheimer Stadtbücherei, das heißt, sie haben die Jahresgebühr für die Nutzung gezahlt. Weil nicht wenige auch für ein oder zwei weitere Personen, den Partner etwa oder kleinere Kinder, darauf Medien ausleihen, liege die tatsächliche Zahl der Nutzer aber höher, erläutert Dietzel. 400 Neuanmeldungen, vor allem von Neubürgern, registriert die Bücherei alljährlich. Zu ihrem Team gehören neun Mitarbeiter auf 6,4 Stellen. „Für mich funktioniert eine Bibliothek nur mit Menschen“, sagt Nicole Dietzel. Und sie lächelt, wenn sie versichert, dass bei allem Neuen, das die Nutzer demnächst erwartet, eines ganz sicher bleibt, wie es ist: „Das freundliche Personal.“

Wenn ein Kinderbuch erst vorgelesen und danach etwas dazu passend gebastelt wird, vertiefe das das Gehörte, erläutert die Bücherei-Leiterin. Dafür erhofft sie sich künftig deutlich bessere Bedingungen, als es die beengten Verhältnisse aktuell hergeben. Auch die Jugendlichen sollen im Obergeschoss einen Bereich haben, tendenziell gingen die Überlegungen aber dahin, diesen auf „schöne Literatur“ wie Jugendromane und -krimis zu beschränken und die Sachliteratur für diese Altersgruppe mit im Untergeschoss unterzubringen, wo auch die Erwachsenen ihre Sachbücher finden. Hier soll zugleich der Ort zum ruhigen Arbeiten sein. Entsprechende Arbeitsplätze, zum Teil mit Computer ausgestattet, vor allem aber mit WLAN, sind dort vorgesehen.

Im Erdgeschoss wird sich, wie gewohnt, eine klassische Medienaus- und -rückgabe-Theke finden. „Viele wünschen sich schon jetzt eine automatisierte Rückgabemöglichkeit, die auch außerhalb der Öffnungszeiten genutzt werden kann, das werden wir dann auch haben“, sagt Nicole Dietzel. Neu hinzu kommt zudem ein Café, das aber nicht vom Büchereiteam, sondern von einem Pächter betrieben werden soll. Wie Architekt Joachim Gottstein bei der Präsentation der überarbeiteten Pläne erläuterte, soll es möglich sein, dieses Café auch zu Zeiten zu betreiben, in denen die Bücherei selbst geschlossen ist. Auch dieses Café möchte vor allem zum Lesen verführen, etwa von Zeitungen und Zeitschriften – nur eben in gemütlicherem Rahmen.

Im Erdgeschoss ist ansonsten der verbleibende Platz für Belletristik reserviert. Medien-Regale auf Rollen hat das Bücherei-Team ganz unbedingt dafür auf seinem Wunschzettel. Denn sie ermöglichen, den nötigen Freiraum zu schaffen etwa für Lesungen mit bis zu 80 Zuhörern.

Hilfe von Profis

Wie eine Bibliothek zeitgemäß und ihren Nutzungen entsprechend am besten eingerichtet wird, auch dafür gibt es Profis. „Die staatliche Fachstelle unterstützt uns, wir haben aber auch einen Einrichtungsplaner von einem Bibliotheksausstatter gewonnen“, sagt Dietzel. Sie findet die Zeiten für öffentliche Büchereien derzeit sehr spannend, denn das Thema „Share“ – das teilen von Konsumgütern, die Menschen jeweils immer nur für eine begrenzte Zeit benötigten, bekomme mit der Nachhaltigkeitsdebatte neuen Schwung.

Bessere Präsentationsmöglichkeiten für die rund 35 000 Medien erhofft sich die Leiterin genauso von der neuen Stadtbücherei, wie eine Steigerung der Besucherzahlen. „Aktuell kommen rund 50 Menschen pro Stunde, wo neue Bibliotheken eröffnet haben, konnten sie die Frequenz locker um bis zu 50 Prozent steigern“, sagt die Bibliothekarin.

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