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Mal 50 und mal 30 - eine einheitliche Festlegung auf Tempo 30 als Höchstgeschwindigkeit wird es auf der Rheingaustraße nicht geben. Foto: Knapp

Verkehr

Endgültiges "Aus" für Tempo 30 auf der Hofheimer Rheingaustraße

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Laut Hessen Mobil ist die Geschwindigkeitsreduzierung aus Lärmschutzgründen nicht realisierbar

Hofheim -"Neue Hoffnung für Tempo 30" hieß es in dieser Zeitung im Jahre 2016. Gemeint war die Rheingaustraße. Die Stadt gab sich entschlossen, eine durchgängige Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde auf der wichtigen Nord-Süd-Verbindung durchzusetzen. Jetzt hat die Kommune ganz offiziell aufgegeben. Daran sind gar nicht einmal die Tempo-30-Gegner Schuld.

Das Argument, der Autoverkehr würde durch Tempo 30 ausgebremst, ist ohnehin nicht zu halten. Bei normalem Verkehr spart man mit Tempo 50 von der Rhein-Main-Therme bis zum Autohaus am Marxheimer Ortsausgang nicht einmal eine Minute ein. Das haben Testfahrten dieser Zeitung ergeben.

Nein, das Aus für Tempo 30 kommt aus Wiesbaden. Es ist die Landesstraßenbehörde Hessen Mobil, die die Bremse lockert, die die Stadt gerne anziehen möchte. Und eine unübersichtliche Gemengelage aus Planungen und Zuständigkeiten. Dies führt dazu, wie es in der Antwort des Magistrats auf eine Anfrage der Linken heißt, dass "die Durchsetzung einer Temporeduzierung aus Lärmschutzgründen als nicht realistisch angesehen" wird. Mit anderen Worten: Aus Tempo 30 auf der vielbefahrenen Straße wird nichts.

Wie das? Zuständig für die Festsetzung von Tempo 30 auf der Rheingaustraße wäre der Main-Taunus-Kreis, der aber das Einverständnis des Regierungspräsidiums Darmstadt einholen muss, weil es sich um eine Bundesstraße handelt. Der Magistrat hat das Regierungspräsidium vor Jahren auf die hohe Lärmbelastung der Anwohner hingewiesen. Die Darmstädter Behörde hat ihrerseits argumentiert, es bestehe kein Handlungsbedarf, weil ja die Ortsumgehung B 519 gebaut werden solle. Das kam in Hofheim nicht gut an, weil kaum noch jemand an die Umgehungsstraße glaubt. Gute Argumente versprach man sich im Rathaus von einer Berechnung der Lärmbelastung. Diese hat Hessen Mobil schließlich angestellt - und heraus gekommen ist, dass die notwendigen Lärmwerte nicht erreicht werden.

Das erschien der Stadt nicht plausibel, auch auf Druck von Stadtparlament und Ortsbeirat Marxheim wurden eigene Berechnungen angestellt und an Hessen Mobil geschickt. Im März 2019 teilte die Behörde mit, dass die Hofheimer Berechnungen keine Grundlage für eine Begrenzung auf Tempo 30 bilden könnten. Und dann dauerte es bis zum Januar 2020, bis die Stadt erfuhr, dass das verwendete Berechnungsprogramm nicht anerkannt wird.

Die einzige Kapriole in dieser Debatte ist dies nicht. Die Unterlagen aus der Berechnung hatte die Stadt im Juli 2017 an Hessen Mobil geschickt, obwohl das im Oktober 2016 angekündigt wurde. Dort waren sie an zuständiger Stelle nicht angekommen, was sich erst Ende 2018 zeigte. Die Papiere wurden erneut geschickt, die zwei Monate bis zur Absage im März erscheinen dann gar nicht mehr so lang . . . Manfred Becht

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