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Ähren und frisches Brot, Kartoffeln, Äpfel oder Kohl ? Ingeborg Messer hat den besonderen Altarschmuck zum Erntedankfest arrangiert.

Herbst

Erntedank und neue Sorgen

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Der Herbst ist die Zeit des Erntedanks. Nicht nur in der Hofheimer Pfarrkirche St. Peter und Paul wurde er am Sonntag vor Gott gebracht. Die Landwirte hoffen weiter vor allem auf eines: Auf Regen.

„Schau auf die Welt, denk an den warmen Sommer“, die Worte eines modernen Kirchenlieds des Briten John Rutter passten so recht zum Erntedank-Gottesdienst 2018. In St. Peter und Paul wie in vielen anderen katholischen Kirchen im Main-Taunus wurde am Ende der so außergewöhnlich warmen und trockenen Monate des Wachsens, Reifens und Erntens nicht nur musikalisch erinnert, dass die Versorgung der Menschen mit Nahrung und allem, was ihm sonst gut tut im Leben, alles andere als selbstverständlich ist.

Ein wunderbares Bild boten die von Gemeindemitglied Ingeborg Messer liebevoll auf den Altarstufen arrangierten Früchte aus Garten und Feld, von der Zwiebel über Kartoffeln und Äpfel bis zum leuchtenden Kürbis, und die Blumen und Ährensträuße. Es ließ kaum noch die Schwierigkeiten ahnen, mit denen die Landwirte in diesem Jahr zu kämpfen hatten. Vieles davon hatte der Johanneshof der Familie Pauly für diesen Zweck gestiftet. Johann Pauly, früher lange Jahre Orts- und Kreislandwirt, bewegen beim Erntedank in diesem Jahr eher gemischte Gefühle. „Es gab einiges an Einbußen“, erinnerte er an die Folgen des „Super-Sommers“ für seinen Berufsstand. Noch immer bereite das Wetter Sorge, so der erfahrene Landwirt, dessen Sohn Jürgen heute den Familienbetrieb führt. „Die Trockenheit ist nach wie vor ein Problem.“ Die Aussaat der Wintergerste steht an, doch die Felder seien knochentrocken. Er verstehe ja die Freude über den Goldenen Oktober, „ich freue mich auch, wenn die Sonne scheint“, so Pauly, aber den ein oder anderen Tag Regen brauche die Landwirtschaft dringend.

„Man muss mit der Natur leben“, sagt Johann Pauly, das seien die Landwirte gewohnt. „Aber so etwas wie dieses Jahr hatten wir noch nicht.“ Ehefrau Emmi regt auf, dass trotz der schlechten Ernten die Preise für Lebensmittel in Deutschland nicht wiedergäben, was dahinter an Arbeit stehe. „Das passt einfach nicht, dafür kann man die Ware nicht erzeugen“, sagt die Landfrau.

Nicht für alles, was die Landwirte so geerntet haben, war der Sommer schlecht. „Viel hängt am Boden“, sagt Johann Pauly. Wo Äcker Feuchtigkeit gut speichern können, war der Ertrag entsprechend besser. Auch beim Obst gab es hier mehr, da weniger Probleme. Grund zum uneingeschränkten Danken haben vor allem die Winzer, die auch in Flörsheim und Hochheim Trauben in großer Zahl und von exzellenter Qualität gelesen haben.

„Eine Haltung zur Dankbarkeit öffnet die Augen für die kleinen und großen Dinge“, machte Kaplan Stefan Salzmann deutlich, dass das Erntedankfest nicht nur etwas für Landwirte an Gedankenanstößen bereithält. Vielen Menschen falle es heute schwer, Danke und Bitte zu sagen nach dem Motto: „Warum bitten oder danken, das steht mir zu“, oder auch: „Ich mach das alles selbst, dann muss ich mich auch bei niemandem bedanken.“ Wer aber dankbar sein könne, der nehme eben nicht alles selbstverständlich. Auch nicht die Arbeit, die Menschen in Ecuador oder Indien auf den Feldern leisteten, um Bananen oder Reis für deutsche Verbraucher zu erzeugen. Dankbarkeit könne in diesem Zusammenhang dann möglicherweise bedeuten, sich Gedanken darüber zu machen, zu welchen Bedingungen Waren in der einen Welt hergestellt würden und lieber zu fair gehandelten Produkten zu greifen. „Danken bedeutet, sich in Beziehung zu setzen, zu den Menschen, aber auch zu Gott“, so Salzmann.

Die gespendeten Gaben, die am Erntedank-Sonntag so wunderschön die Kirche schmückten, werden übrigens gleich zweifach gute Verwendung finden. In der Küche der Kindertagesstätte St. Peter und Paul wird der eine Teil weiterverarbeitet, die zweite Hälfte geht an die Hattersheimer-Hofheimer Tafel.

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