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Sportpark Heide (Symbolbild)

50 000 Euro für Hofheims Sport-Entwicklungsplan

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Hofheim soll einen Sport-Entwicklungsplan bekommen. Dabei geht es ausdrücklich auch um die Menschen, die außerhalb eines Vereins Sport treiben.

Hofheim - Kann man von Sport sprechen, wenn Leute – ob alleine für sich oder mit- und gegeneinander am Computer – ganze Fußballturniere durchspielen, Kicker kaufen und verkaufen und Bundesliga-Manager spielen? Darüber kann man trefflich streiten, und manche Mitglieder des Sozialausschusses hätten das gerne getan. Aber es wäre ein Nebenkriegsschauplatz geworden – im Sport-Entwicklungsplan, den die Stadt Hofheim ausarbeiten lassen möchte, soll es vor allem um „richtigen“ Sport gehen. Der hat gemeinhin etwas mit körperlichen Betätigungen zu tun, und nur manche argumentieren, dass das Betätigen von Maus oder Joystick bereits sportliche Bewegung sei.

Aber das Thema ist ernst; dass Sport getrieben wird, ist im allgemeinen gesellschaftlichen Interesse. „Die Leute machen aber nicht mehr nur in Vereinen Sport“, weist Bürgermeisterin Gisela Stang (SPD) darauf hin, dass die Bedingungen sich geändert haben. Das Spektrum ist breit – manche joggen durch das Feld, andere fahren mit dem Rad quer durch den Wald, andere treffen sich zum Boule auf der Wiese am Rathaus. Welche dieser Aktivitäten sollen unterstützt werden, welche brauchen Unterstützung, was ist gewünscht, was ist möglich – um diese Fragen geht es.

„Manche Vereine haben Probleme, Vorstandsposten zu besetzen“, reißt Stang ein anderes Themenfeld an. Ob durch Kooperationen Hürden beiseite geräumt werden können? „Viele Ältere glauben, in den Vereinen gehe es nur um Leistungssport“, weiß Eckhard Cöster vom Landessportbund Hessen. Da gehen den Vereinen also viele potenzielle Mitglieder verloren.

Die städtische Sportförderung zielt aber sehr auf die Vereine ab, vor allem in den hohen Investitionen in die Sportstätten. Die Frage wird aufgeworfen, was sinnvoll ist. Für Bürgermeisterin Stang ist es nicht sicher, dass der sanierungsbedürftige Rasenplatz am Sportpark Heide tatsächlich hergerichtet werden soll. Schon mancher Ort habe dringend einen Kunstrasenplatz gewollt, und nach fünf Jahren habe keiner mehr darauf gespielt, wusste der Sportexperte Cöster im Sozialausschuss der Stadtverordnetenversammlung zu berichten.

Antworten auf viele Fragen und Probleme hofft die Stadt in einem Sport-Entwicklungsplan zu finden. Diese Papiere sind in Mode gekommen, weil vom Land mehr Fördergelder fließen, wenn eine Kommune einen solchen Leitfaden hat. Dass Hofheim auch einen haben soll, ist beschlossen. Die Linken versuchten, das Projekt zwar zu stoppen. Aus ihrer Sicht ist das Projekt nutzlos, und den Sportlern wäre mehr gedient, würden die Mittel dafür direkt an die Vereine gehen. Die Rede ist von etwa 50 000 Euro. Dieser Vorstoß wurde jedoch abgelehnt, dagegen billigte der Ausschuss die vom Magistrat vorgeschlagene weitere Vorgehensweise.

Demnach werden jetzt die Vertreter der Sportvereine und der Vereinsringe eingeladen, um die wichtigsten Themen der ehrenamtlichen Arbeit zu formulieren und in der Ausschreibung zu berücksichtigen. Bei der Ausarbeitung des Sport-Entwicklungsplanes soll es Anhörungen mit allen geben, die am Sport beteiligt sind – Politiker, Verbände, Vereinssportler, unorganisierte Sportler, kommerzielle Anbieter, die Verwaltung, die Volkshochschule, Mediziner und andere. Über die weitere Bearbeitung, nachdem ein beauftragter Planer einen Entwurf vorgelegt hat, werden jetzt noch keine Festlegungen getroffen.

Klargestellt wurde im Sozialausschuss, dass es um einen Sport-Entwicklungsplan gehe, nicht um einen Sportstätten-Plan. „Manche Kommunen haben Angst, viel investieren zu müssen, aber das stimmt nicht“, erklärte Cöster. Der trat bei der Gelegenheit dafür ein, bei Einrichtungen für nicht organisierte Sportler daran zu denken, dass diese betreut werden müssen, sonst würden sie nicht angenommen. Darüber müsse man natürlich mit den Vereinen zu sprechen.

Dabei ist dies ein Thema, über das im Detail zu einem späteren Zeitpunkt verhandelt werden muss; der Landessportbund hat als Dachorganisation natürlich die Vereine im Blick. Der Stadt geht es im Vorfeld aber darum, die nicht-vereinsgebundenen Sportler zu erreichen. Als geeignetes Instrument dafür gelten Umfragen. Missionarisch sieht die Stadt das Projekt nicht. „Es ist nicht jedermanns Sache, Sport zu treiben“, so Bürgermeisterin Stang. „Das muss man akzeptieren.“

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