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Hofheims Förster Karlheinz Kollmannsberger mit einem vertrockneten Jungbaum. Viele Setzlinge haben die diesjährige Trockenheit nicht überlebt.

Wald

Waldbericht vorgestellt: Wegen des Klimawandels werden kaum noch Fichten gepflanzt

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Die Stadt Hofheim muss ihren Wald im nächsten Jahr mit rund 100 000 Euro bezuschussen. Dabei lässt sich das in der Kreisstadt wachsende Holz derzeit gut verkaufen.

Mit die ersten, die sich in ihrer Berufstätigkeit auf den Klimawandel einstellen müssen, sind die Förster. Denn die Bäume, die sie im Wald wachsen lassen, werden zumeist erst Generationen später geerntet. Im Gebiet des Forstamts Königstein, zu dem Hofheim gehört, setzt man daher in niedrigeren Lagen kaum noch auf die Fichte. Lediglich rund um den Feldberg wird sie in einigen Jahrzehnten noch in größerer Zahl anzutreffen sein.

Im Hofheim Stadtwald werden auch 2019, wie bereits in den letzten Jahren, ersatzweise Weißtannen gepflanzt, berichtete Revierförster Karlheinz Kollmannsberger vor dem Forstausschuss der Stadtverordnetenversammlung. Diese haben auch Priorität vor den Douglasien, auch wenn es diese in geringerer Zahl noch geben soll. Aber die Douglasie ist umstritten – Naturschützer argumentieren, dass es sich um einen Baum handele, der in mitteleuropäischen Wäldern nicht vorkommt. Neben den Weißtannen möchte man es in den nächsten Jahren auch mit der europäischen Lärche versuchen. Die kommt nicht nur gut mit einem wärmeren Klima zurecht, sie liefert auch von allen Nadelbäumen das härteste Holz und ist wertvoller als Kiefern oder Fichten.

Nach Einschätzung der Forstwirte wird sich in den nächste Monaten aber vor allem Laubholz gut verkaufen lassen. Bei preiswertem Nadelholz gibt es wegen der vielen Borkenkäferschäden eher ein Überangebot. Hofheim mit seinem geringen Nadelholzanteil ist davon kaum betroffen. „Bei der Eiche geht der Trend nach oben, die Nachfrage ist kaum zu befriedigen“, so Sebastian Gräf, Bereichsleiter Produktion im Forstamt Königstein. „Wir kriegen dauernd Anrufe, wann es endlich mit dem Laubholzeinschlag losgeht.“

Böden sind aufgeweicht

Das Problem ist die aktuelle Witterung. Die Waldböden sind aufgeweicht, beim Abtransport gefällter Bäume drohen erhebliche Schäden am Boden. Vor einigen Jahren haben voreilige Holzunternehmer mit Transporten bei schlechtem Wetter einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Der Holzeinschlag wurde gestoppt, der Rückstand ist bis heute nicht aufgeholt. Kollmannsberger hat daher entschieden, dass zwar gefällt wird, die Bäume aber erst abtransportiert werden, wenn die Böden durch ausreichend langen Frost durchgefroren sind.

Beim Buchenholz seien derzeit vor allem die dünneren Stämme gefragt, berichtet der Förster. Deshalb werden die älteren Bäume zur Zeit eher geschont, um sie dann anzubieten, wenn die Marktlage günstiger ist. Auf größeres öffentliches Interesse freilich stößt die sogenannte Endnutzung, also wenn die großen Bäume gefällt werden. Im Forstwirtschaftsplan, der gerade in den Ortsbeiräten beraten wird, sind dafür eine Reihe von Flächen gekennzeichnet.

Alleine am Kapellenberg gibt es davon drei, eine am Abhang zum Schwarzbach, eine nördlich des Gipfels und eine oberhalb des Golfplatzes. In Langenhain ist eine Fläche unterhalb der Viehweide an der Reihe, in Diedenbergen eine kleine Abteilung südlich der Straße nach Langenhain. Durchforstungen wird es in praktisch allen Stadtteilen geben, zum Teil kommen dabei auch die sogenannten Harvester zum Einsatz, das sind große Holzerntemaschinen. In problematischen Lagen, etwa in steilem Gelände, soll auch wieder Holz mit dem Pferd gerückt werden.

Geld verdient die Stadt Hofheim mit ihrem Wald nicht, im Gegenteil. Voraussichtlich werden 500 000 Euro eingenommen, der größte Teil davon natürlich durch den Holzverkauf. Aber dem stehen Ausgaben in Höhe von 600 000 Euro gegenüber, es entsteht ein Verlust von voraussichtlich 100 000 Euro. Zum Teil hat dies damit zu tun, dass der Hofheimer Wald viel von Erholungssuchenden aufgesucht wird. Im Hintertaunus, wo viel weniger Wanderer, Jogger, Mountainbiker und andere unterwegs sind, müssen sich die Förster viel weniger um die Waldwege kümmern und brauchen auch bei der Holzernte weniger Rücksicht auf die Waldbesucher nehmen.

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