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„Fridays for Future“: Auch die halbe Klasse 7 b der Elisabethenschule ist dabei und macht ganz neue Erfahrungen

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Unter den Tausenden Klimaschutz-Protestlern in Frankfurt waren gestern auch viele Schüler aus dem Main-Taunus-Kreis. Diese Zeitung hat eine Gruppe begleitet.

„Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut.“ Mili stimmt den Ruf alleine an. Dann macht Luca mit, bald die halbe Klasse 7 b der Elisabethenschule – und nur wenig später sind es schon einige Dutzend lautstarke „Klimaschützer“ auf der Bockenheimer Anlage. Die Gruppe aus Hofheim hat sich unter Tausende Jugendliche gemischt, die bei „Fridays for Future“ für den Klimaschutz demonstrieren. Gleich hat der Tross die Alte Oper erreicht und wartet einen Moment. Es vergehen Minuten, bis der lange Zug auf dem Platz angekommen ist und ihn bevölkert. Von rechts kommt noch ein Protest-Zug vom Hauptbahnhof. Später werden die Veranstalter von 6000 Menschen sprechen – gefühlt sind es aber viel mehr.

Junges Trio organisiert

Niklas und Mili sind beeindruckt von der Menschenmenge, auch die anderen Eli-Schüler haben das noch nicht erlebt. Kein Wunder: Mit 12, 13 Jahren gehen junge Menschen noch nicht so oft auf die Straße. Doch die Schwedin Greta Thunberg (16), die im August 2018 mit dem „Schulstreik für das Klima“ begann, hat alle begeistert. Auch Jalini, Juli und Marie aus der 7 b. Die haben den „Ausflug“ organisiert, Schulbefreiungen von den Eltern angefordert, Plakat-Bastelaktionen initiiert und die Zugfahrt koordiniert. Julis Mutter ist die Patentante einer der Organisatorinnen des Protests in Deutschland – so sei sie besonders aufmerksam geworden, sagt die 13-Jährige. Die Freundinnen Jalini und Marie waren schnell im Boot, Vertrauenslehrer Klaus Reuning wies sie zwar auf die Fehlzeit hin, legte ihnen aber ebenso wie Klassenlehrerin Ursula Scharf keine Steine in den Weg.

Und so stehen sie nun am Freitagmittag, während die Kollegen Informatik, Deutsch und Werken haben, alle gespannt an der Bockenheimer Warte und harren der Dinge. Es passiert eine Menge. Ein Motivator bringt die Protestbewegung in Stimmung. „Wer nicht hüpft, der ist für Kohle“, schreit er ins Mikro – auch die Eli springt nach anfänglichem Zögern mit. Ähnlich klingt es bei „Wehrt euch, leistet Widerstand, gegen die Braunkohle hier im Land.“ Nach einem kurzen „Seid ihr warm?“ lässt sich der Einheizer von der Taxi-Rufsäule in die Menge gleiten – und dann beginnt der Zug.

Viele der jungen Schüler wissen, was sie tun. Marie hat in Englisch beim Thema „Vorbilder“ Greta Thunberg vorgestellt. Samstags oder nachmittags zu protestieren, „das würde nichts bringen“, betont sie. Die Bewegung müsse es geben, „bis etwas erreicht ist“. Sie selbst achtet schon darauf, weniger Plastik zu verwenden und das Licht bei Bedarf aus zu machen. In Julis Familie bleibe das Auto wenn möglich stehen, und es werde die Plastikverpackung gemieden. Vieles sei aber nicht ohne zu bekommen, weiß Jalini. Mit Blick auf Kritik der Schulen findet Juli: „Wir schwänzen ja nicht die Schule, wir tun etwas für die Umwelt.“

Das kann Manuela Reusch, Elternteil der Eli-Klasse, bestätigen. Sie ist Lehrerin an der Heiligenstockschule und hat das Thema Umwelt-Ethik in der Klasse. Am Ende solle dort das Ergebnis stehen, was jeder für den Klimaschutz verändern könne. Sie fahre von Wildsachsen nun mit dem Bus statt mit dem Auto und will das Thema in der Schule bekannter machen. Für die Eli hat sie eine Idee: Bei gut 20 Klassen könnte jede Woche eine bei den Demos mitmachen. Da lernten sie mehr als in einigen Stunden Unterricht. In der Tat: Bei einigen ist der Denkprozess während der Tour in vollem Gange. Luca zum Beispiel will zu Hause mehr auf einen häufigeren Auto-Verzicht der Eltern drängen. Mama Yvonne Yogeley ist in Frankfurt dabei und freut sich übers Engagement. Die Schüler hätten auch gelernt: „Wenn man etwas erreichen will, muss man auch gemeinsam auftreten.“ Immerhin die Hälfte der Klasse ist dabei – auch zum Finale am Römerberg, das sie über Umwege erreichen. Johannes hat sich alles angehört und bringt es auf den Punkt: Die Kinder sollten einfach nicht die vielen Fehler der Generationen vor ihnen machen, findet er und lobt die „coole Aktion“ der 7 b.

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