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Matthias Henrich (links) und Vereinsringchef Wulf Baltruschat präsentieren Eine-Welt-Produkte.

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Frühjahrsempfang des Hofheimer Vereinsrings dreht sich um fair gehandelte Produkte

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Beim Frühjahrsempfang des Hofheimer Vereinsrings hat Faire-Welt-Vereinschef Matthias Henrich ein Plädoyer für Eine-Welt-Produkte gehalten – und den Gästen Trockenmangos serviert.

„Langsames Auftauen“ nennt sich das ruhige Klavierstück eines russischen Komponisten, das die begabte Katja Pevzner (9) im Schönbornsaal des Kellereigebäudes vorträgt. Dort haben sich am Sonntagmorgen Mitglieder des Hofheimer Vereinsrings zum jährlichen Frühjahrsempfang versammelt. Auftauen muss hier allerdings keiner. Die Atmosphäre ist locker. Man kennt sich oder freut sich darauf, neue Kontakte zu knüpfen.

Das Treffen sei schon eine Institution, sagt der Vereinsringvorsitzende Wulf Baltruschat beim Begrüßen der rund 60 Gäste, unter die sich auch Mitglieder der Hofheimer Politik und Vertreter benachbarter Vereinsringe gemischt haben. Hofheims Bürgermeisterin Gisela Stang (SPD) bringt ihre Freude über das florierende Vereinsleben der Kreisstadt zum Ausdruck, das sich bald wieder beim Kreisstadtsommer in seiner Vielfalt präsentiere. Gerade erst habe die Stadt den Fonds für Vereinsförderung erhöht und gehe aktuell der Frage nach, ob man auch tatsächlich jeden Bürger der Stadt mit den Angeboten der 80 Vereine erreiche.

Den traditionellen Vortrag beim Empfang hat diesmal Matthias Henrich, Vorsitzender des Vereins Faire Welt, der auch Träger des Eine-Welt-Ladens in der Hauptstraße ist, übernommen. Eindringlich appelliert er an die Anwesenden, wie leicht es sei, im Rahmen ihrer Vereinsarbeit das Thema fair gehandelter Produkte im Auge zu behalten. Er wisse natürlich, dass Vereine durch Aufgaben wie der neuen Datenschutzverordnung sehr eingespannt seien und auch manchmal knapp bei Kasse. Man könne aber auch in kleinen Schritten der guten Sache nachkommen, indem man Erzeugnisse der Region und wenigstens fair gehandelten Kaffee serviere. „Der schmeckt heutzutage sogar richtig gut“, schmunzelt er.

Fair gehandelte Ware könne ein Verein – so sein Tipp – sogar bewusst zur Imagepflege nutzen, indem man schon in der Einladung zu einer Veranstaltung darauf hinweise, dass auf dem Grill kein Billigfleisch liege, sondern Fleisch der Region. Wie man schmackhafte Häppchen mit nachhaltig hergestellten Produkten zaubern kann, davon können sich die Gäste im Schönbornsaal beim Buffet mit Lachsschnittchen, Tomate-Mozarella-Sticks und Fair-Trade-O-Saft überzeugen. „Wir haben den Caterer extra darum gebeten“, hatte der Vereinsringvorsitzende Baltruschat bei der Begrüßung erwähnt. Der habe zwar kurz gestutzt, die Herausforderung aber gerne angenommen.

Ein gutes Image könne dem Verein sogar beim Rekrutieren neuer Mitglieder helfen und mache darüber hinaus auch noch attraktiv für eventuelle Sponsoren, führt Referent Henrich weiter aus. Das Thema Fairness passe sehr gut zu dem, was man von einem Verein erwarte. Beim T-Shirt-Verkauf könne man darauf hinweisen, dass es sich nicht um Billigware aus Bangladesch handle, den Kaffeeverkauf vielleicht mit einem flotten Slogan kombinieren, nach dem Motto: „Wir kümmern uns nicht nur um Ihre Kinder, sondern auch um die Kinder der Kaffeepflücker!“ Man könne ja klein beginnen.

„Es geht um bewussten Konsum“, ergänzt Bürgermeisterin Stang. Dass man sich frage, ob man ein Produkt auch regional einkaufen könne und nicht Berge von Lebensmitteln wegwerfe. Sie wolle bei dieser Gelegenheit auch daran erinnern, dass man als Verein für Veranstaltungen rund ums Thema Fair Trade Gelder aus einem Fonds abrufen könne. „Die liegen bereit.“

Wie schmackhaft die Produkte sind, zeigt Matthias Henrich anhand von Mitbringseln aus dem Eine-Welt-Laden der Hauptstraße: Trockenmangos aus Burkina Faso, Dinkel-Quinoa Gebäck und natürlich verschiedene Sorten Schokolade. „Die schmeckt wirklich sehr gut“, findet Annette Helmecke vom „Zentrum für altes und neues Wissen und Handeln“, die zum zweiten Mal am Empfang teilnimmt und das Beisammensein am Sonntagmorgen sehr begrüßt.

Ein Treffen, das auch die Wertschätzung ehrenamtlicher Arbeit zeigen soll, die – wie Referent Henrich ausgeführt hatte – mehr als früher vorhanden sei, auch weil die Gesellschaft erkenne, dass Vereine immer mehr Lücken füllten, die früher noch durch Familie oder Nachbarschaftshilfe übernommen worden seien. Zudem erfordere das Ehrenamt immer mehr Professionalität.

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