Schadensersatz

Frustriertes Opfer verzichtet auf Restraten

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Der Fall hatte für Schlagzeilen gesorgt. Grundlos hatte ein junger Mann den Lorsbacher Rolf Vreden ins Gesicht geschlagen – eine Entschuldigung gab es bis heute nicht.

Vor drei Jahren war er im Chinon-Center Opfer einer Schläger-Attacke geworden. Nun hat Rolf Vreden für sich einen Schlussstrich unter das für ihn insgesamt frustrierende Verfahren gezogen, das dem tätlichen Angriff folgte. Wie berichtet, war der Lorsbacher von einem jungen Mann aus Bad Soden im Juni 2015 auf dem Laufband im Untergeschoss des Centers unvermittelt ins Gesicht geschlagen worden. Kurz zuvor hatte der Jugendliche den Rentner auf diesem Laufband angerempelt und war daraufhin von ihm gefragt worden, was das solle. Durch den Schlag ging die Brille des Lorsbachers zu Bruch, das linke Auge und sein Umfeld waren blutunterlaufen. Vor dem Amtsgericht in Königstein wurde gegen den jugendlichen Schläger verhandelt – allerdings ohne das Opfer. Dessen Beteiligung sei nicht nötig, hieß es damals, wenn das Gericht für die Urteilsfindung keine Zeugenbefragung benötige. Auch eine Benachrichtigung des Geschädigten, dass es zu einem Urteil gekommen sei, sei nicht üblich.

Das Gericht hatte aber die Zahlung von Schadensersatz an Rolf Vreden verfügt. Doch das Geld, das in Raten zu zahlen war, blieb zuletzt aus. Rolf Vreden, der deswegen einen Gerichtsvollzieher einschaltete, erfuhr, dass der junge Mann seine Ausbildung abgebrochen habe und sich zu den Schadensersatzzahlungen daher nicht mehr in der Lage sah. Vorgeschlagen wurde Vreden daher ein Vergleich, nachdem der Rentner nach Zahlung von 250 Euro auf seine restliche Forderung verzichten solle. Das hat Vreden getan. Im entsprechenden Schreiben an das Amtsgericht Königstein hat der Lorsbacher zugleich noch einmal sein Unverständnis über das Vorgehen des Gerichts und die in seinen Augen zu milde Strafe ausgedrückt. Wie diese aussah, darüber erhielt das Kreisblatt seinerzeit keine Auskunft, da es um ein Strafverfahren vor dem Jugendgericht ging, das ebenso nichtöffentlich ist wie das Ergebnis. Lediglich, dass die Richterin zu einem Urteilsspruch gelangt sei, hatte der Direktor des Amtsgerichts, Dr. Clemens Theimer, bestätigt.

Rolf Vreden moniert, der Täter habe sich bis heute nicht bei ihm entschuldigt. Zwar habe er den Vorfall ohne dauerhafte gesundheitliche Beeinträchtigungen überstanden und ihn auch „recht gut verkraftet“, doch bleibe eine große Verärgerung zurück. Er selbst habe einen immensen Aufwand und einiges an Kosten wegen des Vorfalls gehabt, wolle aber nun nicht weiter die Gerichte beschäftigen und habe daher dem Vergleich zugestimmt.

Das Chinon-Center meidet Rolf Vreden nach wie vor, weil er sich dort zu wenig sicher fühlt. Aus seiner Sicht habe sich da nichts positiv verändert. Vreden meint, mit berechtigten kritischen Äußerungen werde man heute „schnell als alter Nörgler“ abqualifiziert und „fremdenfeindlich“ genannt und in die rechte Ecke geschoben. Ein frustrierter Schlussakkord nach drei Jahren Ärger.

(babs)

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