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„Ganz große Leistung“ im Jobcenter

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Der Kreisbeigeordnete Johannes Baron (rechts) und der Leiter des Kommunalen Jobcenters, Joachim Werle, bei der Vorstellung des Eingliederungsberichts.
Der Kreisbeigeordnete Johannes Baron (rechts) und der Leiter des Kommunalen Jobcenters, Joachim Werle, bei der Vorstellung des Eingliederungsberichts. © MTK

Sozialdezernent Baron legt Eingliederungsbericht vor.

Hofheim -Der Main-Taunus-Kreis reagiert auf das besonders hohe Mietniveau in seinen Kommunen, das es Empfängern von Sozialleistungen zunehmend schwieriger macht, überhaupt eine Wohnung zu finden, die den Vorgaben für die Mietobergrenzen entspricht. So darf eine Mietwohnung von Juli an für den betroffenen Personenkreis bis zu 9,50 Euro pro Quadratmeter Kaltmiete kosten, bisher waren es maximal 8,50 Euro je nach Größe und Personenzahl. Das teilte der Kreisbeigeordnete Johannes Baron jetzt im Rahmen der Vorstellung des Eingliederungsberichts des Kommunalen Jobcenters des Main-Taunus-Kreises für 2022 mit.

2010 lag die Mietobergrenze noch bei 7,50 Euro und bewegte sich über Jahre nicht. Nach einer Statistik des Hessischen Sozialministeriums von Anfang 2020 lag der MTK bei den Mietobergrenzen deutlich hinter denen für die teuren Städte des Hochtaunus, aber auch noch hinter Städten wie Gießen oder Kassel. Das hatte im Kreistag schon für Anträge und Diskussionen vor allem auf Initiative der Linken gesorgt.

Kritik gab es mehrfach auch vom „Runden Tisch - viele Kulturen, eine Zukunft“, an dem alle Institutionen aus der Flüchtlingshilfe vertreten sind. Er hatte deutlich gemacht, dass die Mietobergrenzen es anerkannten Asylbewerbern kaum möglich machten, aus den Gemeinschaftsunterkünften des Kreises auszuziehen. Weil der Kreis diese aber für weitere Asylbewerber brauchte, war es in der Vergangenheit immer wieder zu Kündigungen trotz fehlenden Wohnraums gekommen, so dass Kommunen zur Vermeidung von Obdachlosigkeit teils sehr teure alternative Unterbringungsmöglichkeiten etwa in Pensionen suchen mussten.

Eine wichtige Leistung des Staates

Der Kreis beobachte die Lage am Wohnungsmarkt sehr genau, so MTK-Sozialdezernent Baron. Da die Behörde die Mietpreisspirale nicht anheizen wolle, agiere er bei der Erhöhung der Obergrenzen vorsichtig.

Gleich drei Extra-Herausforderungen gab’s laut Baron in den vergangenen Monaten für das Kommunale Jobcenter beim Main-Taunus-Kreis. Die letzte Phase der Corona-Beschränkungen, die ansteigende Zahl von Geflüchteten, darunter sehr viele Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine, und die Umstellung von der Sozialhilfe auf ein Bürgergeld sowie die Ausweitung der Wohngeldansprüche hatten die 167 Mitarbeiter zu meistern. Nach Meinung des Kreisbeigeordneten, in dessen Zuständigkeit das Jobcenter beim Main-Taunus-Kreis fällt, „eine ganz große Leistung“, die da zusätzlich zur eigentlichen Aufgabe, Menschen in Arbeit zu bringen, dann noch erbracht worden sei.

Für Johannes Baron ist klar, dass der alljährliche sogenannte „Eingliederungsbericht“, in dem der Kreis dem auftraggebenden Bund Rechenschaft über seine Arbeit im Jobcenter abgibt, nicht für schöne Fotos tauge. Sehr wohl stehe aber dahinter eine wichtige Leistung des Staates für sehr viele Menschen, so der Sozialdezernent - die zudem mit viel Geldaufwand verbunden ist. Rund jeder fünfte Euro, den der Main-Taunus-Kreis im Jahresetat stehen hat, wird im Jobcenter umgesetzt.

Das derzeit 110 Millionen Euro große Jahresbudget kommt aus dem Bundeshaushalt und geht zum einen in die Gehälter des nötigen Personals, zum anderen werden daraus die Hilfen bestritten, die der Kreis allen, die eine Unterstützung aus dem Jobcenter benötigen, zahlt. Aktuell kümmere sich die Behörde um rund 11 700 Menschen im Kreis, die Bürgergeld erhalten, so Baron. Das entspreche immerhin der Einwohnerzahl der Gemeinde Kriftel.

Anspruch auf diese Leistung, die Anfang des Jahres die Sozialhilfe abgelöst hat, haben auch Menschen aus der Ukraine, die aufgrund des russischen Angriffskriegs in Deutschland Schutz gesucht haben. Ihre Zahl ist auch im MTK seit dem Juli 2022 sprunghaft angestiegen und bewegt sich seither auf nahezu gleichbleibendem Niveau bei rund 975 sogenannten „Bedarfsgemeinschaften“, hinter denen rund 1900 Personen stehen. In der Mehrzahl sind das Mütter mit minderjährigen Kindern. Insgesamt kümmert sich das Jobcenter aktuell um 5515 Bedarfsgemeinschaften im Kreis, vor einem Jahr lag ihre Zahl noch bei 4580.

Neben all den zusätzlichen Aufgaben sei es 2022 wieder gelungen, mehr als 2000 Menschen in Arbeit zu vermitteln, so Baron. Außerdem wurden 1641 Personen in 27 unterschiedlichen Maßnahmen und Angeboten für insgesamt 5,8 Millionen Euro fitter für den Arbeitsmarkt gemacht.

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