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Blick auf den heutigen Komplex des Stadtmuseums in Hofheim. Der Altbau war früher das Wohnhaus eines landwirtschaftlichen Hofguts an der Burgstraße; das Gut umfasste das benachbarte heutige katholische Jugendheim/Sozialbüro und das an der Rückseite beider Häuser angrenzende Areal. Dort standen noch Scheune und Ställe.

Historie

Untersuchung lüftet Geheimnis um Hofheims Hofgut

  • vonManfred Becht
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Eine Untersuchung in Hofheim hat Erstaunliches über das Hofgut, ein eindrucksvolles Wohnhaus an der Burgstraße, ergeben. Heute ist es Teil des Hofheimer Stadtmuseums.

Hofheim – "Qualitätsvoller, zweigeschossiger Mansarddachbau des späten 18. Jahrhunderts", heißt es im Denkmalbuch des Main-Taunus-Kreises über den Altbau des Hofheimer Stadtmuseums an der Burgstraße. Das ist ziemlich schwammig formuliert, und so wird klar, dass man das Erbauungsjahr des Gebäudes nicht kennt. "Die haben das aus dem Baustil geschlossen", sagt der Hofheimer Lokalhistoriker Dieter Reuschling. Jetzt hat sich herausgestellt, dass man mit solchen Schlussfolgerungen vorsichtig sein muss. Die offensichtliche Unsicherheit über die Entstehungszeit des Gebäudes hat Heimatforscher Reuschling keine Ruhe gelassen. Auf seine Anregung hin hat das Landesamt für Denkmalpflege das Haus genauer anschauen lassen. Und dieser Untersuchung nach ist das Gebäude 1717 oder spätestens 1718 erbaut worden, also nicht, wie gedacht, im späten, sondern im frühen 18. Jahrhundert.

Forscher lüften Geheimnis ums Hofheimer Hofgut – Die Methode

Ermittelt wurde das Baujahr des Gebäudes mit Hilfe der Dendrochronologie. Diese Methode basiert darauf, dass die Breite der Jahresringe in den Baumstämmen sich in einer charakteristischen Abfolge verändert; anhand dieser Abfolge kann man bestimmen, in welchem Jahr der Baum gefällt wurde. Die Historiker schließen aus, dass die Stämme noch einige Jahre liegen blieben, bis das Haus gebaut wurde. Denn gefälltes Eichenholz wird immer härter, musste mit den damals verfügbaren Werkzeugen also möglichst frisch verarbeitet werden.

Entstanden ist das Gebäude als Wohnhaus eines sogenannten Freihofes - das waren landwirtschaftliche Höfe, die direkt dem Landesherren gehörten und von diesem verpachtet wurden. In Hofheim gab es drei dieser Art, Reuschling hat sich mit deren Geschichte ausführlich beschäftigt. Der Freihof an der Burgstraße wurde in Hofheim einfach als das "Hofgut" bezeichnet; er erstreckte sich auf das Grundstück des angrenzenden katholischen Jugendheims und das sich an der Rückseite beider Häuser anschließende Areal. Dort standen noch Scheune und Ställe.

Hofgut in Hofheim: Hof gehörte dem Kurfürstentum Mainz

Als das Gebäude des heutigen Stadtmuseums gebaut wurde, gehörte der Hof dem Kurfürstentum Mainz als Landesherrn. Pächter war seit 1716 Johann Jacob Lipp, Kurmainzer Amtskeller von Eppstein. Der Keller war der kurfürstliche Verwaltungsbeamte für das Amt, das wiederum einem heutigen Landkreis ähnlich war. Lipp war Amtskeller in Eppstein - es ist unklar, ob er seinen Wohnsitz nach Hofheim verlegte.

Unbekannt ist zudem, warum Lipp überhaupt neu baute - vermuten lässt sich, dass ein möglicher Vorgängerbau nicht seinen Ansprüchen genügte. Auch über einen Zusammenhang mit einer benachbarten Baustelle weiß die Geschichtsforschung nichts: In den Jahren 1718 bis 1720 wurde das Kellereigebäude schräg gegenüber von einem Marstall - ein besseres Stallgebäude - und Lager zum Verwaltungssitz und Jagdschloss umgebaut.

Hofheim: Neue Informationstafeln mit aktuellen Erkenntnissen zum Hofgut

Es handelt sich also bei den Gebäuden rund um den Ludwig-Meidner-Platz bis hinüber zum Wasserschloss um einen interessanten Komplex mit großer Bedeutung für die Stadtgeschichte. An Ort und Stelle kann man darüber auf mehreren Informationstafeln allerlei lesen. Jetzt wurde am Gebäude des Stadtmuseums eine neue Tafel aufgehängt, auf der die neuen Erkenntnisse eingearbeitet wurden. Die Tafeln sind ein gemeinsames Projekt des Stadtarchivs mit dem Offenen Geschichtsstammtisch und dem Historischen Arbeitskreis der Bürgervereinigung Hofheimer Altstadt.

Der historische Altbau des Museums an der Burgstraße.

Hofheimer Hofgut: In den 1980er Jahren war es Kripo und Jazzkeller

Zurück zum Altbau des Stadtmuseums und zu dem Bauherrn Johann Jacob Lipp: Man weiß, dass er 1718 gestorben ist, ein Zusammenhang mit dem Bau des Hauses ist nicht bekannt. Das Hofgut ging an seinen Sohn Johann Heinrich Lipp über, der aber jung starb, etwa 1722. Danach war bis 1738 seine Witwe Eva Catharina Lipp Pächterin des Hofgutes.

Mehrfach wechselten die Pächter in den nächsten Jahrzehnten, bis 1796 der Kaufmann Johann Martin Weiler das Anwesen kaufte. 1829 erwarb die nassauische Landesregierung das Hofgut und machte aus dem Wohnhaus Lehrerwohnungen. Seither blieb das Gebäude im Besitz der öffentlichen Hand und diente unter anderem in den 1980er Jahren als Sitz der Kriminalpolizei und beherbergte zugleich den Jazzkeller.

Aktualisiert wurde übrigens auch ein Schild im Raum "Kling" im Kellereigebäude. Die Recherchen des Historischen Arbeitskreises für sein Buch "Hauptstraße Hofheim am Taunus" hatten ergeben, dass Johann Josef Kling 1868 bis 1884 nicht nur Hofheimer Bürgermeister war, sondern von 1861 an auch Wirt des Gasthauses "Zum weißen Roß" in Hofheim, Ecke Hauptstraße/Burgstraße. (Manfred Becht)

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