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Ruhige Zeiten für Wahlhelfer: Wie hier im Hofheimer Rathaus hatten sie bei der Landratswahl am Sonntag wahrlich nicht viel zu tun ? und später auch nicht auszuzählen.

Bürgermeisteramt

Gerangel um Stangs Nachfolge

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Wer folgt auf Gisela Stang im Amt des Bürgermeisters von Hofheim? Seit feststeht, dass die Sozialdemokratin kein viertes Mal für den Chefsessel im Hofheimer Rathaus kandidieren wird, eine spannende Frage. Die CDU hat schon vorgedacht und will bereits in dieser Woche ihren Kandidaten präsentieren.

Gisela Stang will in den Landtag. Und selbst wenn das nicht klappen sollte, will die Sozialdemokratin nach dann 18 Amtsjahren nicht länger Rathauschefin sein. Stang selbst hat für ihre Partei gleich drei mögliche Kandidaten für die 2019 anstehende Bürgermeister-Wahl genannt. Alexander Tulatz, Fraktionschef im Stadtparlament, werden dabei die wenigsten Ambitionen nachgesagt. Dagegen fällt seit längerem bei Parteichef Bernhard Köppler und Magistratsmitglied Wulf Baltruschat eine verstärkte Präsenz in der Öffentlichkeit auf. Beide machen denn auch auf Anfrage deutlich, dass sie Kandidat der Genossen werden möchten. Wer das Rennen macht, wird eine Mitgliederversammlung der SPD entscheiden.

Köppler (52) war vor sechs Jahren Gisela Stangs Wahlkampf-Manager. Erst 2010 war er nach langen Jahren in Frankfurt zurück nach Hofheim gezogen und hat hier eine schnelle Parteikarriere hingelegt. Der frühere Abteilungsleiter der Handballer im TV 1860 ist Architekt und verdient seine Brötchen bei der NH Projektstadt. Vor allem in den Debatten zur Stadtentwicklung fällt Köppler durch Sachverstand auf. Seine Redebeiträge sind grundsätzlich eher auf Ausgleich und Sachlichkeit bedacht.

Sein interner Konkurrent Wulf Baltruschat ist ebenfalls 52 Jahre alt, Polizist und ehrenamtlich noch länger im Magistrat dabei als die Bürgermeisterin. Der auch in den Ortsbeiräten mit seiner klaren Sprache und handfesten Argumenten punktende Baltruschat ist als Vereinsringvorsitzender bestens vernetzt. Er würde es als „Ehre“ ansehen, in „meiner Stadt“ die Chance zu bekommen, den Chefposten im Rathaus zu erobern.

Den will allerdings auch die CDU nach 18 Jahren endlich wieder mit einem der Ihren besetzt sehen. Schließlich gilt die Kreisstadt als ur-konservatives Pflaster – wie bei anderen Wahlen immer wieder deutlich wird. Nur bei der Bürgermeister-Direktwahl haben die Christdemokraten drei Mal eine Niederlage eingefahren, denn keiner der drei Gegenkandidaten Stangs konnte die Wähler wirklich überzeugen. Nach Gerd Czunczeleits knapper Niederlage 2001 gelang es weder Wolfgang Marschall noch Wolfgang Exner, die Amtsinhaberin zu verdrängen. Nun wittert die CDU Morgenluft. Von einer „Chance für Hofheim“ spricht Parteichef Christian Vogt (38), dem ebenso schon Ambitionen nachgesagt wurden, den Bürgermeister-Kandidaten zu machen, wie Fraktionschef Alexander Kurz (39). Beide haben sich beruflich gerade verändert. Kurz hat nach insgesamt 16 Jahren in der Staatskanzlei und in Diensten der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag einen Wechsel in die Wirtschaft, zu Boehringer Ingelheim, vollzogen. Jurist Vogt (38) ist jetzt im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst Büroleiter von Staatssekretär Patrick Burghardt, der auch schon als OB von Rüsselsheim sein Chef war. Ob sie das Bürgermeister-Amt in Hofheim noch reizt, dazu halten sich beide auf Anfrage bedeckt. Schon in dieser Woche wollen sie aber Parteivorstand und Fraktion einen Bürgermeisterkandidaten vorschlagen. Über die Empfehlung „sind wir uns schon einig“, sagt Vogt. Der Kandidat komme aus dem eigenen Stadtverband und sei jemand mit neuen Ideen, „der den Stillstand ein bisschen aufbrechen und ein Bürgermeister für alle Hofheimer sein wird“, so Vogt.

Hoch gehandelt wird Andreas Hegeler (50). Der Stadtverordnete ist stellvertretender Vorsitzender des Ortsverbands Diedenbergen und in jüngster Zeit häufig mit Vogt unterwegs, unter anderem in Airaines. Zuletzt war er zur Sondersitzung des Ortsbeirats Kernstadt zum Busbahnhof erschienen, ungewöhnlich für einen Stadtverordneten, der nicht aus dem Stadtteil ist. Hegeler, stellvertretender Stadtverordnetenvorsteher und stellvertretender Parteivorsitzender, ist Banker.

Die Grünen kündigten gestern auf Anfrage an, ebenfalls einen Kandidaten ins Rennen schicken zu wollen. Vorsitzender Helmut Zöll sieht nach dem Rückzug Stangs „eine offene Situation“, die keineswegs „direkt aussichtslos“ sei für einen Grünen-Bewerber. Für Namen sei es noch zu früh.

Auch Bernd Hausmann (Linke) sähe es persönlich gern, wenn seine Partei einen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken würde. Ob sie sich dazu durchringen könne, sei allerdings sowohl eine Personal- wie auch eine Geldfrage.

FWG und FDP, die mit CDU und SPD im Stadtparlament paktieren, werden eher keinen Kandidaten aufstellen. Die FWG hat ein vitales Interesse, dass ein SPD-Kandidat gewinnt. Denn nur dann erhält sie laut Kooperationsvertrag den vakanten hauptamtlichen Stadtratsposten. . .

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