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Alles gut, der Hocker hat vier Beine: Martin Schuchardt, Gabriele Schuchardt, Matthias Kreß und Peter Hohmann von der Schreinerei Fuchs lassen sich am ?Tag des Handwerks? über die Schultern blicken. Vielleicht wird bei manch jungem Besucher das Interesse geweckt...

Fachkräfte- und Nachwuchsmangel

Handwerker werden dringend gesucht

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Martin Schuchardt kann noch froh sein: Das Interesse an seinem Beruf sei wieder gestiegen, sagt der Obermeister der Tischlerinnung Main-Taunus. Doch nach wie vor werben die Gewerke zu defensiv für ihre Lehrberufe. Der „Tag des Handwerks“ am 15. September ist da nur eine kleine Ausnahme.

Lange sei das Handwerk ein Selbstläufer gewesen, meint der Obermeister der Tischlerinnung Main-Taunus, Martin Schuchardt. Doch das ist schon länger nicht mehr so. Nachwuchssorgen, Probleme, Betriebe an die nächste Generation weiterzugeben, Fachkräftemangel, Herausforderungen durch die Digitalisierung. . . – die Liste der aktuellen Herausforderungen ist lang. „Manches ist natürlich auch hausgemacht, das geben wir zu“, sagt Schuchardt. So habe es das Handwerk lange nicht verstanden, „sich präsent zu machen als interessantes Arbeitsfeld“.

Das hat sich in den vergangenen Jahren geändert. Die Image-Kampagne: „Das Handwerk – Die Wirtschaftsmacht von nebenan“, ist dafür nur ein Beispiel. Auch der „Tag des Handwerks“, in diesem Jahr am Samstag, 15. September, gehört zu den Instrumenten für eine bessere Eigendarstellung. „Das greift auch jetzt langsam“, hat Obermeister Schuchardt beobachtet. Für die Tischler kann er zumindest sagen, dass das Interesse an diesem Beruf wieder zunimmt.

Schuchardt selbst, Inhaber der Hofheimer Schreinerei P. Fuchs GmbH, hat in diesem Jahr sogar zwei neue Auszubildende eingestellt. „Sie wollten beide unbedingt“, da habe man keinem eine Absage erteilen wollen, sagt Gabriele Schuchardt, die für den kaufmännischen Teil des Betriebs zuständig ist. Sie nennt das „einen Glücksfall“, denn auch die Schuchardts haben mit Azubis schon andere Erfahrungen gemacht. Ein Grund, warum Martin Schuchardt sagt, er würde auch heute seinen Beruf gern wieder ergreifen, dann aber eine Zusatzausbildung in Mitarbeiterführung und Psychologie machen. „Das wird immer wichtiger.“

Wirklich ein großes Plus sei, dass der Main-Taunus-Kreis die holzverarbeitenden Berufe nach wie vor an den Brühlwiesenschulen habe, sagt Obermeister Schuchardt. Für ihn als Arbeitgeber sind Schulpraktika der wichtigste Schlüssel, geeigneten Nachwuchs zu finden. Dass viele Eltern immer noch glaubten, nur über Abitur und Studium könne ein gutes Einkommen und eine angesehene gesellschaftliche Stellung erreicht werden, ist für die Schuchardts völlig unverständlich. Die herkömmlichen Unterrichtsfächer böten zudem zu wenig Möglichkeiten, gerade handwerkliches Geschick als Talent zu entdecken und einen entsprechenden Berufswunsch zu entwickeln, findet das Paar, das selbst zwei erwachsene Kinder hat. Der Tag des Handwerks will die Möglichkeit bieten, Einblick zu bekommen, was eigentlich hinter den Werkstatttüren alles so passiert und was dort an Fähigkeiten gefragt ist. Dass auch im Handwerk immer mehr die digitale Welt Raum greift, lässt sich bei der Firma P. Fuchs zum Beispiel entdecken. Nach wie vor riecht es in einer Schreinerwerkstatt aber nach Holz und wie eh und je sind neben Kreativität genauso Kraft und Geschick gefragt.

„Dem Handwerk wird oft vorgeworfen, wir wollten immer gleich etwas Neues verkaufen“, weiß Fuchs-Mitarbeiter Peter Hohmann. Dabei sei Reparatur nach wie vor ein wichtiges Standbein und von den Kunden stark nachgefragt. „Das ist ja auch im Sinne der Nachhaltigkeit“, unterstreicht Gabriele Schuchardt. Peter Hohmann hatte die Idee, daher am „Tag des Handwerks“ ein sogenanntes „Reparatur-Café“ anzubieten. Besucher sind aufgerufen, einen Stuhl, der aus dem Leim gegangen ist, ein überholungsreifes Holzspielzeug oder andere hölzerne „Problemfälle“ von daheim mitzubringen und sie direkt von den Fachleuten der Firma Fuchs reparieren zu lassen. Als Gegenleistung erbittet das Werkstatt-Team um Tischlermeister Matthias Kreß eine Spende zugunsten der Stiftung Leberecht dieser Zeitung, die seit den 1950er Jahren behinderte und benachteiligte Kinder und Jugendliche in der Region unterstützt. „Wir haben etwas hier bei uns gesucht, wo wir helfen können“, war Gabriele Schuchardt von der Idee gleich begeistert. „Gerade, weil es um Kinder geht.“ Das ganze Team sei sich einig: „Für Leberecht setzen wir uns gern ein.“

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